Glücksflasche – Nachtrag

Vor einigen Tagen wurde im Weinforum ein Bericht über eine deutsch-österreichische Lemberger- / Blaufränkisch-Verkostung veröffentlicht, in der beschrieben wurde, daß der erhoffte Favorit, ein

2011er [Blaufränkisch] – Dürrau – trocken – Qw, Weninger, Mittelburgenland

leider deutlich oxidiert war. Da gingen einige Alarmglocken bei mir an, da ich sowas auch im Keller habe, und so habe ich essenstechnisch für gestern so umdisponiert, daß einer meiner Dürraus dazu paßt, sofern ihn nicht das gleiche Schicksal ereilt haben sollte.

Rubinrot mit beginnender Braunfärbung an den leicht trüben Rändern, mäßige Transparenz. In der Nase samtige, gerbstoffumwobene Schwarzkirschen und leicht überreife schwarze Johannisbeeren, ganz dezent Großholz mit etwas Pulpe, ein Hauch Zitronenschale. Am Gaumen breiten sich erst mal einige butterweiche Tannine ohne nennenswerte Adstringenz aus, danach fortgeschrittene Kirschen, wieder ein paar schwarze Johannisbeeren, das Ganze trotz ordentlich Wumms incl. 14 PS ohne jede Kompottigkeit, die Säure hält das Ganze mit Hilfe einiger Pomelofetzen sehr souverän auf der nicht-breiten Seite; untendrunter gibt’s „weiche Steine“ aus der Tuff- und Specksteinecke. Der ellenlange Abgang bringt deutlich mehr Braunwürze bzw. Holzaromatik in Form von Ledertasche und Koriandersaat mit, auch hier sehr geschmeidige Tannine, zerfallende Fruchtfetzen ohne Morbidität, elegant-straffe Säure; nach ca. 2 Stunden entwickelt sich hier noch ein leichtes Bitterchen, ansonsten bleibt der Wein recht stabil, wird allenfalls auf der Tanninseite noch etwas runder.

Dieser BF ist weiter gereift als ein vor gut einem Jahr geöffneter 2009er „Alte Reben“, aber er ist zum Glück nicht mal ansatzweise oxidiert, wie in oben verlinktem Artikel beschrieben. Zumindest diese Flasche (Nr. 2191) ist in äußerst guter Verfassung, allerdings denke ich nicht, daß es noch relevant weiter bergauf gehen wird, sollte man deshalb in nächster Zeit austrinken. Dann bekommt man einen sehr stoffigen Blaufränkisch im besten Alter mit erstaunlich niedriger Viskosität, der mir persönlich im Nachhinein betrachtet aber doch ein bißchen zu teuer geraten ist. Aber vor gut 5 Jahren vor Ort -als der Wein noch klar unfertig war- war ich willig, den Fünfziger je Flasche zu investieren…

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 22 von 25

Nachtrag nach 48 Stunden mit Luft: ein recht kleiner Rest war noch übrig, deshalb war das Verhältnis Luft zu Wein in der geschlossenen Flasche für letzteren recht ungünstig. Dennoch: immer noch keine Spur von Oxidation, insgesamt ist der Dürrau eigentlich nur einen Tick geschmeidiger geworden, fühlt sich absolut stabil an.

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