Eigenbedarf

Wir waren vor ein paar Tagen in Austria auf einer mehrtägigen Veranstaltung, bei der’s auch Verpflegung inclusive Alkoholika „for free“ bzw. „all inclusive“ gibt bzw. gab. Leider ist die Qualität der Flüssigversorgung regelmäßig so gar nichts nach unserem Geschmack, deshalb haben wir uns diesbezüglich selbst versorgt. Bei meinem letzten Metro-Besuch habe ich -nachdem wir einige Sachen erfolgreich verkostet hatten- einige weitere Flaschen der Alltags-Sekte von Schloss Vaux besorgt, allesamt neuere Jahrgänge als bisher probiert. 3 Flaschen davon haben wir in 3 Tagen incl. brauchbarer Gläser mitgenommen und vor Ort weggepichelt:

1. Sekt: 2016er Cuvée Vaux – brut – Sekt, Schloss Vaux, Deutschland

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Dies ist eine Cuvée aus Weißburgunder, weißgekeltertem Spätburgunder sowie Riesling, 2,5-jähriges Hefelager, dégorgiert im November 2019, die Trauben kommen aus den Anbaugebieten Pfalz und Rheingau.

Ein mittleres Strohgelb im Glas, recht rustikale Perlage, die aber recht schnell auf ein gesittetes Maß zusammenfällt. Riecht sehr frisch nach Zitrone und Limette, dezent Hefeklotz sowie ein bißchen Säurehauch. Am Gaumen ebenfalls hochfrisch zitrisch, kantig-knackige Säure(n), erahnbare Hefe, ein paar bläuliche Steine und Magnesiumsalze als Unterlage. Auch der Abgang ist hochfrisch und sehr lang, hier dominiert klar ein Limettenhaufen plus wiederum blaue Mineralik.

Macht als „Alltags-Schampus“ recht viel Spaß, ist mit seiner rustikal-furztrockenen Art absolut kein Schmeichler, wenn man aber kein elegantes Blubberwasser erwartet und mit ordentlich Säure kein Problem hat, dann sind die Sonderangebots-10-Euronen gut angelegt, muß man aber auch nicht kistenweise nachordern; wenn’s noch gibt, besser den 15er einsacken…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

2. Sekt: 2017er [Spätburgunder] – Blanc de Noirs – brut – Sekt, Schloss Vaux, Pfalz

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Hier ein 16-monatiges Hefelager, dégorgiert im Mai 2019, angebaut beim Weingut Gebrüder Andres in der Pfalz.

Die Farbe ist ein helleres Bronze, eher mäßige, feine Perlage, jedoch gut anhaltend. Riecht erst etwas verhalten nach Zitrone und Johannisbeeren, letztere blühen noch etwas auf, gehauchte Hefe, mit Luft tauchen auch ein paar gelbe Äpfel auf. Schmeckt dann auch leicht johannisbeerig mit ein paar verspäteten Äpfeln, dazu eine kernig zitronige Säure, leichtes Pampelmusenbitterchen, deutliche, leicht blaue, fast etwas stahlige Steingrundlage. Der ordentlich lange Abgang ist der mineralischte Teil, auch hier eine eher kernige Säure, dann ein feines Bitterchen-Finale.

Wieder ein schöner Alltags-Schäumer mit kerniger, knalltrockener Struktur, kein aromatischer Aufreger, aber höchst belebend. Kommt (derzeit) an den 16er nicht hin, macht aber von den drei geöffneten Flaschen am meisten Freude.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

3. Sekt: 2018er Riesling – brut – Sekt, Schloss Vaux, Pfalz

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Hier „nur“ ein 12-monatiges Hefelager, dégorgiert im November 2019, die Trauben kommen wiederum vom Deidesheimer Weingut Gebrüder Andres.

Farblich ein helleres, ganz leicht grünschimmeriges Goldgelb, relativ grobe Blubberblasen, aber durchaus nachhaltig. Riecht eher verhalten nach grünen Äpfeln, leicht Zitronenschale und gehauchte Hefe. Schmeckt auch (noch?) relativ grün, deutliches Grapefruit-Bitterchen, knackige Säure(n), leicht bläulich-kalkige Mineralik. Der Nachhall hallt schön lang auf der herb-grün-bitteren Seite.

Das ist knapp der frischeste Sekt des Triumvirats, wobei ich allerdings etwas erstaunt bin, daß der Abstand zu den beiden Burgunder(lastigen) Schäumern doch eher gering ist. Auch dieser Sekt ist von der etwas robusteren Art, wenn’s einfach nur erfrischend sein soll, erfüllt er seinen Zweck aber sehr schön. Steht hinter dem 2015er aber vor allem aromatisch recht deutlich zurück, vielleicht hilft liegen lassen ja was…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

Fazit: alle drei Schäumer kommen nicht an die vorherigen Jahrgänge ’ran, aber wahrscheinlich brauchen sie auch einfach noch ein bißchen Zeit; das Dégorgement ist bei zwei der Flaschen ja auch erst ein paar Wochen her, nur der Spätburgunder hat seither zumindest ein halbes Jahr auf dem Buckel. Allerdings hat die „Cuvée Vaux“ das mit Abstand längste Hefelager, von dem ich aktuell noch nicht so viel gemerkt habe…

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