Italienischer Problemjahrgang – Relaunch 2

Nach gut zwei Jahren Pause hab‘ ich gestern mal wieder den Reifefortschritt des

2010er Trebbiano di Soave – Molceo – Riserva – Lugana Superiore DOC, Ottella, Veneto

kontrolliert:

Die Farbe ist ein dunkleres Altgold, riecht deutlich nach Sherry auf der noch angenehmen Seite gepaart mit sehr gereifter Khaki und sonnengegerbtem Fichtenholz sowie Firn. Am Gaumen ist der Sherry weniger ausgeprägt, wirkt dabei sehr fein und überdeckt die Restfrucht in Form von Khaki und Marulas nicht; die Säure ist hier der lebendigste Teil, der den Wein mit Kraft zusammenhält. Der Abgang ist lang und geschmeidig und animiert nachhaltig zum nächsten Schluck.

Dieser Lugana ist nun in allen Ehren gealtert und macht immer noch Spaß, sofern man mit solch ältlichen Sachen was anfangen kann, man sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, daß sich der Wein spätestens ab jetzt klar auf dem absteigenden Ast befindet, also besser schnell wegtrinken und nicht auf das große Reifungswunder hoffen…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 18 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 29. Oktober 2017:

Heute zur Sepia-Pasta mußte was „richtig“ italienisches herhalten:

2010er Trebbiano di Soave – Molceo – Riserva – Lugana Superiore DOC, Ottella, Veneto

Die Farbe ist nun ein schönes, dichtes Messinggelb, geruchlich zeigt sich der Molceo vom Fleck weg recht intensiv mit leicht rauchigen Zitrusaromen von Ugli-, Pampelmusen- und Limettenkonzentrat, auch Ananas und Feige tauchen auf. Geschmacklich setzt sich das Ganze ähnlich fort, die Frucht zeigt hier auch eine leicht herb-verbrannte Note, dazu einiges an Eisensalzen und etwas Schnupftabak, mit etwas Zeit kommen auch Pflaumen und Lakritze dazu. Säuremäßig ist der Wein recht gut beieinander und verhilft dem nicht ganz leichten Tropfen zu einer beschwingten Charakteristik. Der Abgang wird ebenfalls von der herb-würzigen Note bestimmt, die Extraktsüße schimmert leicht, aber angenehm durch; im Finale macht sich dann Lakritze mit grünem, saurem Fruchtgummi breit.

Soweit ich das aus meiner Erinnerung kombiniert mit meinem untenstehenden Geschreibsel nachvollziehen kann, hat sich der Molceo vor allem fruchtseitig etwas verdichtet, „alt“ ist er noch nicht geworden; kann gut noch weitere Jahre unbeschadet im Keller verbringen.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 18 von 25

Nachfolgend noch der Text der Verkostung vom 29. Februar 2016:

Auch in Italien galt oder gilt der 2010er Jahrgang als schwierig. Dennoch waren meine Erfahrungen mit diesem vielfachten gebashten Jahr fast durchweg positiv. Auf die Nachfrage nach einem fruchtbetonten, aber nicht ganz alltäglichen Wein fiel mir dann der

2010er Trebbiano di Soave – Molceo – Riserva – Lugana Superiore DOC, Ottella, Veneto

ein, den ich in der 2008er Version ja schon mal beschrieben habe.

Im Glas ein dunkles Strohgelb mit bräunlichen Schatten. In der Nase sehr intensiv fruchtig nach Pfirsich, Ananas und Feige, fast auf der kandierten Seite. Am Gaumen ebenfalls sehr fruchtig, aber mit einer etwas herberen Note. Man spürt einige Gerbstoffe aus den Schalen, nur sehr wenig an Holz erinnernde Aromen. An Früchten erkennt man Nektarine, gelbe Pflaumen, Rambutan, weiters etwas Limone und kandierte Zitronenschalen. Dazu etwas Kelleraroma, nasser Steinboden, moderate, dennoch erfrischende Säure. Der Abgang ist recht lang und herb fruchtig.

Durch sein etwas eigentümlich herb-fruchtiges Aroma kein alltägliches Getränk. Im Vergleich zum oben verlinkten 2008er ist das Holz sehr viel dezenter, die Früchte herber, die Mineralik ausgeprägter, was den Wein im Vergleich für mich interessanter macht. Nicht unbedingt signifikant besser, aber eben wohltuend anders.

