KuK-Wein – Relaunch – Nachtrag

Aufgrund eines aktuellen Themas im Weinforum fühlte ich mich animiert, folgenden Weninger-Wein aus dem Keller zu holen, zuerst geöffnet vor nicht ganz zwei Jahren:

2015er [Cuvée] – Gneisz és Csillám – száraz – OEM, Weninger, Soproni

Ein dunkleres Rubinrot mit mittlerer Transparenz im Glas, für den Riechkolben gibt’s saftige Brom- und schwarze Johannisbeeren, denen auch herbere Schattenmorellen und etwas Aronia gegenüberstehen, dazu ein bißchen Großholz. Am Gaumen dann ebenfalls eine schöne Mischung aus Saft- und Herbfrucht, dazu einige leicht zur Adstringenz führende Tannine, das Holz zeigt sich hier in Form einer mindestens 15 Jahre ungeschützt im Freien stehenden Bierbankgarnitur nach mehrstündiger Sonnenbestrahlung, weiters eine schöne herbe Steinbasis nebst gut dosierter Säure. Hängt ziemlich lang am Gaumen, hier hat die herbe Fruchtseite klar die Oberhand, die deutliche Säure sorgt für spannende Beschwingtheit.

Hat seit dem letzten mal an Spannung und Vielseitigkeit noch zugelegt, das Wechselspiel zwischen saftig-fetter und herb-kühler Frucht, welches für mich in erster Linie auf Syrah und Blaufränkisch hinweist, finde ich sehr animierend, die klasse Säurestruktur tut ihr übriges dazu. Schön vor allem, daß zumindest diese beiden Rebsorten für mich recht klar differenzierbar sind und sich nicht so ein breiiger Cuvée-Mischmasch-Geschmack ergibt. Einer meiner bemerkenswertesten Preis-Leistungs-Knaller im Keller.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 20 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: im wesentlichen der gleiche Wein auf gleichem Niveau, wirkt aber etwas „stoffiger“ und auch würziger; insbesondere am Gaumen gibt’s nun etwas Pfeffer, Koriandersaat und einen Hauch Minze.

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 17. Februar 2018:

Gestern Abend gab’s mal was einfacheres Rotes, dennoch wollte ich natürlich nicht in die Belanglosigkeit abgleiten. Deshalb wurde auf Verdacht mal eine Flasche

2015er [Cuvée] – Gneisz és Csillám – száraz – OEM, Weninger, Soproni

aufgemacht. Das Weinchen von knapp jenseits der österreichisch-ungarischen Grenze ist eine Cuvée, die jahrgangsabhängig Merlot, Syrah, Zweigelt, Cabernet Sauvignon und / oder Blaufränkisch enthalten kann; für 2015 sollen es Syrah, Zweigelt, Blaufränkisch und Merlot sein, aber das ist eine Netzinformation, für die ich keine Gewähr übernehmen kann. Der Name -auf deutsch: Gneis und Glimmerschiefer- deutet schon darauf hin, daß auch in der Basisklasse des Zweiländer-Gutes auf die Steine besonderer Wert gelegt wird. Das Ganze ist total biologisch, spontan vergoren und für 12 Monate im (großen) Holz ausgebaut; und das für knapp 7 Euronen pro Flasche. Wenn das Ganze jetzt auch noch schmeckt…

Im Glas zeigt sich ein mitteltransparentes, dunkleres Granatrot, für die Nase gibt’s gleich recht dicht und saftig Schattenmorellen, schwarze Johannisbeeren und einen kleinen Brombeertouch; ein bißchen was steiniges schimmert durchaus schon durch. Am Gaumen zeigt sich die Frucht saftig-herb, die Tannine stützen diesen herben Eindruck bei gleichzeitiger, fast samtiger Struktur gepaart mit ganz dezenter Adstringenz. Die schöne und frische Säurestruktur scheint dem Blaufränkisch-Anteil (wie hoch?) geschuldet zu sein. Die Steine zeigen tatsächlich klar in Richtung auf was schieferiges, im Verbund kommt ein ganz leichtes Blutorangen-Bitterchen mit. Der Abgang ist ordentlich lang, auch hier wird der herb-saftige Charakter souverän präsentiert.

Ob die o.g. Rebsortenmischung nun tatsächlich genau so in der Flasche zu finden ist, vermag ich nicht zu sagen, aber insbesondere Blaufränkisch (Säurestruktur) und Syrah (Saftigkeit) sind für mich hier schlüssig; der Rest kann, muß aber nicht. In jedem Fall ein spaßbringender und nicht-banaler Rotwein mit einer exzellenten Balance zwischen Extrakt, Mineralik und Säure, dem ich auch bei einem Preis von deutlich mehr als 10+ Euronen ein gutes PLV bescheinigen würde.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 19 von 25

2 comments on “KuK-Wein – Relaunch – Nachtrag

  1. Ich hatte den Wein Anfang Oktober im Glas und habe mir ähnliche Eindrücke notiert. Insbesondere auch das hervorragende Preisleistungsverhältnis. Von der doch recht breiten Weninger-Palette finden ich diesbezüglich den Gneisz außerordentlich gut aufgestellt. Das gilt auch im Vergleich zur ohnehin schon fair bepreisten Burgenlandlinie.

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    • …ja, ich bin auch immer wieder beeindruckt, wie weit oben auch die Weine vom Weninger mitspielen können, die teils deutlich unter 10 Euronen kosten. Und dann auch noch alles in Super-Bio-Manier in die Flasche gebracht, da kann man echt nicht meckern…

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