Der schräge Hase

Der gebürtige Schweizer Mike Muff heißt wohl zum einen wirklich so und ist mehrheitlich im Keller von Claus Preisinger beschäftigt, wo er an der Entstehung so mancher schräger Weine mitwirkt, in welcher Form auch immer. Es gibt aber jedes Jahr auch ein oder zwei Weine, die unter seinem Namen mit immer neuen Etiketten auf den Markt kommen. Wir haben davon letzte Woche den

2016er Chardonnay – trocken – Landwein Weinland, Mike Muff, Neusiedlersee

geöffnet, der aufgrund des Etiketts auch als „Hase“ angepriesen wird.

Die Farbe ist ein leicht trübes, dunkleres Apfelsaftgelb, in der Nase etwas verhalten reduktiver Apfelmost, ein bißchen Blumentopf, ein Hauch weißer Rauch, mit Temperatur auch Roiboos-Tee und überreife Maracuja. Am Gaumen spürt man erst mal die weißen Tannine mit leichter Adstringenz, dann Earl Grey-Tee, anschließend die sehr herbe, reduktive Frucht, weniger mostig als beim Bukett, hier auch Exotik wie Papaya und Khaki. Dazu eine herb-pelzig wirkende Säure, die den Chardonnay auf der beschwingten Seite hält. Der Abgang ist ziemlich lang, dabei herb-adstringierend mit schöner Frucht-Tee-Balance, auch hier eine sehr gerbstoffige Säure.

Dieser „Natur-Chardonnay“ hebt sich von manch anderen Weinen dieser Machart dadurch ab, daß das Gefühl am Gaumen gegenüber dem Bukett nicht absackt. Weiters ist jeder Schluck wieder ein bißchen anders, man ist also ständig auf der Suche nach neu aufploppenden Aromen. Hat mit „klassischem“ Chardonnay nix gemein, aber wenn man auf solche freakige Sachen steht, hat man viel Spaß damit.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

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