Spätburgunder Incognito – Relaunch 2

Vor gut eineinhalb Jahren war der

2012er Pinot Noir – »Inspiration Blanc« – Blanc de Noirs – Meersburger Sonnenufer – trocken – Qw, Aufricht, Bodensee

ja noch so jugendlich unterwegs, daß ich ihm durchaus noch ein längeres Leben zugetraut habe. Dennoch habe ich bereits gestern die letzte Flasche davon entkorkt:

Im Glas ein recht sattes Goldgelb mit graurotem Touch, auf den ersten „Riech“ denkt man erst mal an leicht angereiften Riesling, etwas Ski- und Bohnerwachs kommt einem da entgegen, auch Pilze bzw. eher eine Art torfig-karamelliger Baum-Schwamm auf recht angenehme, warme Art; dahinter dann etwas gelbes Steinobst. Am Gaumen setzt sich das Ganze in ähnlicher Form fort, die Frucht kommt hier noch etwas besser zur Geltung und wird durch etwas Blutorangenkonzentrat nebst kleinem Campari-Bitterchen ergänzt. Die Säure ist nicht überbordend, hält den BdN aber souverän auf der belebenden Seite, Steinchen gibt’s im Hintergrund mit leichtem Teer- / Wachscoating. Der Nachhall hallt ordentlich lang, auch hier dominiert die wachsige Rieslingreifearomatik mit schöner Säure-Bitterchen-Kombination.

Sehr interessant, wie dieser weiße Spätburgunder sich nun zum Ende seines Lebens hin entwickelt hat. Macht -sofern man was mit Riesling-Alterungstönen was anfangen kann- durchaus noch Spaß, sollte man aber binnen einer Stunde ausgetrunken haben, danach geht’s bergab. Zulegen wird die „Inspiration blanc“ also sicher nicht mehr, besser jetzt und zügig wegtrinken!

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 17 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 06. November 2017:

Ich mußte mal wieder eine Zustandskontrolle bei einem der Weinchen durchführen, bei denen ich mir nicht so ganz sicher bin, wie lange die so durchhalten:

2012er Pinot Noir – »Inspiration Blanc« – Blanc de Noirs – Meersburger Sonnenufer – trocken – Qw, Aufricht, Bodensee

Die Farbe ist nach wie vor Strohgelb, kein Hinweis auf die Abstammung von roten Trauben oder auch fortgeschrittene Reifung. Geruchlich zeigen sich ein paar Nüsse, etwas Weißkohl und Rucola sowie sonstige Wiesenkräuter, auch einiges an Kernobst sowie Anklänge von Windeleimer, aber nicht unangenehm. Am Gaumen ist die Fruchtseite ausgeprägter: frische Äpfel, nicht ganz reife Ananas sowie leicht Johannisbeere geben den Ton an, alles von einer leichten Schmutzigkeit umspült. Mit der knackigen Säure kommen noch Limette und Pampelmuse incl. kleinem Bitterchen mit. Den beim letzten mal beschriebenen Holzeinfluß findet man fast nicht mehr, dafür ist eine herb-seifige Mineralik deutlich präsent. Der Abgang ist von der Länge her ordentlich, die Blutorange gibt’s hier immer noch; Frucht und Schmutz halten den etwas eigenen Charakter dieses „Spätburgunders incognito“ weiter hoch.

Immer noch sehr jugendlich wirkend, die leichte Fermentationsaromatik ist allerdings sicher nicht jedermanns Sache, für mich ist es eine schöne Kante bei diesem Wein, muß man aber mögen…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 18 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: Die leicht gemüsigen Noten sind sehr stark zurückgegangen, die Säure fühlt sich etwas runder an. Kurz gesagt: die Kanten wurden etwas abgeschliffen; ist also etwas „gefälliger“ geworden. Nicht besser oder schlechter als gestern, nur ein bißchen anders…

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 14. August 2015:

Heute mal wieder ein Spätburgunder, den wahrscheinlich kaum einer als solchen erkennen würde:

2012er Pinot Noir – »Inspiration Blanc« – Blanc de Noirs – Meersburger Sonnenufer – trocken – Qw, Aufricht, Bodensee

Die Farbe deutet jedenfalls nicht mal ansatzweise auf Pinot Noir hin: ein mittleres Strohgelb, wie es auch z.B. ein Weißburgunder haben könnte. Kein Stückchen rötlicher Reflex, nix. In der Nase grüne Äpfel, Löwenzahn, Pinienkerne, ganz leicht Dill. Und die berühmten nassen Steine. Am Gaumen sind die Äpfel etwas reifer, dazu kommen Ananas, Limette und etwas Johannisbeere. Man spürt das große Holzfaß ein bißchen in Form von Nelke und Leder, anfangs nur sehr dezent, nimmt aber mit der Zeit ein bißchen zu. Trocken, aber ziemlich extraktreich, reibt partiell ein bißchen am Gaumen. Prägnante Säure, die den Wein trotz 13 PS sehr frisch macht. Schöner mineralisch-säurebetonter Abgang, der noch ein bißchen Blutorange mitbringt.

Man sieht an solchen Weinen sehr schön, wo bei einem normalen roten Spätburgunder der Geschmack im Wesentlichen eigentlich herkommt, nämlich aus den Schalen. Sehr schöner Blanc de Noir, der mich vor Allem durch die gelungene Kombination aus Gehalt und Frische überzeugt, habe ich nicht das letzte Mal im Glas gehabt. Ich gehe aber davon aus, daß der Wein die nächsten 3 bis 5 Jahre eine positive Entwicklung durchmacht. Mal sehen…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3

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