Auch hier also keine wirklich negative Auswirkung eines verschrieenen Jahres auf das Ergebnis.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3

12 comments on “Italienischer Problemjahrgang – Relaunch 2

  1. Hi Erich,
    klingt spannend – ein Lugana mit Lagerpotential ist wohl eher selten. Hab auch gelesen, dass dieser im Barrique gereift ist – auch eher die Ausnahme bei Lugana oder?
    Schönen Sonntagabend und vG
    Patrik

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    • Hallo Patrik,
      laut Ottella-Heimseite ist der Molceo wie folgt entstanden:
      „Delikates und weiches Pressen der ganzen Weintrauben für einen Großteil der Traubenproduktion, der verbleibende Teil wird durch Oszillation leicht entrappt. Es folgt ein rigoroses Vinifikationsprotokoll: Teilweise malolaktische Gärung. 16-monatiger Ausbau auf Trub und Feinhefen, der für den Großteil der Produktion in Edelstahl und für den verbleibenden Teil in Tonneaux und Barriques erfolgt.“
      Der Holzeinfluß ist vorhanden, aber recht dezent. Es gibt schon noch ein paar andere lagerfähige Lugana, z.B. von Zenato, aber die kosten dann auch alle deutlich jenseits der 10 Euronen / Fl., teils auch über 20. Der Großteil der Luganas ist aber von deutlich einfacherer Machart…
      Ebenfalls schöne Tage, incl. Brückentag?
      VG Erich

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      • Klingt nach einer Weinwerdeung, die eine längere Lagerung durchaus ermöglicht bzw. nicht auf „schnellem-primärfuchtigen-auf-der-Terasse-wegtrinken“ Konsum ausgelegt ist.
        Wobei ich auch solche Lugana zu solchen Gelegenheiten durchaus schön finde (aber selten trinke).
        Mein Brücketag wird so ein 50% Arbeitstag – wir Selbständige können uns das ja schön einteile – also „selbst“ und „ständig“ arbeiten 😉

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        • Vor allem das „ständig“ kenne ich nur zu gut; 3.000 Stunden und mehr im Jahr habe ich nicht nur einmal mir und meinem Umfeld zugemutet. Mittlerweile habe ich das deutlich verringert (oder konzentriert); geht auch und ich kann mir immer noch das ein oder andere Weinchen leisten… 😉

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          • So, mein halber Brückenarbeitstag ist rum, jetzt gibt es zwei Pinots (Sonoma Coast und Côte de Nuits) zum Vergleich 🙂
            Was steht bei Dir weintechnisch an, um den Feiertag einzuleiten?
            Schönen Abend
            Patrik

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            • Hallo Patrik,
              zur Feiertagseinleitung gab’s „nur“ den Rest des Seherschen GV „Kapellenberg“, für morgen steht bereits ein GGchen ausse Palz kalt. Für den Rest der Woche weiß ich noch gar nicht so genau, was essenstechnisch auf mich zukommt, da muß ich kurzfristig reagieren können; deshalb habe ich heute mal 12 Flaschen in die Kühlung verfrachtet, in der Hoffnung, so für alle Fälle gewappnet zu sein… 🙂

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            • Auch was aus der Bourgogne dabei oder kommen die später dran? 😉
              PS zur Bourgogne: Den Marsannay rosé ‚Fleur de Pinot‘ von Pataille aus 2014 hab ich bei meinem Haupdealer für Weine aus der Bourgogne (der aber nach Subskription praktisch nix mehr zu verkaufen hat) noch für 27,50 gekauft – Herr Lobenberg ruft für der 15er solide 44,50 auf – krass…

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            • …gibt auch F in der Auswahl, gekühlt wie ungekühlt, mal sehen…
              Na ja, Angebot und Nachfrage. Scheint ja doch auch gekauft zu werden. Finde ich zwar persönlich unschick, wenn ich aber andererseits selbst Händler oder Winzer wäre, der die Möglichkeit hat, die Gesetze des Marktes zu seinem Vorteil nutzen zu können, würde ich’s wahrscheinlich genauso machen. Andererseits schüttle ich aber auch z.B. seit letzter Woche den Kopf darüber, daß es anscheinend auch genügend Leute gibt, die für einen Kellerschen Orts-Riesling -auch wenn’s so ein Jubiläumsding war- 49 Euronen löhnen…

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            • Ja Keller ist schon speziell – da reicht ein deutscher Schreiberling mit 100 Punkte im Wine Advocate für eine Wein und schon, bähm! Preise mal 2,5 bis 3 für alle „größeren Weine“.
              Meine Abtserden von Keller aus 2008, 2009 und 2011 hab ich für um die 50 Euro gekauft (auch schon viel Geld für Roihesse Riesling) – jetzt ist die Abtserde aus 2014 für 130 Euro schön längst abverkauft…..
              Aber sei Herrn Keller vergönnt – auch in der Bourgogne ist es ja nur vergorener Traubensaft und da gehn die Preise pro 0,7 Flasche bis zu 5-stelligen Beträgen (hätt ich mein Geld doch nur in Romanée Conti investiert, als die noch für knapp über 1.000 Euro pro Flasche zu haben waren).

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            • Tja, wenn man nur zum richtigen Zeitpunkt die entsprechende Menge Spielgeld übrig hätte!
              Und man soll ja nie zu früh seine Pläne rausposaunen: wieder alles anders, das GGchen muß noch etwas warten… 😦

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            • Unwägbarkeiten des Lebens, die nicht so sehr hierher gehören. Ersatz für heute gibt’s keinen, wenn man mal von Mineralwasser & Co. absieht. Morgen wieder… 🙂

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