Die Lagen vom Tesch

Vergangenen Freitag haben wir wieder Weine probiert, die bei den WRINT-Flaschen-Podcasts besprochen wurden; diesmal gab es sechs Rieslinge vom Weingut Tesch aus dessen Lagenbox. Weil wir’s terminlich wieder nicht auf die Reihe bekommen haben, uns zu einem der beiden Sendetermine zusammenzufinden, fand das Treffen erst jetzt, also schon einige Zeit nach dem zweiten WRINT-Teil statt. Genau genommen handelt es sich nur um 5 Lagenrieslinge plus dem „Unplugged“, der keiner bestimmten Lage zugeordnet ist. Auf der Box ist jedoch noch die Lage „Rothenberg“ abgebildet, zu der jedoch kein Wein beiliegt; anscheinend gibt es hieraus erst in näherer Zukunft einen weiteren Lagenriesling.

Prolog:

Zum Warmwerden und Einstimmen auf die Rebsorte gab’s vorab diesen Riesling:

Wein A: 2016er Riesling – Hargardun – trocken – Qw, Bibo Runge, Rheingau

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Die Farbe ist ein mittleres Goldgelb, nasenmäßig zeigt sich vor allem reife Ananas, dazu ein bißchen was zitrisches ohne Säureanmutung. Am Gaumen dann eher frische Äpfel, die Säure ist für einen trockenen Riesling eher mild ausgeprägt, dazu etwas Kalk und Speckstein. Der Abgang ist mittellang, trotz hier deutlicherer Säure immer noch ein „milder“ Riesling.

Den „Hargardun“ könnte man in die Kategorie „verträglicher Riesling“ einordnen, tut niemandem weh. Da hat mir der einfache Erstlingswein aus 2013 noch besser gefallen.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 15 von 25

Drama:

Dann ging’s gleich los mit der Tesch’schen Lagenbox, die übrigens so aussieht:

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1. Wein: 2017er Riesling – Unplugged – trocken – Qw, Tesch, Nahe

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Im Glas ein helleres Goldgelb, in der Nase Kaktusfeige plus Papaya, anfangs leicht Maoam. Am Gaumen dann erst mal Äpfel + Papaya ohne Kaugummi, straffe, aber nicht angriffslustige Säure, ganz wenig weißer Pfeffer und ein paar nasse Kieselchen. Der Abgang ist von ordentlicher Länge und dabei frisch-leise-fruchtig, wieder mit Kiesbettchen.

Dies ist ein eher unkomplizierter Zechwein, absolut sauber gemacht, einfach und klar, aber auch nicht belanglos.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

2. Wein: 2017er Riesling – Langenlonsheimer Löhrer Berg – trocken – Qw, Tesch, Nahe

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Die Farbe ist ein mittleres Strohgelb, das Bukett ist etwas verhalten mit Lychee und abnehmendem Kaugummi. Am Gaumen dann Äpfel und Mirabellen mit Zitrone, auch Frühlingswiese, später noch Zanzibar-Ananas, leicht Ackerscholle. Die Säure wirkt trotz deutlicher Präsenz leicht angecremt, dazu gibt’s ordentlich nasse Terrasse. Der Abgang ist recht lang, dabei sehr frisch mit knackiger Frucht.

Sehr schöner Frische-Riesling, der seine Qualitäten allerdings erst so richtig offenbart, wenn man ihn im Mund hat, die leichte Erdigkeit steht der „Trinkigkeit“ nicht im Wege. Die Etiketten-Grundfarbe ist hier recht gut gewählt.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 18 von 25

3. Wein: 2017er Riesling – Laubenheimer Krone – trocken – Qw, Tesch, Nahe

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Die Farbe ist ein helles Goldgelb, in der Nase deutlich Ugli, etwas Apfel sowie Koriandersaat. Am Gaumen wieder Ugli, weiters Pampelmuse und ein grün-nussiges Bitterchen, neben der deutlichen Säure auch ein bißchen Speckstein, dadurch ganz dezent angecremt, die Mineralik ist auf der lehmigen Seite daheim. Der lange Abgang ist gelb-orange zitrisch, deutliche, aber geschmeidige Säure.

Auch hier paßt die Farbwahl recht gut, ist ein Vertreter der feineren Weine, der sich aber mit ein bißchen Kante recht interessant macht.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

4. Wein: 2017er Riesling – Langenlonsheimer Königsschild – trocken – Qw, Tesch, Nahe

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Hier ein dichtes Strohgelb im Glas, das verhaltene Bukett bietet Äpfel und Birnen. Geschmacklich dann deutlich potenter in Form von Marille, Guave und Weinbergspfirsich, dagegen steht eine recht straffe Säure, gepaart mit bemoostem Tuffstein, weiters ein Hauch saures Lakritz. Der Nachhall hallt schön lang, bietet orange Zitrusnoten plus Exotik bei animierender Säurestruktur.

Dieser Riesling ist insofern bemerkenswert, als daß der gelbe und nicht geringe Extrakt in Verbindung mit Säure und Kalk dennoch zu einem eher kühlen Gesamterlebnis führt. Oder lenkt das Blau des Etiketts den Geschmack unbewußt in diese Richtung?

