Was Schönes vom Küchenmeister – Relaunch

Gestern gab’s ein Weinchen, das seit der Erstöffnung nunmehr 4 Jahre in Ruhe gelassen wurde:

2014er Silvaner – Rödelseer Küchenmeister – trocken – Erste Lage, Juliusspital, Franken

Farblich ein recht intensives Goldgelb, fürs Näschen gibt’s dicht Pfirsich, Mirabellen und Kaki, dazu leichte Braunwürze, etwas Beifuß sowie saures Karamell. Schmeckt dann auch recht intensiv und leicht angematscht dunkelfruchtig, bleibt dabei aber weit von jeglicher Plakativität entfernt, der Kräutermix ist hier deutlich breiter gefächert, diese wirken mehr wie gerebelte / getrocknete Kräuter aus dem Wiesenbereich, z.B. Girsch und Sauerampfer, das Ganze auf einem Kalk- / Schiefergemisch mit etwas Eisensalzen angerichtet; die silvaneruntypisch potente Säure sorgt für Niederviskosität. Auch der lange Abgang lebt von der schönen Spannung zwischen dichter Frucht, herb-kräuteriger Mineralik und fast kantiger Säure.

Aus meiner Sicht sehr animierender Kaltjahrsilvaner mit einer super Säurestruktur und genügend Ecken und Kanten zum Reiben, wer einen Schmeichel-Silvaner sucht, ist hier allerdings falsch.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 10. August 2015:

Durch verschiedene Berichte und Verkostungsnotizen bin ich wieder auf das Juliusspital aufmerksam geworden, von dem ich schon seit Jahren nichts mehr im Glas hatte. Zuletzt war mein Eindruck so ein bißchen in der Richtung „Nicht gerade schlecht, aber auch nicht aufregend“. Aber seit einiger Zeit gibt es dort wohl einen neuen Kellermeister und angeblich soll das der Stilistik der Weine gut getan haben. So habe ich mir jetzt mal ein paar Erste Lagen zum Probieren geholt. Die erste ist der

2014er Silvaner – Rödelseer Küchenmeister – trocken – Erste Lage, Juliusspital, Franken

Die Lage ist durch Gipskeuper-Böden geprägt. Dieser Boden soll ja ein Garant für herb-mineralische Frische bei einer durch grüne Äpfel und Zitrusfrüchte geprägten Aromatik sein. Mal sehen…

Im Glas ein dunkles Strohgelb mit ganz leichten grünlichen Reflexen. In der Nase anfangs noch sehr grün frisch-fruchtig, aber innerhalb weniger Minuten werden die Äpfel deutlich reifer, ohne an Frische einzubüßen. Daneben auch Physalis, etwas weißer Pfirsich und saure Mango. Ein bißchen nasser Terrassenboden und Luzerne schwingen noch mit. Innerhalb eine halben Stunde reift insbesondere der Pfirsich sehr stark und man kann dann schon fast von Opulenz sprechen, die einem da aus dem Glas in Richtung Nase entgegen kommt. Zu dem Zeitpunkt habe ich den ersten Schluck genommen. Eine Mischung aus grünen und reifen Äpfeln dominiert hier, daneben Limetten- und Grapefruitnoten ohne Bitterchen, etwas Papaya, leicht grün-würzige Noten, nasser Sandstein. Später hier auch noch Marillen und ein paar Rosinen. Sehr schön frische Säure, die die 13,5 Umdrehungen ordentlich in Schach hält und die auch mit steigender Intensität der Aromatik immer die Oberhand behält. Langer ausgeglichener Abgang, der die Zitrusaromen sehr weich und elegant befördert.

So mag ich das! Für die Menge an Spaß im Glas sind die 12 Euronen pro Flasche wirklich mehr als angemessen. Kostet weniger als der vor Kurzem verkostete Gutswein von Weil, ist aber aus meiner Sicht wesentlich vielschichtiger. Ich denke, der Wein wird in ein paar Jahren noch einiges mehr an Spaß bieten, aber er ist bereits jetzt schon sehr schön zu trinken und bietet vor Allem eine sehr schöne Aromenentwicklung über die Zeit. Es wird sicher noch einen oder zwei Nachträge geben…

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3

Nachtrag mit 48 Stunden Luft: Eigentlich kann man es sich einfach machen und „nur“ sagen, daß der Wein immer noch so schön wie am ersten Tag ist. In der Nase vielleicht ein bißchen weniger intensiv, aber immer noch sehr facettenreich. Am Gaumen steigt allerdings der mineralische Eindruck signifikant an, fast ein bißchen feuchter Keller, aber von der angenehmen Art. Ein ganz leichtes Grapefruit-Bitterchen. Nach wie vor eine schöne Frische bei der immer noch intensiven Fruchtaromatik. Sehr schöne Entwicklung…

3 comments on “Was Schönes vom Küchenmeister – Relaunch

    • Inwieweit die beiden Weine aus der gleichen Lage vergleichbar sind, kann ich nicht sagen, aber Weltner ist auch ein absoluter Spitzenwinzer. Am Samstag weiß ich vielleicht mehr, da will ich mal beim Weltner vorbei schauen. Mit Silvaner-Sekt habe ich allerdings noch keine Erfahrung…

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