…einen Pino bitte… – Relaunch

Gestern gab’s zur Brotzeit nochmal Südtirol, mit über 3 Jahren Abstand zur ersten Verkostung wurde es der

2015er Pinot grigio – Alto Adige DOC, Franz Haas, Südtirol

Die Farbe ist ein leuchtendes Messinggelb, in der Nase tauchen recht frische Backäpfel bzw. Apfelmus bzw. Apfelstrudel auf, jedesmal ein bißchen anders, ein Hauch Braunwürze schwingt mit, welcher sich mit Luft leicht verdichtet. Am Gaumen wird dies von einer für die Rebsorte recht potenten Säure auf der leicht fluffigen Seite gehalten, dazu ein kleines Sandbett und ein noch kleineres, etwas teeriges Bitterchen, welches recht angenehm wirkt. Der lange Abgang ist der würzigste Teil, hier wirkt die Säure fast etwas kantig, die Äpfel sind hier mit etwas Magnesiumsalz gepudert, was zusätzlich erfrischend wirkt.

Nach wie vor ein recht erfreulicher PG, der vor allem durch seine schöne Säurestruktur -trotz Warmjahr 2015!- gefällt. Nicht super vielschichtig, aber dennoch sehr schön und deutlich jenseits der Belanglosigkeit gemacht. Der Wein zeigt vor allem noch keinerlei Schwäche, ist vielleicht auch dem Umstand geschuldet, daß dies eine Flasche mit Schraubverschluß ist; man hat damals auf dem Gut zwischen Kork und Schrauber wählen können. Wenn das dann immer noch geht, nehm‘ ich beim nächsten mal beide Varianten mit, um nach einiger Zeit vergleichen zu können…

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 18 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 13. Mai 2016:

Sowas hört man in italienischen Restaurants -vor allem in denen, die in Deutschland ansässig sind- ja gerne bei der Bestellung, und gemeint ist in der Regel ein Pinot Grigio. Was dann da im Glas daherkommt, ist zumeist ziemlich unterirdisch. Der teils schlechte Ruf dieser Rebsorte -auch wenn sie hier Grauburgunder heißt- kommt mit Sicherheit zum Teil genau aus diesem Umfeld. Hier wurde erst kürzlich ein sicher recht guter deutscher Grauburgunder verkostet. In dem schönen Video des von mir sehr geschätzten Blogs gibt es auch einen kleinen Seitenhieb auf die italienischen Pinot Grigios, wobei ich mal unterstelle, daß dieser auch der unsäglichen Ware gilt, die ich oben angesprochen habe. Aber dadurch wurde ich animiert, mir mal wieder einen „Pino“ aus Italia zu gönnen, der sicher weit weg von der ansonsten berechtigten Kritik ist:

2015er Pinot grigio – Alto Adige DOC, Franz Haas, Südtirol

Jetzt könnte man natürlich meckern und anmerken, daß Südtirol ja gar nicht richtig Italien ist, aber das lasse ich jetzt mal mangels Masse beiseite. Wenn ich mal wieder einen schönen Rebsortenvertreter aus dem Veneto oder Friuli habe, kommt dann eben ein richtiger Italiener dran. Aber jetzt erstmal zurück nach Montan:

Der PG hat eine recht helle strohgelbe Farbe mit rebsortentypischen rotbraunen Reflexen. Vom Farbton fast wie beim Schriftzug auf dem Etikett, natürlich lange nicht so intensiv. In der Nase anfangs etwas verhalten, aber nach etwa 15 Minuten riecht man eine Unmenge von Äpfeln gepaart mit vielen Wiesenblumen. Wobei ich zugeben muß, daß ich die meisten floralen Aromen nicht eindeutig einer bestimmten Pflanze zuordnen kann, in der Regel fehlt mir einfach der entsprechende Name dazu. Am Gaumen ebenfalls viele Äpfel, sowohl normale eher süßliche, als auch ganz andere, nämlich Granatäpfel. Weiters etwas Karambole und eine eher neutral schmeckende Säure, die den dichten Extrakt aber doch gut abpuffert. Das Ganze liegt auf einer klaren, dennoch in der zweiten Reihe angeordneten Salzigkeit. Der Abgang hat eine schöne Länge und bietet nochmals den sehr dichten Apfelextrakt.

Obwohl der PG / GB / Ruländer recht trocken ist, wirkt er doch leicht restsüß aufgrund des deutlichen Fruchtextrakts. Der Wein schafft es aber, wie ein guter nicht trockener Moselriesling die Süße so gut einzubinden, daß sie den Trinkfluß nicht nur nicht stört, sondern eher fördert. Absolut kein Wein für italienische Restaurants in D. Oder doch? Na, zumindest nicht für 3 Euronen pro Glas…

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: Von der Aromatik her hat sich nichts großartiges verändert, der leichte, aber angenehme restsüße Eindruck hat sich aber doch dahingehend gewandelt, daß das Süße- (Frucht-) Säure-Spiel deutlich runder wurde. Der Spaßfaktor ist dadurch leicht gestiegen!

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