40. Weinrunde in / um München

Schon wieder eine Weinrunde, das Thema diesmal: „Weine aus den kleinsten deutschen Weinbauregionen: Ahr, Hessische Bergstraße, Mittelrhein, Sachsen“. Da gab mein Keller aktuell tatsächlich nichts her und ich mußte was besorgen…

Prolog:

Zu Beginn ein Mitbringsel unseres Gastgebers vom Bodensee, und zwar von einem Weingut, von dem ich in den letzten Jahren auch schon eine ganze Menge probiert habe:

Wein A: 2018er Kerner – trocken – Qw, Kress, Bodensee

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Die Farbe ist ein mittleres Strohgelb, in der Nase Jostabeeren mit Estragon, auch etwas Kaktusfeige und Karambole. Am Gaumen setzt sich das Ganze in etwas gelber mit recht viel Extrakt und einiger Würze fort, trotz der deutlichen Extraktsüße keinerlei Zuckerschwänzchen, dafür eine knackige Säure und ein leichtes Kiesbett mit etwas Pfeffer. Der Abgang ist recht lang, dabei extraktsüß-würzig und sehr animierend.

Einfach ein sehr schöner Sommerwein, unkompliziert, aber nicht einfach, war als „Einsteiger“ gut gewählt!

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 18 von 25

Drama:

Jetzt wird’s ernst:

1. Wein: 2017er [Spätburgunder] – Illusion – Blanc de noir – trocken – Qw, Meyer-Näkel, Ahr

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Farblich zeigt sich ein helles Bronze, in der Nase dann leicht Cantaloupe-Melone und Mirabellen in nicht primärer Form, weiters ein Hauch Haselnuß. Am Gaumen samtige Frucht, ein paar weiße Gerbstoffe, cremiger Extrakt, elegante Säure. Der Abgang ist schön lang und elegant sekundärfruchtig mit angenehm cremigen Finale.

Hier waren wir mehrheitlich eher auf der Grauburgunder-Spur, ich war dann recht erstaunt, als das Etikett aufgedeckt wurde. Ich hatte zuletzt die 2010er „Illusion“ im Glas, gegen die diese Flasche doch etwas abfällt, wobei ich objektiv / qualitativ gar keinen so großen Unterschied sehe, aber die Säurestruktur des 17ers, die für mich die Spur zum GB legte, animiert mich letztlich nicht zum Nachkauf.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

2. Wein: 2015er Riesling – Leutesdorfer Gartenlay – trocken – Qw, Paul Schumacher, Mittelrhein

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Paul Schumacher ist an der Ahr ansässig und macht auch vorwiegend Ahrweine, er hat jedoch auch Parzellen im Bereich der Ahrmündung in den Rhein, diese gehören dann zur nördlichen Ecke der Region Mittelrhein.

Leuchtendes Goldgelb im Glas, in der Nase Basalt, Orangenextrakt, etwas frittierte Kochbanane, auch etwas Rosmarinhonig, ganz leicht Naphtalin. Am Gaumen leicht cremig, aromatisch aber vor allem oranger Zitrus, auch etwas Banane; deutliche, aber elegante Säure auf schieferiger Unterlage. Der Abgang ist sehr lang und cremig-zitrisch mit wiederum schöner, leicht blauer Salzbegleitung.

Hier gefällt mir vor allem die Eigenständigkeit dieses Rieslings, der trotz der leichten Cremigkeit (es wurde sogar vereinzelt auf Chardonnay getippt) keinerlei Frischeeinbußen hinnehmen muß. Schöner Einstand für mich in einer Weinbauecke, die ich noch gar nicht kannte.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

3. Wein: 2018er Riesling – Bopparder Hamm Engelstein – Am Weißen Wacke – trocken – Spätlese – Pw, Weingart, Mittelrhein

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Farblich ein dichteres Zitronengelb, in der Nase anfangs sehr verhalten, dann leicht kaltvergoren und mit etwas Kaugummi versetzte undifferenzierte Frucht, am ehesten Steinfrucht, z.B. Dosenpfirsich. Am Gaumen ist die Frucht etwas lebendiger, wenn auch sekundär, Pfirsich und Aprikose sind hier deutlich klarer zu erkennen; trotz potenter Säure leicht cremig, fast nussig; Steine kann man hinter dem Cremeschleier auch ein paar erkennen. Der Abgang ist recht lang und cremig-sekundärfruchtig mit eleganter Säure.

