39. Weinrunde in München

Eieiei, ich bin schon wieder mal super spät d’ran; jetzt aber schnell, die nächste Weinrunde steht ja schon vor der Tür! Bereits am 26. Juli gab’s eine Blindtasting-Runde, die ich für mich schon fast abgeschrieben hatte, da ich diesmal nur auf der Warteliste stand; aber dann hat doch noch jemand abgesagt. Das Thema: „Rotweine aus Weißweinregionen und umgekehrt“, wobei die Kriterien, was nun eine Rot- oder Weißweingegend ist, absichtlich nicht „hart“ definiert wurden.

Prolog:

Zu Beginn ein Sprudelgetränk, welches eine ganz andere Farbe hatte, als man sie eigentlich von einem Blubberwasser erwartet, insofern also auch ein gewisser Themenbezug:

Wein A: oJ Chambourcin – The Peppermint Paddock – sec – McLaren Vale, d’Arenberg, South Australia

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Die Farbe ist ein recht dunkles Rubinrot, mäßig transparent, verhaltene Perlage mit geringer Beständigkeit. In der Nase süßliche Beeren wie Brom und Heidel, ganz leicht Holz, am Gaumen relativ süß, da der Blubber ziemlich schnell verfliegt. Dazu ein paar säuerliche Tannine, die (Frucht-) Säure ist etwas unterfordert. Der Abgang ist lang und süßlich, dabei herb beerenfruchtig mit leichtem Bitterchen im Finale.

Dazu fällt mir nur ein, daß mir dieser Rotsekt trotz an sich netter Aromatik persönlich zu süßlich-klebrig ist. Vielleicht ist auch einfach zuviel CO2 durch den Verschluß entwichen, hätte sich mit mehr Blubber vielleicht besser angefühlt.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 15 von 25

Drama in weiß:

So, mal sehen, was der Wettbewerb bringt:

1. Wein: 2015er [Cuvée] – Blanco – Rioja DOC, Remírez de Ganuza, Rioja

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Dieser weiße Rioja ist eine Cuvée aus 70 % Viura, 20 % Malvasía sowie den letzten 10 % aus Garnacha blanca und anderen Sorten.

Im Glas ein mittleres Goldgelb mit Ockertouch. Geruchlich gibt’s geröstete Mandeln, Nougat, Khaki und Marula mit leichtem Lehmmantel. Am Gaumen cremig-nussig, schön bemessene, eher unauffällige, aber wirksame Säure, dadurch elegant cremig, dennoch ausreichend frisch, auch begünstigt durch einige herbe Steinchen. Der Abgang ist von schöner Länge mit eleganter Säure, nussig sekundärfruchtig mit Nougat-Kokos-Finale.

Wenn schon was cremiges, dann so! Wird mit Luft noch deutlich intensiver und runder, sogar die Säure profitiert etwas vom Sauerstoff.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

2. Wein: 2016er Welschriesling – Saybritz – trocken – Landwein Weinland, Weninger, Eisenberg

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Die Farbe ist ein sattes, trübes und eher dunkles Goldgelb, das Bukett zeigt ziemlich komplex Honigaromen, mostige Quitten, Aprikosen, weiters weißer Rauch, Bergamotte / Earl Grey Tee, auch Jasmin, gelöschten Kalk, später dann leicht Tabak; nicht alles gleichzeitig, manches kommt bzw. geht mit etwas Zeit. Am Gaumen dann dicht und frisch sowie reduktiv gelbfruchtig, aber es sind auch oxidative Noten präsent, die vor allem durch die Honignoten (z.B. Korianderhonig) repräsentiert werden. Weiters ein paar weiße Tannine, recht geschmeidige Gerbstoffe, leicht fluffige, aber dennoch deutliche Säure, viel Extrakt mit solider Kalkbasis, die auch mit ein paar blauen Steinen durchsetzt ist. Zwischendrin kommen und gehen Tabak, Rauch, Hefe, Torf und Minneloa. Der Abgang ist extrem lang, zeigt dabei eine Mischung aus oxidativer und reduktiver Frucht, der Alk ist hier ein bißchen präsent bzw. sorgt für Wärme, jedoch auf die angenehme Art.

Ich kannte schon den vorherigen Jahrgang dieses Weins, deshalb bin ich auch bereitwillig der Mehrheitsmeinung „weißer Rioja“ gefolgt und war eigentlich sicher, daß dies nicht „mein“ Wein ist; hebt sich nochmals deutlich von seinem auch schon exzellenten Vorgänger ab.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 23 von 25

3. Wein: 2017er [Cuvée] – [Blanc] – Graves de Vayres AC, Château Goudichaud, Bordeaux

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Dieser weiße Bordeaux ist eine Cuvée aus 85 % Sauvignon blanc, 10 % Muscadelle und 5 % Sémillon.