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

5. Wein: 2017er Riesling – Laubenheimer Karthäuser – trocken – Qw, Tesch, Nahe

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Die Farbe ist ein dichtes Strohgelb, in der Nase mürbe, frische Äpfel (sic!), Nektarine und Natriumhydrogencarbonat (=Natron). Am Gaumen dann herber Dosenpfirsich und frittierte Kochbanane sowie später auch etwas rote Pflaume. Die deutliche Säure steht mit einem korrespondierendem Limettenaroma etwas isoliert da, die Steinchen sind von der leicht seifigen Sorte. Der Abgang ist recht lang mit dichter, grün-cremiger Frucht, dazu eine etwas harsche Säure.

Auch hier paßt die Flaschenfarbe ganz gut, der Wein mutet allerdings noch etwas disharmonisch an, was sich mit ein paar Jahren Lagerung aber einschleifen könnte.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

6. Wein: 2017er Riesling – Laubenheimer St. Remigiusberg – trocken – Qw, Tesch, Nahe

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Die Farbe ist ein mittleres Goldgelb, für’s Näschen gibt’s anfangs eher verhalten Rambutan, Guave und grünen Apfel. Am Gaumen gelb-zitrisch mit Pomelo und etwas Pampelmuse, entwickelt sich mit der Zeit recht deutlich, dann kommen auch weitere, gelbere Aromen wie Kumquat dazu. Straffe Säure, viel Kies und Kalk. Der Abgang hat eine ziemliche Länge, ist dabei extraktreich zitrisch mit sehr guter Säurestruktur.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

Nachtrag nach 48 Stunden mit Luft: in der Nase machen sich sehr frisch wirkende Mirabellen und Nektarinen breit, ohne in die Breite zu gehen, dazu erst ein Hauch, später eine deutliche Brise Tabak und auch ein paar erdverschmierte Steine. Am Gaumen zeigen die gelben Früchte auch eine schöne, frische Unreife, die durchaus straffe Säure tut ihr übriges dazu. Die Steine sind hier von der Erde befreit und wirken leicht magnesiumsalzhaltig. Der sehr frische Abgang hält recht lange auf hohem Niveau durch und repetiert den Eindruck vom Gaumen recht schön.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

Dies ist der einzige der Tesch-Weine, den ich nach einiger Zeit noch nachverkosten konnte, die Entwicklung mit Luft ist durchaus bemerkenswert und es steht zu vermuten, daß die anderen Flaschen ebenfalls eine schöne aromatische Reise machen können, wenn man ihnen etwas Zeit gibt bzw. geben kann. Der „St. Remigiusberg“ ist der teuerste Wein in der Box und gleichzeitig auch der, der mir am meisten gefallen hat, auch im Vergleich zu den anderen im Stadium mit noch nicht erfolgter Oxidation. Der Wein ist aktuell von allen in sich am meisten stimmig und weist aus meiner Sicht auch den höchsten Wiedererkennungswert auf.

Fazit zur Tesch-Lagenbox: die enthaltenen Rieslinge sind allesamt sehr ordentlich bis sehr schön, den ein oder anderen würde ich durchaus auch mal nachkaufen. Von den einzelnen Weinen geht allerdings weniger Reiz aus als von der Zusammenstellung der sechs Weine und den deutlichen, erkennbaren und aufgrund der geographischen Nähe teils erstaunlichen Unterschieden, die sich ja ausschließlich (oder zumindest großteils) aus den Lagen selbst ergeben sollen, da die Weine gemäß Aussage des Winzers allesamt gleich vinifiziert worden sind. Am entbehrlichsten ist dabei für mich der „Unplugged“, dem es bei aller Qualität ein bißchen an Expressivität fehlt, aber anscheinend wird der in der Box ja in naher Zukunft durch eine Flasche „Rothenberg“ ersetzt.

Epilog:

Nach so viel Riesling mußte dann noch ein bißchen was anderes her, zuerst Spätburgunder:

Wein B: 2015er [Pinot noir] – [trocken] – Badischer Landwein, Forgeurac, Baden

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Im Glas ein sehr helles Himbeer- bis Ziegelrot, leicht trüb, mit deutlicher Transparenz; das Bukett zeigt helle Kirschen, Waldhimbeeren (verziehen sich mit Luft etwas), dann auch rote Pflaumen, etwas Blutorange. Dazu gibt’s ein bißchen helle Würze, das Holz in Form einer Zigarrenkiste nimmt stetig zu, ohne dabei aber vorlaut zu werden. Am Gaumen ist die Frucht recht hell und doch intensiv, die Säure ist sehr deutlich, das Holz bringt auch hier Zigarrenkiste und etwas Kaffee mit. Der Abgang ist sehr lang, sehr dicht und vielschichtig und doch gefühlt sehr leicht.

