Meedels-Weine

Anläßlich einer kleinen Runde vor ein paar Wochen, bei der von drei Themen-Weinen 2/3 von Winzerinnen stammte, kam die Diskussion auf, wie Frauen in der Weinwelt aktuell überhaupt präsent sind, was letztlich in der Idee mündete, doch mal eine Runde zu veranstalten, in der nur „Meedels-Weine“ am Start sind. Und die fand nun letzten Samstag statt:

1. Wein: [2017er] [Cuvée] – 3B – Blanc de Blancs – Brut nature, Filipa Pato, Beiras

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Filipa Pato ist die Tochter des in Portugal nicht ganz unbekannten Winzers Luís Pato („der Baga-Rebell“) und wollte erst gar nicht in diesem Bereich arbeiten; irgendwann entschloß sie sich aber doch, ihr eigenes Weingut aufzubauen -neben dem ihres Vaters-. Später kam dann noch ihr belgisch-stämmiger Ehemann und Sommelier William Wouters dazu, der bei der Weinwerdung mittlerweile auch seinen Anteil hat; nach wie vor werden die Weine des Gutes aber in erster Linie mit dem Namen Filipa Pato in Verbindung gebracht.

Dieser Schäumer ist übrigens eine Cuvée aus Cercial, Bical und Maria Gomez, die 3 „B“ leiten sich hier übrigens von „Blanc de Blancs“ und „Brut nature“ ab.

Die Farbe ist ein leicht trübes Messinggelb, mitteldichte Blubberblasen, im Glas nur mäßig beständige Perlage, hält sich aber in der Flasche erheblich länger; also besser jeweils nur recht kleine Portionen einschenken. Fürs Näschen gibt’s angegorene Äpfel und dezent Hefe, auch Lehm und etwas nach langer Zeit erstmalig geöffneten Verbandskasten. Geschmacklich zeigen sich die Äpfel von der deutlich reduktiven Seite, dazu sehr geschmeidige Hefe, ein deutliches Steinbett sowie eine super ausbalancierte Säurestruktur. Der Abgang ist lang und sekundärapfelig, die Hefe zeigt nochmals ihre geschmeidige Seite, im Finale dann noch ein recht angenehmes Pampelmusenbitterchen.

Dieses Blubberwässerchen beweist aufs Neue sehr schön, daß die Zuckerdosage kein obligatorisches Muß ist; wenn die Grundweine in sich stimmig und entsprechend extraktreich sind, ergibt sich auch so ein Schaumwein mit ordentlich Körper und angenehmer -hier recht sekundärer- Fruchtsüße. Ist vor allem auch angesichts des Preises von knapp 14 Euronen eine absolute Kaufempfehlung.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

2. Wein: 2016er Chardonnay – vom Kalkstein – trocken – Qw, Lisa Bunn, Rheinhessen

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Das Weingut Lisa Bunn entstand aus der Zusammenlegung der ehemaligen Weingüter Margarethenhof und Strebel, ersteres wurde früher von Lisa Bunns Vater geführt, letzteres von den Eltern ihres Ehemanns Bastian Strebel. Wie in diesem Familienweingut die Rollenverteilung genau ist, weiß ich nicht, aber auch hier steht in erster Linie der Name der Winzerin für die Weine.

Farblich ein recht helles Goldgelb, das Bukett zeigt hellgelbe Frucht wie frische Marillen sowie Bananenschale ohne jegliche Plakativität, am Gaumen dicht Kaktusfeige, wieder Marille und Bananensoufflé, dazu eine recht beschwingte Säure; ein leichtes Steinbett bildet eine schöne Unterlage. Der Abgang ist recht lang und fruchtig, wieder eine schöne Säurestruktur.

Insgesamt zwar ein eher einfacher Wein, jedoch handwerklich ohne Fehl und Tadel sehr schön gemacht bzw. abgestimmt. In der < 10 Euronen-Klasse finden sich bei Guts-Chardonnays doch recht häufig kaugummiartige Kaltvergärungsnoten, sehr primäre Fruchtigkeit und / oder eine zu „milde“ Säure, welche das Ganze -zumindest für mich- anstrengend machen. Nichts davon ist hier auch nur im Ansatz zu bekritteln.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

3. Wein: 2016er Unser gemischter Satz – Q.E.D. – trocken – Qw, Roth, Franken

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Das Weingut Roth in Wiesenbronn war eines der ersten überhaupt, welche bereits Mitte der 70er Jahre konsequent auf biologische Bewirtschaftung umgestellt hat, was damals von den Kollegen nicht unbedingt bejubelt wurde. Mittlerweile hat Nicole Roth das Gut von ihrem Vater übernommen und setzt zunehmend eigene Akzente.