Die Farbe ist ein leuchtendes Goldgelb. Die Nase ist recht grün und einigermaßen „laut“ SB-typisch mit Estragon, Koriander, Luzerne und Stachelbeere, im Hintergrund auch Physalis. Am Gaumen ebenfalls deutlich SB-lastig plus Beifuß, hier aber auch recht reife Mirabellen und etwas Tamarinde; dazu eine deutliche Säure mit kalkiger Unterlage und einer sich langsam vergrößernden grünen Paprika. Der Abgang ist recht lang, dabei dicht grün-gelb fruchtig, fast zu wuchtig.

Auch wenn man diesen weißen Bordeaux durchaus als laute Wuchtbrumme einstufen kann, zeigt er dennoch einen interessanten Aromenmix, vor allem für den Preis knapp über 10 Euronen kann man hier eigentlich nicht groß meckern, könnte ganz gut zu Fischgerichten der deftigeren Sorte passen.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 18 von 25

4. Wein: 2017er [Cuvée] – Blanco de 2º Año – Rioja DOC, Gómez Cruzado, Rioja

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Hier haben wir’s mit einer Cuvée aus 75 % Viura und 25 % Tempranillo
blanco zu tun.

Im Glas ein leuchtendes Goldgelb. Bukettmäßig gibt’s recht kaltvergorene, ziemlich primäre und Maoam-lastige Frucht plus Hansaplast. Am Gaumen viel undifferenzierte gelbe Primärfrucht mit deutlich süßem Extrakt und klar unterforderter Säure. Der durchaus lange Abgang ist leider auch in erster Linie plakativ primärfruchtig.

Schade, das war leider nix, vor allem auch vor dem Hintergrund eines Preises von ca. 15 EUR/Fl.!

Meine Wertung: Nachkauf 0 von 3, Gesamt 12 von 25

5. Wein: 2008er Viura – Viña Gravonia – Crianza – DOC Rioja, López de Heredia – Viña Tondonia, Rioja

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Hier ist die Farbe ein sehr dunkles Goldgelb, fast schon Bernstein. In der Nase Kastanienhonig, fortgeschritten gelbfruchtig in Richtung Khaki und Marula. Am Gaumen trotz der fruchtseitigen Opulenz durch eine deutliche Säure relativ frisch, fällt gegenüber dem Bukett aromatisch etwas ab; dazu etwas ergrautes Fichtenholz und ein herbes Steinbett. Der Abgang ist recht lang, etwas herb-spitz, schöne Süße-Säure-Balance.

Soweit ein ganz schöner Viura, da wir aber letztes Jahr bei einer unserer Runden auch den 2007er probiert haben, war ich doch erstaunt, wie weit dieser Jahrgang relativ dazu nach unten abfällt.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

6. Wein: 2017er [Cuvée] – Vinho branco – Coutada Velha – Signature – Vinho Regional Alentejo, Ravasqueira, Alentejo

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Dies ist eine Cuvée aus Antão Vaz, Arinto und Viognier.

Hier ist die Farbe ein leuchtendes Goldgelb. In der Nase Jostabeeren, Kaktusfeigen, etwas Estragon sowie Beifuß. Am Gaumen leicht reduktive, nicht primäre Frucht, ein bißchen nussig und leicht angecremt, moderate, aber durchaus effektive Säure, leichtes Steinbett, und mit Luft ploppt auch etwas Mandarinenschale auf. Der Abgang ist relativ lang, die Frucht wieder leicht reduziert, insgesamt moderat nussig.

Dies ist ein durchaus schöner Essensbegleiter, bei dem die leichte Cremigkeit bei mir nicht zu einer „Trinkhemmung“ führt.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 18 von 25

Intermezzo:

zwischen weiß und rot gab’s ein Intermezzo incl. einem kleinen Zwischenmahl, der dazu aus- bzw. eingeschenkte Wein hat durchaus zum Thema gepaßt hat, also kein Bruch in der Abfolge:

Wein B: 2012er [Marsanne] – [Blanc] – Hermitage AC, Domaine du Colombier, Rhône

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Die Farbe ist orangegelb, in der Nase dicht sekundärfruchtig mit Khaki, Aprikose und Marula, ganz leicht Leder, auch dezent kompottig, jedoch auf die angenehme Weise. Geschmacklich dann honigkonsitent mit genügend Säure, um den Wein dennoch flüssig zu halten, die Frucht ist sehr dicht und animierend zugleich, das Holz eher dezent in Form von Lederkragen und Karamell ohne Süße. Der Nachhall hallt sehr lang, ist dabei dicht fruchtig, aber trotzdem deutlich niederviskos, ohne dabei ein geschmackliches Loch zu hinterlassen.