Bei diesem Landwein hat jemand einfach alles richtig gemacht, die Struktur des Spätburgunders ist etwas ungewohnt, aber doch nicht freakig, die Aromatik klar fokussiert und doch etwas eigen, die Säurestruktur schlicht perfekt. Dazu ein aus meiner Sicht äußerst günstiger Preis, für mich der Wein des Abends.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

Wein C: 2015er Pinot Noir – Sommeracher Katzenkopf – [trocken] – Qw, Kerstin Laufer, Franken

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Die Farbe ist ein mittleres Rubinrot mit ebenso mittlerer Transparenz, in der Nase rauchig-holzig mit Mentholnote. Am Gaumen dann ein leicht reduziert wirkender Mix aus Kirsche und Waldhimbeere jenseits der Plakativität, signifikant Holz und Teer, die Säure ist recht potent, mit etwas Luft tauchen auch hier Noten von Menthol bzw. Pfefferminz auf. Der Abgang ist sehr lang, dabei würzig-frisch, im Finale drängelt sich der Teer etwas nach vorne.

Hier gefällt mir vor allem, daß die Frucht keine „typisch deutsche“ Extraktsüßebetonung aufweist und auch noch mit den erwähnten organischen Noten einige schöne Kanten bereithält. Vor allem in Anbetracht der Tatsache, daß die Winzerin noch nicht soo lange im Geschäft ist, sich anscheinend auch noch in der Ausprobierphase -allerdings mit klarem Konzept- befindet und das hier tatsächlich ihr erster Spätburgunder ist, ist das in meinen Augen eine sehr gute Referenz für dieses Weingut.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

Dann ging es farbmäßig zwar ein bißchen durcheinander, aber macht nix:

Wein D: 2017er Scheurebe – trocken – Gutswein, Wagner-Stempel, Rheinhessen

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Ein mittleres Strohgelb im Glas, geruchlich gibt’s Stachelbeere und etwas Kaktusfeige mit leichter Kaltvergärungsnote. Am Gaumen recht intensiv apfelig plus wieder Kaktusfeige, etwas Jostabeere, leichte Restsüße, die aber ganz gut eingebaut ist; ein bißchen Kalk kann man auch noch finden. Der Nachhall hallt ordentlich, der Extrakt wird deutlich betont, wieder etwas nicht weiter störende Restsüße.

Das ist eine soweit ganz gut gemachte Scheurebe, die ich in den „Crowdpleaser-Bereich“ einordnen würde, bewegt mich jetzt aber nicht zum Nachkauf.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

Wein E: 2014er [Cuvée] – Château Mazane – Vacqueyras AC, Alain Jaume, Rhône

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Dies ist eine Cuvée aus 60 % Grenache noir, 30 % Syrah und 10 % Mourvèdre.

Im Glas granatrot, mittel transparent, das Bukett zeigt Blaukraut mit Nelke, dann Zwetschge und Zedernholz. Am Gaumen dominiert dann klar die Zwetschge, auf den Plätzen folgen Kakao und auch ein bißchen Alk, weiters sonnengegerbtes Fichtenholz. Die Säure ist eher moderat vertreten, dennoch nicht ganz unfrisch. Der Abgang ist lang und dicht, auch hier eine gewisse Restfrische, im Finale ein Bakelit-Bitterchen.

Von der Rhône gibt’s deutlich viskosere Sachen, diese Cuvée schafft den Spagat zwischen Intensität und Fluß noch ganz gut, allerdings sehe ich diesen Wein eher als Speisebegleiter zu schon recht deftigen Sachen, sonst wär’s mir doch ein bißchen zu viel…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 18 von 25

Wein F: 2015er Riesling – Kastanienbusch – Aus dem Schiefer – trocken – Qw, Wolf, Pfalz

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Die Farbe im Glas ist mittel goldgelb, dann eine expressive Flintnase u.a. mit pastösem Schwefel und Bariumchlorid. Im Mund dann intensiv rauchig, angeflintete Frucht wie Yuzu, Zitrone, Limette, dazu eine kernige Säure auch noch leicht CO2-prickelig; gesteinsmäßig gibt’s leicht Schiefer und etwas mehr Kalk. Auch der lange Abgang ist herb-flintig, die Frucht steht in zweiter Reihe, behauptet sich aber gut, wieder eine recht knackige Säurestruktur.

Richtig schönes Pfälzer Riesling-Kino für Mineralliebhaber mit deutlichem Suchtpotential!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

Fazit zur Runde:

Die Runde war sehr schön und entspannt, zu den Weinen gab’s ganz hervorragende Pfälzer Wurstwaren, die auch zu Nahe- und sonstigen Weinen wunderbar passen. Wenn man die Einzelweine betrachtet, hat das Rahmenprogramm den Tesch-Weinen zwar leicht die Show gestohlen, aber die Box bzw. deren Inhalt trumpft halt in der Gesamtheit auf, da ich diesen Lagenvergleich wirklich sehr spannend fand.

Ich hab‘ das Ganze zwar losgetreten, die Ausrichtung fand aber bei einem unserer Blindtasting-Mitglieder „der ersten Stunde“ statt, vielen Dank an dieser Stelle noch für die vorzügliche Bewirtung und daß es wieder eine recht lustig-lockere Runde wurde!

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