Tre miile

In den letzten Jahren ist mir bei unseren Südtirol-Aufenthalten insbesondere das „Miil“ ans Herz gewachsen, ich finde die Kombination aus Weingut, „Sieben Gärten“ und Restaurant einfach sehr gelungen und bis jetzt hat ’rundrum immer alles gepaßt. So habe ich auch diesmal wieder (zum dritten mal) einen Tisch dort reserviert und es wurde erneut das „Überraschungsmenü“ bestellt. Wobei nicht jeder das Gleiche bekam, auf Unverträglichkeiten etc. reagiert man im Restaurant entsprechend. Zu den Weinchen, die ich eingeschenkt bekam, habe ich folgende Notizen gemacht:

1. Wein: 2016er Red Love – Apfelcidre, Baumschule Gruber-Genetti, Südtirol

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Farblich dunkle Zwiebel mit rotem Touch, sehr feine und gut anhaltende Perlage, in der Nase süßer, mürber Apfel mit rotem Einschlag wie Granatapfel sowie leicht Himbeere. Am Gaumen schaumig feinsüße, rotapfelige Frucht, nicht übertrieben prickelig, dennoch sehr frisch; der rotfruchtige Abgang ist sehr lang und belebend.

Meine Erfahrungen mit (Apfel-) Cidre sind nicht unbedingt die besten, aber dieser 2,5-Prozenter aus rotfleischigem „Red Love“ hat uns echt begeistert. Die o.g. Baumschule produziert diesen Prickler wohl nur in recht geringen Mengen und ist anscheinend nicht so ohne weiteres zu beschaffen. Ich muß den Hersteller mal direkt anschreiben…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 19 von 25

2. Wein: 2016er Blauburgunder – Rosé – Kunstwerk der Natur – Mitterberg IGT, Kränzelhof, Südtirol

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Im Glas ein helles Ziegelrot bis orange, für den Riechkolben gibt’s Rauch bzw. Räucherspeck, weiters Granatapfel und etwas Teer, geschmacklich rauchig-fruchtig, hier auch helle Kirsche, etwas frisches Laub, dazu eine perfekte Säure, dezente aber signifikante kühle Mineralik. Nachhallmäßig dann sehr lang und dicht, hier Frucht vor Rauch, sehr animierend…

Als ich zuletzt in der Vinothek des Guts auch die Rosés vorheriger Jahrgänge probiert habe, haben mir diese nicht sonderlich gefallen, jedenfalls hab‘ ich damals keine mitgenommen. In dieser Form entspricht das „rosa Kunstwerk“ meinen Vorlieben bei dieser Farbe schon erheblich mehr.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

3. Wein: 2018er Sauvignon [blanc] – Indra – Südtirol DOC, Kellerei Girlan, Südtirol

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Im Glas ein helleres Goldgelb, das Bukett zeigt Pfirsich sowie Stachelbeeren mit Estragon. Am Gaumen erst mal wie oben, dabei recht intensiv, dazu leicht Limette, schöne Säure, kleines Kiesbett. Der Abgang ist von guter Länge und dabei fruchtbetont mit kühler Säure und herben Steinen im Finale.

Ein eher klassischer SB, einerseits intensiv, aber auch nicht zu laut und / oder grün; schön gemacht, aber auch total kantenfrei. Ich war ganz positiv überrascht, weil ich die Kellerei Girlan aufgrund früherer, nicht so berauschender Erlebnisse in letzter Zeit regelmäßig links liegen gelassen habe, aber die Nachkaufhürde hat dieser Wein noch nicht nehmen können.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 18 von 25

Der sehr gute Service hat in den Gesprächen rund um die einzelnen Gänge schon etwas vorgefühlt, was er seinen Kunden zumuten kann und sich dann getraut, uns diesen Wein „neben der Spur“ einzuschenken:

4. Wein: 2017er [Gewürztraminer] – GT – Vino bianco, Pranzegg, Südtirol

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Farblich liegt der „GT“ wie sehr dunkler, naturtrüber Apfelsaft im Glas. In der Nase Backapfelmost mit fermentiertem Gewürzstrauß, am Gaumen fast karg anmutend, sehr frisch, sehr kalte, nasse herbe Steine, dazu eine reduktiv anmutende Säure, ein Hauch Adstringenz, die Dichte nimmt mit Luft dann signifikant zu. Recht langer Abgang, dichter als am Gaumen wirkend, mit mostigen Äpfeln und Quitten, animierende Säure, ein Hauch Lakritz.

