Aus einem unbekannten Land… – Relaunch 3

Gestern wurde die letzte Flasche eines Weinchens aufgemacht, das mich bei der ersten Öffnung regelrecht begeistert hat, bei den weiteren Flaschen aber deutlich an „Performance“ eingebüßt hat:

2013er Petite Arvine – Valle d’Aosta DOP, Les Crêtes, Valle d’Aosta

Die Farbe ist ein deutliches Altgold, riecht nach reifer, aber noch nicht mostiger Dunkelgelbfrucht wie Pfirsich und Physalis sowie auch Feigen und Datteln im Zwischenstadium, dazu ein Hauch Torf und Tabak, irgendwann auch Balsaholz. Schmeckt auch reif, aber nicht alt, die Frucht ist zwar schon recht sekundär, jedoch noch voller Leben, das ist sicher auch der lebendigen Säure geschuldet; ein anfänglich deutliches Schweppes Bitter Lemon-Bitterchen schwächt sich mit Luft erheblich ab und bildet dann mit ein paar Mandarinenzesten eine schöne Kante, ein ordentlicher Schlag Magnesiumsalz formt eine markante, aber nicht aufdringliche Unterlage; mit Luft gibt’s auch vermehrt reduktives Frischholz. Der Nachhall hallt extrem lang und hält die zestengeschwängerte Dunkelfrucht über mindestens eine Minute auf hohem, frischen Niveau.

Der Petite Arvine zeigt jetzt eine ganz eigene Reifearomatik, da ist rein gar nichts „altes“ dabei, der Wein wirkt eher hochkonzentriert ohne dabei an Leichtigkeit einzubüßen. Macht gerade ziemlich viel Freude, vor allem auch weil er nunmehr recht viele Alleinstellungsmerkmale aufweist. In ganz jung hat er mir außerordentlich gut gefallen und in der aktuellen Reifephase fällt mein Urteil genauso aus. Zwischendrin schwächelt er allerdings für einige Jahre, muß man halt wissen…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 15. Dezember 2017:

Gestern haben wir mal wieder einen Wein aufgemacht, von dem ich keine Vorstellung hatte, wo der sich mittlerweile hinentwickelt hat. Als der

2013er Petite Arvine – Valle D’Aosta DOP, Les Crêtes, Valle d’Aosta

noch sehr jung war, hat er mir außerordentlich gut gefallen, bei einer unserer Weinrunden etwa ein Dreivierteljahr später hatte er allerdings ein Formtief. Ob das nun eine Umbau- / bzw. Verschlußphase war, wagte ich damals nicht zu deuten. Aber jetzt wollte ich mal wissen, wo die Reise bis dato hingegangen ist:

Die Farbe ist ein nun schon etwas reiferes Goldgelb, für die Nase geht’s vom Fleck weg recht gut mit reiferen Früchten zur Sache: Khaki, Nektarine, Kumquat, etwas Feige und Sultaninen. Am Gaumen wirkt der Petite Arvine trotz aller Dichte etwas filigraner, hier mischen sich auch einige eher unreife Fruchtkomponenten wie noch grüne Karambole oder Birne in die Aromatik. Die Säure ist auch von eher feiner Struktur und bringt etwas Zitrone nebst Bitterchen mit, anfangs ist etwas Braunwürze spürbar, die sich aber mit der Zeit weitgehend verflüchtigt. Der Abgang ist der frischeste Part, wirkt bei aller Reife deutlich grüner als Nase und Gaumen zusammen.

Der Petite Arvine hat sich wieder etwas gefangen, aber so begeistert wie beim ersten Versuch war ich auch gestern nicht. Es gibt vor allem einen Wermutstropfen: wenn man dem Wein zu viel Zeit läßt, klappt er in sich zusammen. In der ersten Stunde zum Essen war alles gut, aber der Rest der Flasche -nach etwa 2 Stunden probiert- fiel dann doch deutlich ab. Wenn man also schnell genug ist, dann reicht’s für

Meine Wertung: Nachkauf von 3, Gesamt 18 von 25

Nachfolgend der Text der Blind-Verkostung vom 15. Oktober 2015:

Im Glas schön goldgelb, aber das Bukett hat mich dann doch irritiert. Von der erhofften komplexen Frucht war (erst mal) wenig bis nichts mehr übrig geblieben, ein bißchen Apfel, ansonsten einfach recht mineralisch. Auch am Gaumen auch „nur“ ein bißchen Apfel, ein paar grüne Kräuter, recht dominante Mineralik, schöne zupackende Säure. Auch der Abgang war im wesentlichen nur mineralisch.

Am Ende der Runde haben wir ihn nochmals probiert, über die Zeit hat sich dann doch einiges getan. Die zuerst vermißte Exotik in Form von Maracuja, Grapefruit und Limette hat sich deutlich entwickelt, blieb aber hinter der Komplexität, wie ich sie noch von meiner ersten Verkostung in positiver Erinnerung hatte, signifikant zurück.

Meine anfängliche Enttäuschung milderte sich dann zum Ende hin wieder, aber im derzeitigen Zustand gefällt mir der Wein dann doch nicht so gut wie vor etwa 10 Monaten. Eine Flasche habe ich aber noch, der gebe ich mal noch ein paar Jährchen, vielleicht tut sich ja noch was in die andere Richtung…

Meine (jetzige und hoffnungsvolle) Wertung: Nachkauf 2 von 3

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 24. Dezember 2014:

…bzw. aus einer eher unbekannten Region stammt dieses leckere Weinchen:

2013er Petite Arvine – Valle D’Aosta DOP, Les Crêtes, Valle D’Aosta

Ich hatte noch nie einen Wein aus dieser kleinen norditalienischen Region, deshalb war ich sehr gespannt, was es da zu entdecken gibt. Petite Arvine ist eine autochtone Rebsorte, die mir ebenfalls völlig unbekannt war. Les Crêtes baut den Wein „nur“ im Edelstahltank aus, auch der „normale“ Chardonnay kennt kein Holz. Also nix für Freunde der holzlastigen Stöffchen…

Wirkt für seine „nur“ 12,5 PS relativ kräftig, offenbart ein Aromengeflecht aus Maracuja (oder so, entwickelt sich etwas..), ein kleine Salbei- / Minze-Kräuternote, etwas salzig mit langem Nachhall. Ein feiner, sehr komplexer Wein, der meiner Meinung nach bei Ausbau im Holz einiges von seiner Komplexität verlieren könnte. Also besser ohne! Man sollte sich aber ein bißchen Zeit für den Wein nehmen, da er sich im Laufe der Zeit aromatisch ein bißchen wandelt und ihn nicht zu kalt trinken, 13 bis 14 °C stehen ihm besser als 10 °C oder noch weniger, finde ich.

Macht eindeutig Lust auf mehr!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3

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