Der erste Aussteiger

Gestern war wieder Silvaner-Time. Aufgrund einer Einladung zu einer Veranstaltung im Meatingraum (Untertitel: Zentrum für ganzheitlichen Hedonismus), bei der auch die Weine von Thomas Plackner eine gewichtige Rolle spielen, zu der ich aber aus terminlichen Gründen nicht hingehen kann, hab‘ ich mir dann zumindest den Anstoß gegeben, wieder mal einen der Weine dieses

Aussteiger[s] aus dem Hamsterrad des großen Business und (Quer-)Einsteiger[s] in die Welt der Winzerei

zu öffnen. Diesmal wurde es der

2012er Silvaner – Aussteiger – [trocken] – Qw, Plackner, Franken

dessen Traubenmaterial noch gar nicht von eigenen Parzellen stammt, sondern vom Mainstockheimer Hofstück und dem Zeiler Mönchshang. Weiters gibt es folgende technischen Daten: Restzucker 4,1 g/l, Gesamtsäure 6,0 g/l, gelesen am 2. Oktober 2012 mit 100° Oechsle; 50 % Maischegärung, 40 % Edelstahl, 10 % Barrique Zweitbelegung.

Im Glas zeigt sich ein sehr kräftiges Goldgelb, für’s Näschen gibt’s ziemlich intensiv ankandierte Pampelmusenzesten mit etwas Rauch und leicht Akazienhonig, später auch Blutorangen. Geschmacklich ebenfalls sehr dicht zitrusaromatisch mit allen möglichen gelb bis orangen Sorten; dem opulenten Extrakt steht ausreichend Säure gegenüber, um den Gesamteindruck auf der fluffigen Seite zu halten. Der Extrakt ist so mächtig, das er trotz der potenten Säure ein bißchen bizzelt was aber auf höchst animierende Weise erfolgt. Darunter gibt’s auch noch einiges an Kräutersalz, was auf den ersten „Schmeck“ trotz dessen Konzentration gegenüber der Extraktübermacht gar nicht so auffällt. Der Abgang ist ewig lang und ewig dicht, wieder Zitruskonzentrat mit Pampelmusen-Leadership und auch ein bißchen Malz und Leder, trotz aller Dichte sehr beschwingt.

Opulente Weine sind ja häufig auch eher anstrengend zu trinken, hier ist alles wunderbar im Lot, die Flaschenleerung erfolgte trotz unbelastender 14 PS in kürzester Zeit, bewegt sich absolut auf GG-Niveau und scheint seit der Abfüllung eine interessante Entwicklung durchgemacht zu haben, denn von der aromatischen Beschreibung im Weinbrief ist nicht mehr viel übrig geblieben. Dieser Silvaner ist -zumindest im aktuellen Stadium- einer der traditioneller anmutenden Weine dieses kleinen Guts mit dennoch eigenem Kopf, ist auch entgegen der meisten späteren Plackner-Silvaner noch ein Qualitätswein…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 23 von 25

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