Verspätete WRINT-Verkostung

Vergangenen Samstag haben wir mal wieder ein paar Flaschen geöffnet, die bei einem WRINT-Flaschen-Podcast besprochen wurden, der schon vor Ewigkeiten stattfand, aber wir haben’s erst jetzt auf die Reihe bekommen. Probiert wurden wieder mal ein paar Italiener, und zwar aus den bekannteren Paraderebsorten Barbera d’Alba, Nebbiolo und Sangiovese. Die letzte WRINT-Italiener-Runde war ja qualitativ etwas durchwachsen, mal sehen, was dieses Paket so bringt:

Prolog:

Zum Aufwärmen gab’s einen von einem Rundenmitglied dankenswerterweise gerade importierten Schäumer:

Wein A: oJ [Cuvée] – Brut Rosé – Vino Spumante, Pojer e Sandri, Trentino

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Dies ist eine Cuvée aus 50 % Chardonnay und 50 % Pinot nero, das Ganze lag grundweinseitig 6 Monate bzw. vor der „Sboccatura“ weitere 18 Monate auf der Hefe.

Die Farbe ist rosé-orange bis kupfer, relativ feine und nachhaltige Perlage, in der Nase etwas rosa Grapefruit plus eine große nasse Terrasse. Am Gaumen leicht adstringierend, sehr trocken, etwas Zement, dazu eine kernige Säuremischung nebst herber Grapefruit sowie ein leichtes Bitterchen. Der Abgang ist ordentlich lang, dabei trocken-frisch grapefruitig mit potenter Steinbegleitung.

Sehr schöner, Steinelutscher-Spumante ohne spürbare Süße mit etwas herbem Charakter, enorm erfrischend, aber nichts für Fruchtliebhaber.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 21 von 25

Drama:

Jetzt geht’s los:

1. Wein: 2016er Barbera – Maggiur – Barbera d’Alba DOC, Cascina Luisin, Piemonte

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Im Glas ein dunkles Rubinrot mit mittlerer Transparenz, in der Nase herb-sekundäre Schattenmorellen sowie ein paar weiße Tannine, auch leicht Egerlinge. Am Gaumen sehr samtige Tannine, leichte Adstringenz, deutliche Säure, auch hier keine ausgeprägte Primärfrucht, dennoch kirschig-beerig, anfangs ein bißchen sonnengegerbtes Fichtenholz, später auch Torf, Tabak und Rinde; mit noch mehr Luft kommen auch ein paar Zwetschgen dazu, die Säure wird (noch) runder, der Wein insgesamt „schmatziger“. Der Nachhall macht recht lange Freude und bietet ein außerordentlich frisches Finale mit warmer Holzunterlage.

Ein richtig schöner, dichter und saftiger Italiener ohne aufdringliche Primärfruchtaromatik, Staub oder Metalle, die den Genuß solch mittelpreisiger Barberas o.ä. auch schon mal trüben können; kann man sich d’ran gewöhnen!

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 21 von 25

2. Wein: 2016er Nebbiolo – Pian delle Mole – Langhe DOC, Giulia Negri, Piemonte

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Hier ist die Farbe ist ein recht helles Ziegel- bis Orangerot mit hoher Transparenz, könnte auch als Rosé durchgehen. Bukettmäßig erdig-rauchig-speckig mit einigen Piemont-Kirschen sowie ein paar Him- und Preiselbeeren, im Hintergrund was ganz leicht ledriges, mit der Zeit gibt’s auch etwas rote Paprika. Am Gaumen wenige, aber dennoch gut adstringierende Tannine, die Frucht zeigt sich im Wesentlichen wie beim Bukett plus etwas Tomate; trotz druckvollem allgemeinen „Gesamtdruck“ etwas filigran wirkend, relativ straffe, gut integrierte Säure, dazu wieder leicht „saures“ Leder. Der Abgang schmeichelt mit sanftem Pelz und läßt im Finale wieder den Speck etwas aufblitzen.

