Neue Sorte – Relaunch – Nachtrag

Gestern fühlte ich mich nach einer Verkostungsnotiz eines „Trockenen Schmitts“ an anderer Stelle berufen, auch mal wieder eins dieser Gewächse aufzumachen:

2015er Albalonga – Randersacker Marsberg – Konsequent – trocken – Spätlese – Pw, Trockene Schmitts, Franken

Die Farbe ist ein dunkleres Goldgelb, riecht leicht rauchig-flintig, dahinter einiges an reifem Kernobst, das jedoch hier schwer differenzierbar ist. Geschmacklich zeigt sich ein Haufen herb-zementiger Steine mit leichtem Magnesium-Bitterchen, dazu fruchtigerseits hauptsächlich gelbe Zitrusaromen in Form von Zitrone, leicht Pomeranze und etwas Pampelmuse, begleitet von einer zupackende Säure. Geht recht lang ab und ist dabei wieder sehr mineralisch-frisch mit schönem Pampelmusenbitterchen im Finale.

Auch wenn sich die Nicht-Zitrusfrucht mittlerweile fast vollständig verabschiedet hat, hat der Albalonga doch einen guten Schritt nach vorne getan: superfrisch und hochanimierend mit knackiger Säure und ganz eigener Mineralik, die ich blind nicht unbedingt dem Muschelkalk zuschreiben würde.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: die Gelbfrucht hat sich ganz leicht formiert, das kostet zwar ein bißchen Spannung im Glas, dafür ist der Wein jetzt ein klein bißchen vielschichtiger.

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 14. April 2017:

Gestern haben wir einen Wein aufgemacht, der aus einer Rebsorte gekeltert wurde, die noch niemand in der Runde vorher probiert hatte:

2015er Albalonga – Randersacker Marsberg – Konsequent – trocken – Spätlese – Pw, Trockene Schmitts, Franken

Diese Rebsorte ist eine Kreuzung aus Rieslaner und Müller-Thurgau. In D sind gemäß einer Quelle -die aber auch schon etwas älter ist- insgesamt etwa 14 ha damit bestockt; nur etwa 2 ha davon in Franken, wo die Züchtung eigentlich herstammt. Die Sorte soll sehr fäuleanfällig sein, vielleicht hat sie sich deshalb nicht nennenswert verbreitet. Oder schmeckt sie einfach nicht?

Im Glas erscheint die Spätlese mit einem helleren Goldgelb, in der Nase offenbart sie frisch-fruchtig Äpfel, Lychee, etwas Nektarine. Am Gaumen sind die Früchte durch Limetten und Pomeranzen nebst Bitterchen ergänzt, die Säure ist zwar einerseits ordentlich, wirkt aber trotz frischer Grundstruktur anfangs etwas belegt. Ein paar sodalastige Steinchen gibt’s auch. Der Abgang hält recht lange durch und ist herb-fruchtig mit ein paar Kieseln, die am Ende übrig bleiben.

Wenn man dem Albalonga einen Tag Zeit gibt, tut ihm das sehr gut. Die frisch-freche Gesamtstruktur bleibt, aber der Wein wirkt dann deutlich aufgeräumter, harmonischer, runder, vor allem auch, was das Süße-Säure-Spiel angeht. Ich habe den Eindruck, daß es relativ vielen 2015ern gut tut, wenn sie nach dem Öffnen erst mal einen Tag Zeit haben, tief Luft zu holen…

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 17 von 25

PS: am ersten Tag habe ich zwei Pünktchen weniger vergeben, die Nachkaufgrenze hat er da noch nicht überschritten.

2 comments on “Neue Sorte – Relaunch – Nachtrag

  1. Von den Trockenen Schmitts habe ich noch einen 2014er Silvaner Sonnenstuhl Alte Reben im Keller. Die erste Flasche, die ich im Dezember 2016 gekostet habe, war recht vielversprechend (dicht, Dörrobst, erinnerte an Grünen Veltliner). Laut Herrn Schmitt sind die Weine sehr lagerfähig- vielleicht probiere ich demnächst wieder einmal eine Flasche und schaue, ob sich was entwickelt hat. Auf jeden Fall haben die Weine ein sehr gutes Preisleistungsverhältnis.

    2015 aus Franken ist an mir leider vorbei gegangen… habe allerdings für Juli eine Kurzreise nach Würzburg geplant und hoffe, bei den 16ern wieder andocken zu können. Hast Du diesbezüglich Tipps?

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    • Ich persönlich habe für mich festgestellt, daß der hochgehypte 2015er Jahrgang zumindest bei den Basisqualitäten, aber auch in der Erste-Lagen-Riege nicht soo überragend ist, die kühleren Jahrgänge gefallen mir eigentlich besser. Allerdings haben die Franken das meist trotz der Hitze ganz gut hinbekommen. Dennoch sind manche Weine in der Frucht recht breit, auch wenn die Säure ganz gut passen sollte. Deshalb ordne ich 2015 im Nachhinein nicht unbedingt als „must have“ ein. Die oberen Ligen dann schon eher, ich habe mir einiges an GG’s (generell aus D) in den Keller gelegt, wobei die allerdings auf hohem Niveau schon recht weit sind und ich nicht davon ausgehe, daß die ein so wahnsinnig langes Leben haben. Die dürfte ich bis spätestens 2020 alle weggetrunken haben. Für 2016 erhoffe ich mir, daß die Weine insgesamt eine schöne Säurebalance haben und vielleicht auch wieder ein bißchen feiner, klarer dastehen. Viel aus dem Jahrgang habe ich aus D allerdings noch nicht probiert, ein Orts-Silvaner vom Juliusspital läßt jedoch hoffen, daß meine Wünsche in Erfüllung gehen. Ludwig Knoll will ich mal wieder konsultieren bzw. was von ihm bestellen, dann Luckert, 3 Zeilen, May, Roth, Östreicher, Rainer Sauer, Ruck, Schlör, um nur die zu nennen, die mir jetzt spontan einfallen. Mal sehen…

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