Wie hier schon beschrieben, habe ich bezüglich der Rebsorten mal einen Hinweis gefunden, demzufolge der GS aus Riesling, Silvaner, Weißburgunder und Traminer besteht, in einem aktuelleren Artikel ist zusätzlich von Grauburgunder die Rede; das Ganze soll vorwiegend aus der Lage Großlangheimer Kiliansberg stammen. Zukünftig könnten da auch noch alte, fast ausgestorbene Sorten wie Adelfränkisch und Grünfränkisch hinzu kommen, die in der Lage Wiesenbronner Heller Berg kultiviert werden.

Farblich hier ein mittleres Goldgelb, in der Nase dicht Mirabelle und Weinbergspfirsich, auch Kräuter bzw. salzige Algen und mit etwas Luft auch noch Waldpilze. Am Gaumen dicht und nicht zu sehr primärfruchtig, zugleich aber sehr frisch, dazu eine leichte Braunwürze, distinguierte, aber doch deutliche Säure, etw. Beifuß, ein Hauch weißer Pfeffer. Der Abgang ist lang und kräuterig-fruchtig mit super Säurestruktur.

Direkt aus der Flasche noch etwas jung, aber schon jetzt recht schön, vor allem die deutliche Präsenz des salzigen Kräuter- / Algenmix hebt den Wein erfreulich heraus.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

Nachtrag nach 48 Stunden mit Luft: der nun sehr klar identifizierbare Silvaneranteil hat jetzt deutliche Torfanteile und leicht Tabak entwickelt, die Gelbfruchtseite wurde um Khaki bereichert, der Abgang endet mit einem holzig-torfigen Bitterchen. Da leg‘ ich noch ein Pünktchen d’rauf…

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 21 von 25

4. Wein: 2015er Sauvignon Blanc – Ried Steinbach – trocken – 1. STK-Lage, Lackner-Tinnacher, Südsteiermark

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Hier war die Situation die, daß die Weingutsfamilie „nur“ zwei Töchter hat, eine davon -Katharina Tinnacher, Diplomingenieurin der Pflanzenwissenschaften- übernahm mittlerweile die Führung im Weingut, stellte die Weingärten auf biologische Bewirtschaftung um und behauptet den Platz in der Riege der 12 steirischen „STK„-Weingüter, die den Großteil der Spitze der Region darstellen, erfolgreich.

Ein dunkleres Goldgelb im Glas, riecht gleich sehr gelb mit vielen „warmen“ Kräutern nach Aprikose plus Stachelbeere und Kiwi, weiters Löwenzahn und später auch Veilchen. Geschmacklich zeigt sich dann eine sehr würzige, kantige Frucht mit Brennessel; für einen SB eine eher moderate Säure, dennoch sehr animierend durch eine erfreulich deutliche Kräuterfrische sowie eine leicht scharfe Mineralik. Der Nachhall ist sehr lang, dabei recht kantig-würzig, trotz der eher mäßigen Säure auch hier sehr frisch wirkend.

Recht fordernder SB mit hoher Spannung im Glas, zeigt sehr schön, daß Frische nicht in erster Linie dem Säuregehalt geschuldet sein muß. Interessanterweise war ausgerechnet dies der Wein, bei dem die Meinungen am weitesten auseinander gingen.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: keine großartige Veränderung, insgesamt noch etwas gelber, die Kräuter leicht eleganter, am Gaumen auch etwas gelber Zitrusextrakt. Nach wie vor ein super SB!

5. Wein: 2013er [Pinot noir] – Viola odorata – Vieilles Vignes – Côte de Nuits-Villages AC, Claire Naudin, Bourgogne

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Claire Naudin leitet das Familienweingut mit 22 ha Größe und einer Produktion von etwa 130.000 Flaschen seit 1993 verantwortlich und hat seitdem das Gut und seine Weine mehr und mehr „natürlich“ gemacht.

Die Farbe ist Rubin bis Ziegelrot, mittlere Transparenz. Riecht gleich dicht nach Waldboden, Pilzen und Wachs, dann leicht Vanille und morsches Holz, mit Luft auch etwas Chilli, erst viel später auch Herzkirschen. Am Gaumen zeigt sich relativ deutliches, aber sehr geschmeidiges Tannin, ganz leichte Adstringenz; dann recht herbe, fast staubige Kirschen, dezentes aber prägnantes Holz, selbstbewußte Säure gepaart mit samtiger Magnesiumsalzmineralik, irgendwann auch leicht Minze. Der sehr lange Abgang lebt vor allem von der warm-knackigen Säure, Wald und dezente Würze rangieren dahinter prägend, aber vornehm / distinguiert.