Ganz eigener, mineralisch-erdiger und in Ansätzen fast animalischer Nebbiolo, für sein Alter bzw. seine Jugend erstaunlich geschmeidig; aber auch ein bißchen kantig bzw. polarisierend.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: in der Nase haben sich die Kirschen etwas nach vorne gearbeitet, ein paar rote Pflaumen spielen jetzt auch mit, ganz leichte Kompottnote, die Ledertasche ist jedoch nicht größer geworden. Am Gaumen fehlt jetzt die Tomate, ansonsten repetiert sich das Bukett fast 1:1, die Adstringenz ist etwas geringer, die Säure klarer. Der Abgang ist wieder recht lang, sanfter Pelz mit gut säuregeschwängerter Rotfrucht.

War am ersten Tag aufgrund seiner leicht kantigen Mineralik noch etwas spannender, nun etwas runder bzw. harmonischer. Das wirkt sich in meiner Gesamtwertung zwar nicht aus, dennoch würde ich empfehlen, die Flasche in einem nicht zu langen Zeitraum zu leeren.

3. Wein: 2016er Sangiovese – Romagna Sangiovese Predappio DOC, Chiara Condello, Emilia-Romagna

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Farblich ein mittleres Rubinrot mit ebenso mittlerer Transparenz, in der Nase deutlich beerig mit Walderd- und -himbeeren ohne Künstlichkeit, auch Herzkirschen, dahinter dezentes Holz in Form von Kakao und Vanille; mit Luft nimmt die Intensität noch deutlich zu und zeigt dann schwarze Johannisbeeren und Schwarzkirschen, das Holz präsentiert dann eher Leder und Koriandersaat plus Kakao. Geschmacklich zeigen sich nach etwas Anlauf ein paar saftige Tannine, geringe Adstringenz sowie ein Quäntchen süßlicher Staub; auch die Frucht macht diesen saftigen Eindruck ohne allzu primär zu wirken. Die Säure ist sehr ordentlich bemessen, das Holz hier etwas präsenter ohne aufdringlich zu werden, entwickelt sich mit der Zeit in Richtung Tabak, Lederkragen und Rindenmulch, als Unterlage gibt’s ein bißchen Gesteinsmehl. Sehr langer fruchtig-angeholzter Abgang mit dicht-belebender Stilistik.

Auch dieser Wein vereint wie der Barbera alle positiven Eigenschaften eines „trinkigen“ roten Italieners und vermeidet alles, was mir an „ja, aber’s“ zu Sangiovese so einfällt. Da kratzt und schabt nix, die Kanten, die da sind, sind das „Salz in der Suppe“ und kein „na ja“ geduldetes Beiwerk.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 21 von 25

Epilog:

Nach so viel Italien in rot gab’s dann noch ein bißchen Deutschland in weiß:

Wein B: 2015er Gewürztraminer & Riesling – Laumersheimer – Edelsatz – trocken – Ortswein, Philipp Kuhn, Pfalz

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Diesen Wein habe ich vor gut drei Jahren schon mal beschrieben, hat mich damals schon sehr beeindruckt; mal sehen, was aus ihm geworden ist:

Die Farbe ist ein relativ deutliches Goldgelb, das Bukett präsentiert einiges an Ananasextrakt, Zitrone und kandierte Limette, später auch Orange, dazu recht deutlich Löwenzahn und viel angekündigte Extraktsüße. Am Gaumen ebenfalls sehr dicht fruchtig-würzig-floral plus Orange, sehr potente Säure, leichtes Kalkbett, schön langer Abgang mit dicht fruchtig-floraler Zitrus-Aromatik, frisch und würzig zugleich.

Ich finde diese Kombination von Riesling mit einem Schuß GT immer wieder sehr belebend, wenn sie von kompetenten Händen kreiert wird; das ist hier klar der Fall!

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

Fazit:

Aufgrund einiger Absagen war die Runde leider recht ausgedünnt, das hat den Spaß mit den Weinen aber nicht geschmälert, zumal die Qualität dieses Italien-Pakets auch erheblich höher angesiedelt war als beim letzten mal.

Da ich diesmal selbst mit auf der Ausrichterseite dabei war, gilt der abschließende Dank den Rundenmitgliedern, ohne die der Abend sicher nicht so kurzweilig gewesen wäre.

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