Wenn man’s etwas dicker und dennoch dünnflüssig braucht, ist das hier eine recht gute Wahl! Und wenn man’s noch um den Preis bekommen würde, den uns unser Gastgeber genannt hat, i.O, aber der aktuelle Kurs von knapp 60 Euronen für die Flasche wär‘ mir dann doch etwas zu happig dafür.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 21 von 25

Drama in rot:

7. Wein: 2016er Blauer Spätburgunder – Achtkantig – trocken – Qw, Schumann, Baden

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Im Glas ein mittleres Rubinrot mit ebenso mittlerer Transparenz, in der Nase sehr würzig, viele dunkle Beeren sowie Schattenmorellen. Am Gaumen deutlich fruchtiger mit ankompottierten Kirschen der angenehmeren Art, wenige Tannine, etwas Bakelit, ganz leicht schieferig sowie einige Magnesiumsalze. Der Abgang ist relativ lang mit deutlicher Säure und herber Mineralik.

Positiv kann ich hier anmerken, daß der Spätburgunder nicht „klassisch deutsch“ (nach meiner Definition) ist, die soweit eigentlich schönen Einzelaromen stehen aber alle etwas isoliert nebeneinander. Trinkt sich aber dennoch „easy“.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

Epilog:

Im Nachgang gab’s dann noch ein paar teils recht schöne Sachen, die Aufzählung ist allerdings nicht ganz komplett, da ich irgendwann zur S-Bahn mußte und es für den verbleibenden Rest anschließend anscheinend noch etwas weiter ging:

Wein C: 2015er [Chardonnay] – Mont de Milieu – Chablis 1er cru AC, Verget, Bourgogne

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Die Farbe ist ein mittleres Goldgelb, in der Nase deutlich Feuerstein und Schwarzpulver, kaum Frucht. Am Gaumen dann steht die Mineralik etwas mehr im Hintergrund, dennoch auch hier kaum Frucht, allenfalls sehr sekundäre Mirabellen und ein paar Grapefruitzesten; dazu etwas Holz in Form von Torf und Baumschwamm. Der Abgang ist mit schöner Länge würzig-mineralisch mit einer animierenden Säurestruktur.

Sehr schöner Mineralchardonnay mit einer super Textur der Sekundäraromen, von dem Fruchtliebhaber besser die Finger lassen sollten…

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

Wein D: 2001er [Cuvée] – Sauternes 1er cru classé, Château Lafaurie-Peyraguey, Bordeaux

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Dieser kleine Süße besteht aus 93 % Sémillon, 6 % Sauvignon blanc und 1 % Muscadelle.

Die Farbe ist ein dunkles Bernstein, in der Nase dicht Orangen- und Bitterorangenextrakt sowie -zesten. Am Gaumen wiederholt sich das Ganze von der Aromatik her fast 1:1, deutlich spürbarer Zucker, jedoch super eingebunden, sehr moderate Säure, dadurch cremig-fluffig. Der Abgang ist äußerst lang, dicht und geschmeidig.

Von den Aromen her sehr animierend, eigentlich auch mit schöner Textur, für meinen Geschmack aber mit deutlich zu wenig Säure ausgestattet; dem Vergleich mit schönen Riesling-Beerenauslesen hält dieser Sauternes daher (bei mir) nicht stand.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 18 von 25

Wein E: 2014er [Cabernet franc] – Les Quartiers – Bourgueil AC, Y. Amirault, Loire

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Die Farbe ist ein mittleres Granatrot mit mittlerer Transparenz, für den Riechkolben gibt’s frische Kirschen mit leichtem Grünton, wirkt hier eher schlank. Geschmacklich dann einige Tannine mit recht leichter Adstringenz, die Kirschen sind ziemlich kantig, wirkt herb-metallisch. Der Abgang ist lang und herb, wieder metallisch-kantig, im Finale mit einer grünen Paprika, insgesamt jedoch erfrischend wirkend.

Hier hat mir das metallisch-grüne Beiwerk nicht so sehr gefallen; auch wenn CF gerne zu solchen Aromen neigt, für mich integrieren sehr gute Vertreter dieser Rebsorte diese Aromen besser oder vermeiden sie gänzlich.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

Fazit:

Sehr interessante Runde mit einem spannenden Thema, zwar mit ein paar „Downs“, aber dafür auch mit umso besseren und auch überraschenden „Ups“; vielen Dank nochmals an unseren Gastgeber für die freundliche Aufnahme und die schöne Bewirtung!

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