Der beste Wein der Welt… – Relaunch

Ich dachte mir heute, daß ich den kleinen Bruder des „besten Weins der Welt“ (s.u.) mal wieder entkorken könnte, um zu sehen, was mittlerweile aus ihm geworden ist:

2014er Chardonnay – Goldbach – trocken – Qw, Kress, Bodensee

Ein recht sattes Goldgelb zeigt sich im Glas, riecht nach Dampfnudelkruste mit säuerlichem Einschlag sowie Uglizesten, ein paar reifere Mirabellen, ein bißchen Versandkarton und heller Tabak, auch ein Hauch angebratene Krautwickel. Schmeckt dann ziemlich frisch, der Krautwickel ist hier auf die durchaus angenehme Art etwas präsenter, die Säure ist recht kantig, das Holz bringt auch einige grüne Aromen wie entsprechende Oliven mit, auch der Tabak ist hier eher grün, dazu noch ein Schlag Henna. Der ordentlich lange Nachhall reitet auch auf dieser leicht grünen Holzaromatik, hier wirkt die Säure am kernigsten, fast wie Verjus.

Ich finde den Wein nun tatsächlich ein klein bißchen schöner als vor zwei Jahren, erinnert mich nun deutlich an Chardonnays von Knewitz, z.B. der „Holzfaß“; vom (mir nicht bekannten) vermeintlich besten Wein der Welt (der 15er ist ja mal so prämiert worden) hat er sich leider immer noch nicht genügend abgeschaut, um bei mir ganz vorne mitzuspielen.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 5. Juli 2017:

…ist das hier vorgestellte Tröpfchen bedauerlicherweise nicht, denn es ist leider der falsche Jahrgang:

2014er Chardonnay – Goldbach – trocken – Qw, Kress, Bodensee

Tatsächlich ist die 2015er Ausgabe dieses Weins beim „Concours International de Lyon 2017“ ungelogen mit dem Prädikat „Bester Wein der Welt“ ausgezeichnet worden. Nun dachte ich mir, daß vielleicht der 2014er ähnlich gut oder sogar noch besser ist, da mir der ein oder andere einfachere 14er aus dem Hause Kress tatsächlich ein Stück besser gefallen hat als das teils deutlich breitere 15er Pendant.

Aber um was handelt es sich hier eigentlich? Goldbach ist ein Ortsteil von Überlingen, die Lage „Überlinger Felsengarten“ ist verteilt auf Flächen im Südosten (bei Nußdorf) und bei Goldbach im Nordwesten. Die Goldbacher Weinberge sollen das Filetstück der kürzlich übernommenen Flächen des einstigen Weinguts Spital zum hl. Geist sein. Und der Wein wurde in Barriques ausgebaut. Das war’s auch schon, was ich über den Wein im Einzelnen weiß. Aber nun mal konkret:

Im Glas zeigt sich ein schon recht sattes Goldgelb, die Nase erreichen in gleich recht hoher Dichte Aromen von Schnupftabak, Zedernholz und Vanille, dazu etwas Waldhonig sowie leicht angeröstete Macadamias; fruchtseitig kann man hinter der durchaus schönen Holzaromatik auch ein bißchen was an -allerdings hochkonzentrierten- Zitrusfrüchten erkennen. Am Gaumen dann zuallererst ein leichter Petrolschock, der sich aber zusammen mit einer markanten gemüsigen Note schnell wieder komplett auflöst, deutliche Luftzufuhr tut dem Wein recht gut. Dann bleibt wieder dieses Zitrus- / Ananaskonzentrat auf der Fruchtseite, gepaart mit einer recht deutlichen, schönen Säure. Das Holz ist hier weitaus weniger präsent als in der Nase, dafür breitet sich eine nicht alltägliche anorganische Mineralik aus, die bei mir auch Assoziationen von Zink und Kupfer (Malachit bzw. Kupfersulfat) aufkommen läßt. Der Abgang ist lang und ebenfalls intensiv, er bietet dabei wiederum eine sehr eigenständige, fast etwas chemisch anmutende Mineralik, die sich aber auch mit Luft etwas einschmeichelt.

Dieser Lagen-Chardonnay vom Bodensee (auch wenn die eigentliche Lage „Felsengarten“ gar nicht genannt ist) ist tatsächlich etwas außergewöhnliches, insbesondere was die schon etwas gewöhnungsbedürftige Mineralik angeht. Wenn man sich darauf einläßt, hat der Wein durchaus seine Qualitäten, aber zumindest was meinen persönlichen Geschmack angeht, sind wir da vom „besten Wein der Welt“ doch noch ein ziemliches Stück weit entfernt. Jetzt kann man daraus (mindestens) zwei Schlüsse ziehen: entweder die mir leider nicht bekannte 2015er Ausgabe dieses Weins ist um mehrere Ligen besser als mein 14er Exemplar oder die Latte wurde von den insgesamt 5.800 Weinen des angesprochenen Wettbewerbs einfach nicht ganz so hoch gelegt. Wie auch immer, ich mag die Weine des Hauses Kress generell sehr gerne und bescheinige dem Gut auch eine sehr ansprechende Qualität; es gehört für mich zur Spitze mit zwei anderen Weingütern – am Bodensee! Bei solchen „weltbesten“ Superlativen werde ich reflexartig immer etwas skeptisch; ob man sich mit sowas als Hersteller insgesamt gesehen einen Gefallen tut, sei mal dahingestellt, dennoch gönne ich dem Gut seinen durchaus verdienten Erfolg.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 18 von 25

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