Rotes Aushängeschild – Nachtrag

Schon wieder mal Südtirol, diesmal in rot. Bei „internationalen“ Cuvées bin ich häufig etwas voreingenommen, aber viele Kellereien dort meinen, als Weingutsflaggschiff eine solche Cuvée kreieren zu müssen, welche dann mit einem mehr oder weniger schmissigen Kunstnamen versehen wird. So auch beim

2015er Merlot Cabernet – Soma – Südtirol DOC, Kellerei Kurtatsch, Südtirol

der eine Cuvée aus 60 % Merlot und 40 % Cabernet (Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon) ist, der Name „Soma“ leitet sich hier vom altgriechischen Wort für „Leib, Körper“ ab.

Im Glas tief dunkelrot und praktisch undurchsichtig; für die Nase gibt’s satt und saftig dunkle Beeren in allen Facetten, auch ein klein bißchen rote Paprika, man riecht den Pelz schon auf samtige Art, dazu recht zurückhaltendes Holz in Form von alter grauer Fichte, weiters ein bißchen Vanille, Zuckerkulör und Ahornsirup. Am Gaumen recht geschmeidige Tannine mit kleinem Pelz, die Paprika ist hier etwas grüner und deutlich bitter, die Beeren sind herb-saftig, über allem schwingt ein leichtes Bakelit-Bitterchen. Dem vielen Extrakt steht auch reichlich Säure gegenüber, sodaß dieser nicht zu mächtig wird. Der recht lange Abgang wird von der grün-bitterlichen Paprika dominiert, im Finale bleibt eine deutliche Adstringenz übrig.

Der Soma macht in der Nase noch die beste Figur, am Gaumen und beim Abgang ist mir die grünlich-bittere Paprika deutlich zu dominant; mal sehen, ob sich das mit ein paar Jahren Lager noch einschleift. So sehe ich jetzt kein besonderes Alleinstellungsmerkmal, welches den Soma zum für mich bemerkenswerten Aushängeschild machen würde, da sind mir die reinsortigen roten Interpretationen des Hauses lieber.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

Nachtrag nach 72 Stunden mit Luft: im wesentlichen haben sich die Paprikas -sowohl die roten in der Nase als auch die grünen am Gaumen- komplett verdünnisiert, kantenmäßig bleibt nur ein bißchen Teer übrig, zu den Beeren haben sich nun auch einige Pflaumen gesellt. Der „Soma“ wirkt dadurch jetzt deutlich runder und aufgeräumter, der Merlot-Anteil hat nunmehr deutlich das Ruder übernommen. Gefällt mir so jetzt erheblich besser, auch wenn sich der Wein dadurch nun fast etwas beliebig anfühlt. War so gesehen ein durchaus schöner Wein, eine Dauerfreundschaft mit Merlot-lastigen Produkten wird sich da jetzt dennoch nicht entwickeln bzw. nach gut 15 Jahren erneut aufflammen.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 19 von 25

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