Fand ich sehr schön und spannend zugleich, nicht ganz so expressiv wie der „Tonsur„, vielleicht auch einfach noch ein bißchen zu jung oder nicht lange genug der Luft ausgesetzt.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 21 von 25

5. Wein: 2015er [Tannat] – [Komet] – DOT · XV – Vigneti delle Dolomiti IGT, Alois Lageder, Südtirol

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Die Farbe ist ein dunkles Rubinrot, wenig Transparenz, leicht violette Ränder. Geruchlich zeigen sich saftige Waldbeeren mit Eukalyptus und etwas Aronia, Holz kommt erst nach einiger Zeit in Form einer alten Berghütte zum Vorschein. Geschmacklich ziemlich saftig mit samtigen Tanninen, leichtes Bakelit-Bitterchen, etwas grüne Paprika, dazu eine ebenso samtige, aber potente Säure, einige herb-bittere Steinchen. Der Nachhall hallt ordentlich lang mit Betonung von herb-bitterem Bakelit und etwas Paprika.

Ich hab‘ nicht recht arg viel Tannat-Erfahrung und aus Südtirol schon gar nicht. Insofern war dieser für die Rebsorte und für sein Alter (bzw. seine Jugend) schon erstaunlich geschmeidige Rebsortenvertreter aus der experimentellen „Kometen-Linie“ (Flasche 121 von 268) schon recht interessant. Speziell dieser Wein taucht übrigens auf der Kometen-Seite des Weinguts gar nicht auf, wird anscheinend eher „unter der Hand“ verteilt. Ist aber bei aller Qualität bzw. trotz „Aha-Erlebnis“ nicht unbedingt ein Nachkaufkandidat für mich.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 19 von 25

Zu den Nachspeisen gab’s dann auch noch süße Sachen:

6. Wein: 2017er Petit Manseng – Passion – Mitterberg IGT, St. Pauls, Südtirol

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Farblich ein sehr dunkles Goldgelb mit leichtem Grauschleier, für die Nase gibt’s vorrangig und dicht Quittenessenz. Am Gaumen ebenfalls saftige Quitte, weiters etwas Abate-Birne, sehr geschmeidige Süße mit gut korrespondierender Säure, leichte Zitroneneisaromatik. Der Abgang präsentiert ordentlich lang Süße und Säure im Einklang.

Dieser süße Südtiroler hat uns recht gut gefallen; daß man mit Petit Manseng auch eine schöne Süße-Säure-Balance hinbekommt, ist aus meiner Erfahrung zumindest nicht selbstverständlich, hat hier gut geklappt. Dennoch eher kein Nachkaufkandidat, da sind Riesling, Rieslaner, Scheurebe und Co. aus D doch meist deutlich weiter vorne…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 19 von 25

7. Wein: 2016er [Weißburgunder] – Dorado – Kunstwerk der Natur – [Passito] – Vino Bianco, Kränzelhof, Südtirol

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Hier ein recht sattes Bernstein im Glas, geruchlich öliges Backapfelkonzentrat, dazu ein Gemisch aus Karamell, Zuckerkulör, Ahornsirup und „Goldsaft“. Am Gaumen recht dickflüssig, fast etwas mehlig, hyperkonzentriertes Kernobst, kaum Säure, daher ziemlich viskos; im eher mittellangen Abgang ebenfalls ölig und recht sättigend.

Wir haben zu unseren Nachspeisen diese zwei verschiedenen Süßweine bekommen, das Weißburgunderkonzentrat hat uns allen deutlich weniger gefallen. Es ist zwar aromatisch irgendwie interessant, zum zweiten Schluck muß man sich dann aber schon ein bißchen zwingen; reinsortiger Weißburgunder ist halt aus meiner Sicht nicht die beste Wahl zur Herstellung eines Passitos…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

Insgesamt vor allem vom Essen her ein Abend, der ohne Fehl und Tadel war, weinseitig hätte man sich aus meiner Sicht noch ein bißchen mehr trauen können, das ist dann aber schon meckern auf angenehm hohem Niveau (nur der allerletzte „Süße“ war uns etwas „too much“, aber wir hatten genügend vom Petit Manseng ins Glas bekommen, das dann geteilt wurde). Wird nicht das letzte mal gewesen sein…

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