Das WRINT-Weihnachtspaket plus Hammer

Vom WRINT-Flaschen-Podcast gab es auch wieder eine Weihnachtsausgabe, blöderweise fand die natürlich wieder mitten in der Woche an einem Mittwoch statt, genau dann wenn kurz vor den Feiertagen garantiert niemand Zeit hat. Also haben wir die Sachen dann einfach titelgerecht am 24.12. zum Raclette vernichtet; das könnte ganz gut passen, dachte ich mir.

1. Wein: (2019er) [Cuvée] – BD’3C – brut nature – Champagne [AC], Bourgeois-Diaz, Champagne

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Dies ist eine Cuvée aus den 3 Hauptrebsorten der Champagne (20 % Chardonnay, 35 % Pinot noir und 45 % Pinot Meunier), dégorgiert am 12.07.2019.

Die Farbe ist ein oranges Apricot, mittlere Perlage mit einiger Beständigkeit. Fürs Näschen gibt’s Granatapfel und Papaya sowie gehaucht Brioche. Für den Gaumen dann herbe Frucht, etwas Speckstein, geschmeidige Säure, ganz wenig Hefe, hinten etwas kalter Rauch und ein Hauch Teer auf Kalkbett. Der Abgang hat eine schöne Länge, ist dabei herb rot-orangefruchtig, wieder ein rauchiges Bitterchen, samtige Säure.

Ist ein eher unauffälliger Schampus, zwar mit interessanter Fruchtaromatik, leichte Bitterkante, säureseitig fast schmeichlerisch, dennoch dank fehlender Dosage keine freie Süße; ganz gut zu trinken, aber mit wenig Argumenten zum Nachkauf.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 19 von 25

2. Wein: 2017er [Chenin blanc] – Echalier – Vin de France, Bertin-Delatte, Loire

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Farblich ein ins Ocker gehendes Gelb, in der Nase verhalten Macadamia und Kaktusfeige, leicht Nougat. Gaumenseitig deutlich dichter, fast saftig, wenn man das von nussig-fruchtigen Aromen sagen kann, effiziente Säure, dennoch deutlich cremige Struktur auf der leichten Seite, dazu eine leichte Kante aus überlastetem, angekokeltem Leistungsschalter. Der Nachhall hallt mit schöner Länge, etwas belegte dichte Frucht mit Mandel, distinguierte Säure, ein bißchen Speckstein.

Durchaus schöner CB mit recht ausgewogener Struktur, guter Trinkfluß, trotz deutlicher Nussigkeit ziemlich niederviskos.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

3. Wein: 2018er Trousseau – Côtes du Jura AC, Domaine des Marnes Blanches, Jura

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Im Glas ein sehr helles Kirschrot mit deutlicher Transparenz, nasenmäßig eine herbe Mischung aus schlanker Preiselbeere und leicht Mandarine, dezent helles Leder. Am Gaumen relativ leicht wirkend, hier ist die Rotfrucht recht schlank, dennoch kein „Loch“ im Mund, auch hier ein bißchen mandarinig, belebende Säure, leicht blaue, tuffsteinige Mineralik. Auch der Abgang unterstreicht den eher leichten, aber durchaus ernsthaften Charakter.

Sehr leichter, dennoch nicht dünner Wein mit frischer Aromatik, die Mandarine ist möglicherweise rebsortentypisch (wiederholt sich jedenfalls bei den wenigen mir bekannten Trousseaus), macht durchaus Freude.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

Zum Dessert brauchten wir noch was, was im WRINT-Paket leider nicht mit d’rin war:

Wein A: 2010er Rieslaner – Beerenauslese – Pw, Philipp Kuhn, Pfalz

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Erwartungsgemäß ein sehr dunkles Bernstein im Glas, riecht intensiv nach dunkelorangem Zitruskonzentrat mit Orangen, Bitterorangen, Kumquat sowie Blutorange, auch ein paar Eichenspäne. Am Gaumen ist das Zitruskonzentrat ebenfalls sehr opulent, eine schier ungeheure Säure sorgt für gepflegte Niederviskosität, hier kommt auch Limetten- und Zitronenkonzentrat mit. Untend’runter etwas blauer Korund-Schleifschlamm, sorgt in der Verbindung mit der Säure fast für einzelne Gesichtsentgleisungen, was für mich aber höchst angenehm ist. Auch der Abgang ist bei aller Dichte hoch erfrischend bzw. sogar deutlich speichelfördernd, hier ist die Dichte an gelbem Zitruskonzentrat incl. Pomeranze am deutlichsten, hier machen sich auch die kühlen Wackersteine am meisten bemerkbar.

Ungemein erfrischende BA, der viele Zucker wirkt wie nicht vorhanden, der Zitruskorb ist sehr komplex und klar differenziert, die Säure ist einfach der Hammer, hier stimmt so gut wie alles.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 24 von 25

Fazit: Die WRINT-Weine waren durchaus schön, aber nicht unbedingt die Hämmer, wie ich sie mir insgeheim erwartet hatte, haben aber allen Anwesenden gut gefallen, insofern durchaus ein Erfolg. Und dann gab’s ja noch diesen Hammer-Süßstoff…

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