…unter Segeln – Nachtrag

Gestern Abend gab’s mal wieder was nicht so ganz alltägliches. Ok, Chardonnay aus dem Burgund ist erst mal nichts sooo Besonderes, aber wenn er von der Domaine Derain kommt und „Vin de France“ d’rauf steht, sollten Chardonnay-Traditionalisten Vorsicht walten lassen:

[2013er] [Chardonnay] – Vol à Voile – Vin de France, Derain, Bourgogne

Dieser Chardonnay wird in offenen bzw. nur mit Segeltuch abgedeckten Bottichen oxidativ vergoren und ausgebaut, ähnlich einem Vin jaune aus dem Jura. Na dann:

Die Farbe ist ein leicht trübes Bronze, fürs Näschen gibt’s naturtrüben, sehr fleischigen Apfelsaft, leicht angemostet und mit etwas Pattex versetzt, welcher sich im Lauf der Zeit zu UHU wandelt. Am Gaumen deutlich weniger Kleber, die Frucht zeigt hier starke mostig-oxidative Noten, weiters gibt’s Roiboos-Tee, Jasmin und Efeublüte; relativ kühle Säure, die den extraktreichen Stoff auf der niederviskosen Seite hält; Steine gibt’s keine, eher etwas Ackerscholle. Der lange Abgang ist geprägt vom intensiven Oxi-Fruchtextrakt, die Säure ist hier am meisten ausgeprägt, der Kleber ähnelt hier eher dem guten alten Gutenberg-Klebestift.

Wunderbar schräger Chardonnay, könnte auch aus so mancher anderer Rebsorte mit vergleichbarem Ergebnis gekeltert werden, denn hier ist die Arbeit im Keller ausschlaggebend. Das ist nun sicher nichts mehrheitsfähiges, mindestens 99,7 % aller Weintrinker werden sich hier kopfschüttelnd abwenden, denn der „Vol à Voile“ ist schon extrem fordernd und erschließt sich einem nicht einfach so von selbst. Macht aber nix, ich find’s g…!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

Nachtrag nach 48 Stunden mit Luft: in der Nase ist nur rein gar nichts mehr von den verschiedenen Klebern übrig geblieben, jetzt dominiert Apfel-Früchtetee im Kellerabgang mit etwas Baumschwamm und Pfifferling. Am Gaumen ist etwas Kleber übrig, und zwar der Gutenberg-Klebestift, dazu Lakritzschnecken und saures Karamell, weiters aufgesäuertes Kaki-Konzentrat, die Säure wirkt irgendwie gestockt, dazu ein sehr sekundäres Blutorangenbitterchen. Der lange Abgang ist dann wieder mehr auf der hochkonzentrierten Apfel- / Quittenmostseite unterwegs, weiters Roiboostee und ein bißchen saurer Fruchtgummikram.

Hat sich hochinteressant weiterentwickelt, ist jetzt nicht mehr ganz so sperrig, wahrscheinlich wenden sich jetzt nur noch 95,8 % der Testpersonen ab; insgesamt nochmal vielschichtiger, deshalb stocke ich meine Wertung nochmals signifikant auf.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 23 von 25

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