Großartiges aus dem A….jahr

Ich könnte mich heute noch in den Allerwertesten beißen, daß ich seinerzeit nicht mehr 2010er Weine gekauft habe, vor allem was Weiße der höheren Qualitäten betrifft. Ich bin da teils auch der allgemeinen Demagogie der Weinaugurenriege aufgesessen, wonach die Weine aus diesem in D kühlen und regnerischen Jahr eher was für den Ausguß denn für’s Glas seien. Daß dem nicht so ist, habe ich dann immer wieder nach einigen Reifejahren (beim Wein natürlich) feststellen können; aufgrund der überwiegend sehr positiven Erfahrungen bin ich aktuell immer wieder auf der Suche nach schönen Flaschen aus diesem Jahr und werde zum Glück auch häufiger fündig. So auch mit dem

2010er Riesling – Laumersheimer Steinbuckel – trocken – 1. Lage – GG, Philipp Kuhn, Pfalz

welcher jetzt neu bei einem meiner Händler auftauchte, noch dazu zu einem Preis, wie man ihn wohl auch bei dessen Erscheinen noch gezahlt hätte.

Die Farbe ist ein sehr intensives Goldgelb, fast schon Bernstein, für den Riechkolben gibt’s vom Fleck weg Thymianhonig mit Blutorangenkonzentrat, mit der Zeit wird der kandierte Zitruskorb immer voller und vielfältiger, der Honig wird etwas in den Hintergrund gedrängt; ordentlich Säure kündigt sich an, allenfalls ein Hauch Bienenwachs schwingt mit. Am Gaumen dann von orange bis gelb alles an Zitrusextrakt, was man sich so vorstellen kann incl. Kumquat, Pomeranze und auch etwas Tamarinde, begleitet von einem bißchen weißem Pfeffer; die Honigseite wird hier eher durch Rosmarinhonig vertreten. Die potente Säure ist perfekt austariert und hält den amtlichen Extrakt souverän in Schach. Als Unterlage fungieren nicht wenige herbe Steine mit einem sehr dünnen Steinkohlenteerölcoating. Der Nachhall hallt locker im Minutenbereich, ist sehr dicht und fruchtig-würzig, die agile Säure hält aber auch hier alles auf der klar erfrischend-beschwingten Seite.

So liebe ich (unter anderem) Riesling-GG’s: opulent in der Zitrusfrucht mit vielen, sich abwechselnden Varietäten, unlimitierte Säure für kompromißlose Frische, kantige mineralische Beigaben. Der Wein zeigt abgesehen von dem Hauch Bienenwachs beim Bukett keinerlei Alterungsphenolik oder -petrolik. Das bestärkt mich erneut in meiner Meinung, daß 2010 in D insbesondere bei den höheren weißen Qualitäten ein herausragender Jahrgang ist, dem 2015, 2018 etc. trotz kollektiver Hochlobung nicht das Wasser reichen können. Bis jetzt mein Highlight bei den Kuhn’schen Riesling-GG’s.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 24 von 25

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6 comments on “Großartiges aus dem A….jahr

  1. Bei einigen Wachau-Smaragden (u.a. von Knoll) habe ich die gleichen positiven Erfahrungen über den Jahrgang gemacht. Da ist nichts fett, nichts dickflüssig – dagegen fast keine Alterungsnoten, immer noch eine rassige Säure und dadurch ein toller „Trinkfuss“.

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    • Ja, die Säure macht’s da einfach aus, teils haben die Weine über 10 g/l davon. Allerdings mußte man genügend lange warten, bis sich das Süße-Säure-Spiel auf das jetzt bei vielen 10ern quasi perfekte Level hin entwickelt hat. Das Potential haben so einige der Weingrößen seinerzeit nicht erkannt, auch z,B. MS HT aus HH hat den 10er Riesling „Bruck“ von Veyder-Malberg seinerzeit gehörig in den Senkel gestellt ohne auch nur ansatzweise einen positiven Ausblick für die Zukunft parat zu haben. Aber da war er wohl in guter Gesellschaft und ich selber hab’s leider auch nicht gleich überrissen…

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