Fett und spritzig – Relaunch

Jahresendspurt, da sind noch ein paar Granaten fällig. Deshalb habe ich heute mal wieder bei der etwas wilderen österreichischen Ecke in meinen weitläufigen Kellergewölben zugegriffen:

2015er [Cuvée] – Timotheus – trocken – Landwein Weinland, Gut Oggau, Leithaberg

Die Farbe ist ein recht dichtes, leicht trübes Altgold mit urinöser Anmutung, ein Teil der Trübung ist auch dem leichten Moussieren geschuldet. Riecht nach mürbem Apfel mit Hefeknödel, fast wie ein stiller Champagner mit etwas Cidre sowie sekundärer Orange und einigen anderen Zitrussprengseln, weiters auch Roiboos-Tee und ein bißchen Rosella (eine Malvenart aus Tanzania). Schmeckt dann auch ein bißchen nach Cidre (auch wegen dem recht beständigen, sehr feinen CO2-Anteil) plus dem ganzen oben genannten Zeugs, eine ordentliche Ladung weißer, sehr samtiger Tannine sorgt für eine gewisse Wärme, die super austarierte Säure ist für eine recht geringe Viskosität verantwortlich, darunter liegt ein ordentliches Bett aus Tuffstein mit Feuersteineinschlüssen. Der Abgang ist von erheblicher Länge, hier bringt die Gerbstofffracht auch ein paar animierende Bitterfetzen mit, die Cidre-Äpfel sind hochkonzentriert, aber von äußerst belebender Textur.

Die gut eindreiviertel Jahre mehr Lagerzeit waren echt Gold wert, das ist bis jetzt wohl der beste „Timo“, den ich je im Glas hatte, vor allem vermeidet dieser Wein das, was so manche Naturweine an sich haben, nämlich daß sie am Gaumen bei aller aromatischen Dichte ein gewisses Loch aufweisen, hier geht’s von A bis Z voll zur Sache; die zuvor angemeckerte „Opulenzbreite“ ist aber nun zum Glück kein Thema mehr, ich finde heute keine Kante, an der ich was auszusetzen hätte. Ein ganz klein bißchen „mehr“ bzw. „besser“ kann ich mir zwar noch vorstellen, aber viel ist’s nicht…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 24 von 25

Ach ja, Nachtrag gibt’s diesmal keinen, das Zeug flutschte einfach zu gut…

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 06. März 2018:

Von den weißen Kreationen des Guts Oggau hatte ich schon einige schöne Sachen im Glas, auch den im preislichen Mittelfeld (zumindest für das Gut) angesiedelte „Timotheus“ hat mir in der 12er Version sehr gut gefallen. Nun mal ein etwas jüngerer Jahrgang davon:

2015er [Cuvée] – Timotheus – trocken – Landwein Weinland, Gut Oggau, Leithaberg

Auf der Flasche steht nicht d’rauf, was genau drin ist, generell geben sich die „Oggauer“ gerne ein bißchen bedeckt bezüglich der verwendeten Rebsorten und verweisen lieber auf den Charakter des Weins an sich, was angesichts der Produktphilosophie mit den fiktiven Personen hinter den Weinen grundsätzlich stimmig ist. Ich bin aber doch irgendwie der Meinung, daß die Charakteristika der verschiedenen Rebsorten nicht belanglos sind (auch wenn man mit der exzessiven Maischegärerei die Rebsorte selbst etwas nach hinten drängt), deshalb auch immer die Neugier meinerseits bezüglich der verwendeten Sorten. Wenn man dem glaubt, was im Netz so über die Weine steht, müßte es sich hier um eine Cuvée aus 70 % Grünem Veltliner und 30 % Weißburgunder handeln oder zumindest sowas in der Richtung.

Im Glas jedenfalls zeigt sich ein sehr sattes Goldgelb mit deutlichen orangen bzw. ockerfarbenen Anteilen, außerdem gibt’s recht nachhaltig Bläschen, die sich am Glasrand absetzen. Das Bukett zeigt neben leicht angemosteten Birnen, Quitten und Äpfeln auch deutlich gebackene Banane mit Honig und Nüssen. Am Gaumen steht der cremig-hefigen Gesamtstruktur neben der durchaus schön balancierten Säure auch die Kohlensäure gegenüber und bringt damit eine eher unerwartete Frischenote mit ins Spiel. Auf der Fruchtseite finden sich auch einige gelblich-orange Zitrusnoten mit leichten Bitterchen wieder, allerdings eher in der leicht ankandierten Form. Der Abgang ist recht warm und durch die Honignoten schon klar auf der fetteren Seite zuhause, aber auch hier bilden die verschiedenen Säurefraktionen einen schönen Gegenpart.

Die erwähnte Kohlensäure macht nun keinen leichtfüßigen Genuß aus „Timotheus“, aber sie verleiht dem Stoff dann doch eine gewisse Spritzigkeit, die den Trinkspaß durchaus fördert. Zum Glück ist diese Kohlensäure nicht gleich verdampft, eine gewisse Zeit lang kann man diesen Effekt also gut nutzen. Ob der Rest im Kühlschrank diesbezüglich morgen auch noch auftrumpfen kann? Mal sehen, für heute gibt’s jedenfalls

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

1. Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: Wie erwartet bzw. befürchtet hat sich die Säurestruktur nach dem Schwinden der Kohlensäure aus meiner Sicht deutlich verschlechtert. Der Wein wird nun signifikant breiter und macht relativ schnell satt. In der Kombination mit einem etwas sahnelastigen Essen und auch mit einer Mango-Quark-Creme funktioniert das noch recht gut, aber solo wird es sofort anstrengend. Deshalb: aufmachen und mit Spaß schnell weg damit! Somit ergibt sich nach einem Tag eine deutlich abgefallene Wertung, ich lasse aber mal die Erstwertung stehen, man muß halt einfach wissen, wie man mit dem Stoff umgehen muß…

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 17 von 25

2. Nachtrag nach 6 Tagen mit Luft: Ein bißchen was war noch übrig, das reichte noch für ein nicht sehr hoffnungsvolles Glas. Aber: die bemäkelte Breite ist jetzt erstaunlicherweise komplett weg! Auf einmal sind die ganzen Tugenden des oben verlinkten 12ers auch hier verfügbar. Also: entweder schnell weg damit oder lange genug offen lassen!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s