Dieser PN ist fruchtseitig schon weitgehend „durch“, glänzt aber bereits mit einer sehr komplexen und vor allem recht ausgewogenen Sekundäraromatik, die zwischen „weich“ und „hart“ eine ganze Menge zu bieten hat, dabei einerseits Spannung aufbaut, aber wirkliche Kanten eigentlich vermeidet. Ich hab‘ aus dem Burgund schon Pinot noir getrunken, der deutlich mehr als das Doppelte dieser Flasche gekostet hat, aber gegen „Viola odorata“ klar unterlegen ist.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

6. Wein: 2011er Teroldego – Granato – Vigneti delle Dolomiti IGT, Foradori, Trentino

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Elisabetta Foradori hat das väterliche Weingut nach dessen Tod mit 19 Jahren quasi als Notlösung übernommen und von da an nach Meinung einiger ihrer praktisch ausschließlich männlichen Winzerkollegen der näheren Umgebung alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann. Heute ist ihr Name der wohl bekannteste im Trentino, sie wird auch die „Queen of Teroldego“ genannt, weil es in erster Linie ihr Verdienst ist, daß diese alte, autochtone Sorte in der Region nicht gänzlich untergegangen ist, sondern nunmehr sogar eine Art Leuchtturmfunktion für die Eigenständigkeit des Trentino innehat, welches sonst in erster Linie nur durch die „Trentodoc“-Spumantes größere Aufmerksamkeit auf sich zieht. Weinausbau in Amphoren und die frühe Umstellung auf Biodynamie sind nur einige Maßnahmen, mit denen sich Elisabetta Foradori schon frühzeitig hinsichtlich Qualität und Renommée von den anderen Trentiner Weingütern absetzte.

Die Farbe ist ein recht dunkles Rubinrot mit mäßiger Transparenz, riecht vor allem anfangs in erster Linie nach Uhu und Gutenberg Klebestift, dann kommen Magnolien und Blumenerde dazu, dahinter Schwarzkirsche und schwarze Johannisbeere, später auch leicht Dörrpflaume und morsche Rinde. Im Mund dann langsam zunehmende Tannine, hohe Geschmeidigkeit und ganz leichte Adstringenz, wieder leicht Kleber, die Früchte sind sehr sekundär unterwegs, dazu eine etwas kantig wirkende Säure sowie ein paar leicht seifige Steine. Der Abgang ist recht lang, die Säure recht knackig, hier ist die Sauerkirsche am deutlichsten ausgeprägt.

Dieser Teroldego ist mit seiner prägnanten Sekundäraromatik schon recht fordernd und schreit eigentlich nach einem recht gehaltvollen Essen. Lebt insgesamt mehr durch seine Struktur als durch die Aromenbestandteile, muß man sich ein bißchen erarbeiten.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

Nachtrag nach 72 Stunden mit Luft: der Kleber ist nun nur noch in gehauchter Form übrig, dadurch ergibt sich erheblich mehr Raum für Aronia, Schattenmorellen und schwarze Johannisbeeren, das Holz ist jetzt mehr holzstadelig. Am Gaumen eine ähnliche Entwicklung, die Tannine sind jetzt sehr samtig, die Frucht recht herb-flaumig, die Säure nach wie vor prägnant, aber deren Ecken sind deutlich abgerundet. Auch der Abgang ist nun signifikant weniger fordernd.

Könnte man mittlerweile fast mit einem guten Blaufränkisch verwechseln, die Luft hat dem Granato jedenfalls sehr gut getan, insgesamt ein recht großer Schritt nach vorne.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 22 von 25

Fazit:

Aufgrund einiger Absagen war die Runde zwar etwas kleiner als ursprünglich erhofft, deshalb wurden auch nicht alle bereitgestellten Meedels-Weine aufgemacht; aber möglicherweise gibt’s in nicht allzu ferner Zukunft einen zweiten Teil mit dem Rest und noch ein paar anderen Weinen dieser Kategorie. Vielen Dank an alle, die da waren und für den Spaß, den wir miteinander hatten.

2 comments on “Meedels-Weine

  1. Servus, Habe Deinen „Sermon“ gerade in der SBahn auf dem Weg von der Arbeit nach daheim gelesen. Wie immer schön geschrieben…

    Soll ich das auf die Gruppenseite bei FB packen?

    Schönen Abend

    Liken

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