Wahrscheinlich ist diese Spätlese einfach deutlich zu jung, um zeigen zu können, was in ihr steckt. In der aktuellen Kondition fiel mir vor allem die leicht plakative Frucht sowie auch die noch unfertig wirkende Säurebalance nicht so ganz positiv auf.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

4. Wein: 2016er Chardonnay – Neuenahrer – trocken – Qw, Burggarten, Ahr

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Ein sattes Goldgelb im Glas, geruchlich gibt’s Limettenextrakt und grüne Kochbanane sowie etwas Haselnuß. Am Gaumen dicht und sekundär-cremig mit Pfirsich und Physalis, elegant-dichte Säure mit leichter Steingrundlage. Recht langer und dichter Abgang mit potenter, reifer Steinfrucht, wieder eine cremig-elegante, sehr animierende Säurestruktur.

Ich wußte gar nicht, daß diese Rebsorte überhaupt an der Ahr angebaut wird, sie scheint aber etwas im Aufwind zu sein; 2008 lag der Anteil im Nullkommanull-Prozentbereich (weit unter einem Hektar), mittlerweile sollen’s gut 2 ha (0,4 %) sein. Ist jedenfalls ein ganz eigener Chardonnay mit leichtem Riesling-Touch, was ihm eine sehr schöne Frische verleiht. Nicht der beste Wein des Abends für mich, aber die größte Überraschung!

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

5. Wein: 2012er Cabernet Sauvignon & Merlot – Bechtolsheimer Petersberg – trocken – Qw, Bretz, Rheinhessen

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Dieser Wein paßt -da mitten aus Rheinhessen- überhaupt nicht zum Thema, das hab‘ ich jedoch bei der Verkostung selbst auch nicht realisiert, da ich das Weingut nicht kannte; erst jetzt, als ich das Foto des Rückenetiketts genauer angesehen habe. Wurde uns nach meiner Wahrnehmung als „Hessische Bergstraße“ verkauft, ob dem Spender dieser Umstand klar war, weiß ich nicht…

Ein mittleres Rubinrot mit mittlerer Transparenz im Glas, in der Nase dicht waldbeerig mit roten Pflaumen, am Gaumen ganz leicht rote Paprika, dann saftig primäre Preiselbeere, jedoch nicht plakativ; leicht würzig mit Buchenspänen und einem Hauch Vanille, die Holzseite verdichtet sich mit Luft deutlich. Säure gibt’s eher wenig, dennoch ist diese Cuvée recht flüssig. Dann folgt ein ziemlich langer, fruchtiger, saftig-beeriger Abgang.

Dieser Wein wurde von uns überwiegend als „Crowdpleaser“ eingeordnet, sauber gemacht, aber ohne besondere Ecken und Kanten; kann man problemlos wegtrinken, berührt einen aber nicht, jedenfalls ging’s mir so.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

6. Wein: 2016er Frühburgunder – trocken – Qw, Paul Schumacher, Ahr

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Die Farbe ist ein mittleres Rubinrot mit höherer Transparenz, in der Nase leicht Kirschen, vermehrt Waldbeeren, holzseitig anfangs nur leicht Vanille, mit Luft deutlich intensiver und komplexer incl. ledrigen und tabakigen Aromen. Mit noch mehr Luft (ca. 4 Stunden) kommt dann auch noch prägend Waldboden mit ein paar Pilzen daher. Am Gaumen angewürzte dichte, aber nicht anbiedernde Beeren, schön austarierte Säure, leicht schieferige Mineralik, auch hier nimmt die Wald- und Pilzaromatik mit ordentlich Luft deutlich zu. Langer fruchtig-würziger Abgang mit schönem, stützenden Holz.

Anfangs noch recht deutsch und fast belanglos, dann mit fortschreitender Belüftung durch die Holzentwicklung und die sich entfaltende Säurestruktur erheblich ernsthafter, aber aus meiner Sicht doch noch etwas zu jung. Zu Beginn punktemäßig nur bei 1 / 17, hat sich dieser FB bei mir dann noch deutlich nach oben geschraubt:

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

7. Wein: 1997er Spätburgunder – Blauschiefer – trocken – Qw, Meyer-Näkel, Ahr

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Ein leicht bräunliches helles Rubin- bis Ziegelrot zeigt sich mit deutlicher Transparenz, in der Nase Trüffel, speckiges Leder, etwas Tabak, modriges Holz, quasi völlig fruchtfrei. Am Gaumen tänzelnde, seidige Holzaromen wie oben beschrieben, sehr zarte, aber selbstbewußte Säure, ganz leicht Teer. Der Nachhall hallt fast ewig und ist dabei samtig sekundär- / tertiäraromatisch mit perfekter Säurebalance, feine Blauschiefernote.

