Don Camillo (und Peppone?) – Relaunch

Nachdem ich zuletzt einen Holz-Müller im Glas hatte, den ich als recht unique beschrieben habe (wer macht schon MT im Holzfaß?), habe ich mich daran erinnert, daß ich ja doch noch (fast) sowas im Keller habe. Sind zwar „nur“ 90 % Müller-Thurgau, aber immerhin! Wurde dann gleich sofort spontan zu Vergleichszwecken aus dem Regal gezogen:

2014er [Cuvée] – ‚m Pfarrer seiner – trocken – Qw, Roth, Franken

Im Glas ein recht dichtes Goldgelb, fürs Näschen gibt’s gleich einiges an Backäpfeln, sehr reifen Mirabellen und später auch noch etwas Orangenschale, sanft aber prägnant von einer kleinen Zigarrenkiste umweht. Am Gaumen setzt sich das Ganze weitgehend so fort, auf der Fruchtseite kommen auch Zitronen- und Pomeloextrakt dazu, sogar etwas Löwenzahn. Die Säure ist deutlich und dem Extrakt gut gewachsen, das Holz ist hier etwas dezenter mit einem Hauch Torfigkeit versehen. Der Abgang ist ein Mehrminüter und präsentiert die unaufgeregt holzumwaberte Frucht auf der belebenden Seite, der durchaus amtliche Extrakt wirkt auch hier nicht belastend.

Ich weiß nicht, wieviel des geschmacklichen Erfolgs hier den 10 % Silvaner zuzuschreiben sind, aber die Müller-Übermacht zeigt hier schon recht anschaulich, daß auch diese Sorte zu Großem fähig ist. Hat sich seit dem letzten mal deutlich nach vorne entwickelt und ist m. E. noch lange nicht am Ende. Nach wie vor mein Lieblings-Roth-Wein!

Übrigens: wie ich auf der Heimseite Guts gesehen habe, gibt es zu „Don Camillo“ nun auch das Gegenstück „Peppone“, natürlich in rot…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 05. Februar 2017:

Der zweite Wein des letzten Sonntags war mal wieder was aus Franken:

2014er [Cuvée] – ′m Pfarrer seiner – trocken – Qw, Roth , Franken

Ich wußte recht wenig über den Wein, nur daß der (Bei-) Name daher stammt, daß der Weinberg bzw. die Parzelle, aus dem / der die Trauben stammen, mal einem Pfarrer aus der Wiesenbronner Gegend gehört hat. Auf Nachfrage hin habe ich jetzt freundlicherweise vom Weingut die Info bekommen, daß es sich hier um eine Cuvée aus 90 % Müller-Thurgau und 10 % Silvaner handelt. Der Wein wurde zuerst auf der Maische angegoren und nach einer Kaltmazeration im Betonei vergoren, danach im Holzfaß ausgebaut.

Die Farbe ist ein schön dichtes Goldgelb, in der Nase leicht flintig, etwas Lakritze, dahinter einiges an gelber Frucht. Am Gaumen kann man die dann etwas besser auseinanderhalten: sehr reife Sternfrucht, Mirabellen und ein voller Zitruskorb auf der fruchtsüßen Seite. Wobei der Wein ziemlich trocken ist, die Säure muß sich nur mit dem Extrakt auseinandersetzen, macht das aber sehr schön. Die Holzaromatik ist etwas eigenwillig und offenbart Sachen wie Bakelit, Teer und etwas Rauch, ein paar naß-herbe Steine gibt’s auch im Hintergrund. Der Abgang hält sehr lang, ist dabei mineralisch-fruchtig-frisch bei kaum abschwellender Intensität.

Trotz der speziellen Holzaromatik kam Don Camillos Wein auch bei den nicht so wein-nerdigen Gästen sehr gut an, was mich doch etwas gewundert hatte. Ich war vom ersten Nase-reinstecken an begeistert, zweifelte aber an der Akzeptanz der Mittrinker. Schön, daß ich mich da geirrt habe! Bevor ich beim Weingut nachgefragt habe, habe ich nur Sachen wie Sauvignon Blanc, Gewürztraminer etc. ausgeschlossen. Müller-Thurgau allerdings auch, dafür erschien mir der Wein zu dicht und vielschichtig. Ich habe eher auf die Riesling / Silvaner / Burgunder-Fraktion getippt. Nun, wenigstens die 10 % waren einigermaßen richtig. Da sieht man mal wieder, wie facettenreich diese immer noch verkannte Rebsorte sein kann. Chapeau!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 20 von 25

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