Das erste Kapitel

Nach recht langer Zeit habe ich heute mal wieder einen der Basis-Weine von Christian Tschida geöffnet, der allerdings preislich auch schon da angesiedelt ist, wo manch andere Weingüter nach oben hin schon aufhören:

2012er Rotweincuvée – Kapitel I – trocken – Landwein Weinland, Christian Tschida, Neusiedlersee

Soweit ich das herausbringen konnte, ist dies eine Cuvée aus Zweigelt und Cabernet Franc.

Die Farbe ist ein dunkles Rubinrot mit violetten Rändern, fast blickdicht. Geruchlich gibt’s herbe, dunkle Frucht wie Schattenmorellen und Aronia, dazu ganz leicht Karton und Kellerabgang, dezent auch grau sonnengegerbtes Fichtenholz einer alten Berghütte, welche mit Luft in der Größe deutlich zunimmt, außerdem ploppt irgendwann ein mit hellem Tabak gefülltes, kleines Ledertäschchen auf. Am Gaumen sehr herb-frisch-saftig, die Säure ist recht deutlich und wirkt rot-zitrisch, auch wenn ich das konkret keiner Frucht zuordnen kann. Mit der säuerlich-frischen Frucht kommt einiges an Gesteinsmehl mit, allerdings recht subtil. Tannine gibt’s auch ein paar, die kommen erst mit etwas Verzögerung zur Geltung und wirken dann kurz ein bißchen adstringierend, korrespondieren sehr schön mit der Säure. Auch hier nach einiger Zeit ein Hauch Leder und Tabak. Der Abgang ist von ziemlicher Lange, dabei sehr frisch, herb, dezent reduktiv und hier auch recht gerbstoffig, wieder mit einer distinguierten Gesteinsunterlage und langsam aufkommender, immer dienender Holzaromatik.

Auf den ersten „Schmeck“ wirkt der „Kapitel I“ fast wie ein herber Fruchtsaft, die für Tschida-Verhältnisse eher hohen 12,5 Umdrehungen scheint es überhaupt nicht zu geben. Mit etwas Zeit tauchen dann mehr und mehr Aromen auf, die den Wein immer ernsthafter erscheinen lassen, wobei aber keiner der aromatischen Anteile jemals eine deutliche Führungsrolle übernimmt oder versucht, ihn aus der frisch-kühlen, fast kargen Ecke zu holen.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

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4 comments on “Das erste Kapitel

  1. Mir geht’s mit Tschida meistens so. Sie schmecken mit schon recht gut, nur finde ich sie auch sehr teuer. Meistens finde ich etwas anderes mit einem besseren Preisleistungsverhältnis.

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    • Das ist richtig, ganz billig sind die Tschida-Weine nicht, insbesondere seit die in Deutschland nur noch exclusiv von MS HT vertrieben werden und die Preise durch merkliches Drehen an der Exclusivitätsschraube auch ordentlich angestiegen sind. Deshalb habe ich in letzter Zeit auch viel weniger Weine dieses Guts gekauft. Aber ich finde die Stilistik schon recht einzigartig und da rückt dann das Gewicht des PLV aus meiner Sicht auch ein Stück weit nach hinten. Ist ein bißchen so, als wenn man sagt, man trinkt ausschließlich deutschen Spätburgunder, weil Pinot noir aus dem Burgund (fast immer) ein schlechteres PLV hat. Die Weine sind aber halt doch deutlich anders…
      Muß man halt abwägen, ob’s einem der Spaß wert ist, so wie z.B. beim „Ornellaia“. Zitat: „ab und zu sollte man sowas mal probieren“ 😉

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