Wunderschön gereifter Spätburgunder ohne jegliche erkennbare Schwächen, im besten Sinne burgundisch zuzüglich der Ahr-eigenen Mineralik, ansonsten hätte man ihn ohne weiteres auch an die Côte d’Or verorten können; für mich der Wein des Abends (was manche Fruchtliebhaber nicht so gesehen haben…).

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

Epilog:

Im Nachgang gab’s dann noch ein paar teils recht schöne Sachen, zu einem kleinen Dessert gab’s zuerst die zweite Weingart-Flasche

Wein B: 2017er Riesling – Bopparder Hamm Ohlenberg – [süß] – Kabinett – Pw, Weingart, Mittelrhein

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Farblich zeigt sich ein mittleres Goldgelb, die Nase ist anfangs eher verhalten mit kandierter Zitrone und Akazienhonig. Am Gaumen dann deutlich expressiver, hier auch kandierte Bitterorange; der Wein ist klar fruchtsüß, es ist aber keinerlei freier bzw. kantiger Zucker spürbar. Dazu ein distinguiertes, herbes Steinbett, recht langer Abgang mit kandierten Zitronen und Orangen, richtig schön süß-sauer.

Ich bin ja kein großer Kabi-Freund, aber der hier ist richtig schön gemacht, vor allem deswegen, weil die ganzen Zuckermoleküle perfekt rund statt eckig sind. Paßte sehr gut zum Dessert.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

Wein C: 2014er [Cuvée] – Château Mazane – Vacqueyras AC, Alain Jaume, Rhône

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Dieser Vacqueyras besteht aus 60 % Grenache noir, 30 % Syrah und 10 % Mourvèdre.

Granatrot mit mittlerer Transparenz im Glas, in der Nase sehr dicht fruchtig mit saftigen Beeren wie Brom- und Cassis, jedoch leicht kompottig. Die Säure ist recht moderat, dazu etwas fluffiges Holz. Der Abgang ist ordentlich lang, aber auch durch einigen Staub arg dehydrierend.

Rote Rhône-Weine sind in der Form einfach nicht (mehr) meine Baustelle…

Ich habe im Nachhinein festgestellt, daß wir diesen Wein vor gut 3 Monaten bei unserem Gastgeber schon mal im Glas hatten. Daß sich der Wein in der Zeit so großartig verändert hat, denke ich eigentlich nicht, also ist der Grund für die unterschiedliche Wahrnehmung entweder eine Flaschenvarianz oder schlicht und ergreifend meine Tagesform (war ja schon der 10. Wein an diesem Abend)…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

Wein D: 2015er Blauer Sylvaner – Von der Dünnbach – trocken – Landwein Rhein, Teschke, Rheinhessen

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Ein helleres, dichtes Goldgelb präsentiert sich hier, für’s Näschen gibt’s deutlich, aber nicht vorlaut Flint und pastösen Schwefel, ein bißchen Gelbfrucht schwingt im Hintergrund mit. Am Gaumen dann deutlich fruchtiger mit inzwischen sehr sekundären Limetten, Pampelmuse und Ugli, schön angepaßte Säure; auf der kantigen Seite leicht Blumentopf, etwas Karton und lehmige, herbe Steine. Sehr langer Abgang mit herb-bitterem Karton und leicht oxidierter Frucht nebst knackiger Säure.

Typisch Teschke-eigener (blauer) Sylvaner mit gekonnter Balance zwischen Gefälligkeit und Extravaganz, machte zu später Stunde auch dem weniger nerdigen Nachbarn des Gastgebers deutlich Freude. Unser Gastgeber hat uns genau diesen Wein vor gut zwei Jahren schon mal bei einer Weinrunde präsentiert, die Früchte sind seither deutlich erwachsener geworden, die Wertung bleibt auf hohem Niveau.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

Fazit:

Sehr schöne und entspannte Runde mit einem Thema, das durchaus für einige Aha-Erlebnisse gut war, auch wenn letztlich nur zwei der Themenregionen am Start waren; an unseren Gastgeber nochmals vielen Dank für die gute Stimmung, die er maßgeblich verbreitet hat sowie die sehr schön passende Bewirtung!

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