Einfach nur rot… – Relaunch

Vorgestern haben wir zur Erzielung der nötigen Bettschwere mal wieder ein etwas schwereres rotes Geschoß aufgemacht:

[2009er] [Cuvée] – Amistar – Vino Rosso, Peter Sölva, Südtirol

Farblich ein sehr dunkles Rubinrot mit geringer Transparenz, beginnende Braunfärbung an den Rändern. Riecht nach sehr reifen, teils angedörrten Pflaumen, ein paar kompottierte Erdbeeren, die Holzseite wartet mit Torf, etwas Rindenmulch, leicht Nelke, einem Hauch Kaffee und noch einem Rest 75er Schokolade auf. Am Gaumen sind die verbliebenen Tannine samtig weich, dennoch zeigen sich noch ein paar Gerbstoffkanten; zur satten, reifen Frucht gemäß Bukett gesellen sich hier vor allem warmer Waldboden und Baumschwamm, die Säure arbeitet zwar sehr gut, aber eher im verborgenen, ein leichtes braunorganisches Bitterchen schwingt mit. Der sehr lange Abgang zeigt die Tannine von einer etwas strafferen Seite mit leichter Adstringenz, die schmatzig-sekundäre Frucht wird durch die Säure gut abgepuffert.

Wunderschöner Dickwein, der aber gar nicht so dick daherkommt, wie er substanzmäßig eigentlich beieinander ist, ist dabei jetzt gerade schön angereift und quasi perfekt ausbalanciert. Eigentlich stehe ich ja mittlerweile mehr auf etwas filigranere Rotweinchen, aber zum richtigen Anlaß hab‘ ich zwischendrin durchaus Freude an solchem Stoff, wenn er dermaßen geschmeidig daherkommt.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 21 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 19. Juli 2016:

…ist ein Wein aus Südtirol, den ich heute nach langer Zeit mal wieder aufgemacht habe:

[2009er] [Cuvée] – Amistar – Vino Rosso, Peter Sölva, Südtirol

Da mein näheres Umfeld ja vorwiegend weißweinaffin ist, kommen bei mir die roten Schätzchen in den letzten Jahren chronisch zu kurz. Allerdings begünstigt das auch die Reifung mancher Flaschen, die da unten im Keller auf ihr Schicksal warten. Bei den seltenen Gelegenheiten, auch mal wieder was Rotes loszuwerden, muß ich dann natürlich sofort handeln.

Die Amistar-Linie der Sölvas aus Kaltern soll die Handschrift der Familie zeigen, es steht also das Wirken des Winzers bzw. der Winzerfamilie im Vordergrund. Im Fall des „Vino Rosso“ werden die Rebsorten Merlot, Cabernet Sauvignon, Lagrein, 5 % Cabernet Franc und 5 % Petit Verdot verwendet, wobei ca. 10 % der Trauben (soweit ich weiß, die beiden letztgenannten) am Stock getrocknete Trockenbeeren sind. Sowas ist in Südtirol fern jeder DOC- oder IGT-Klassifikation, deshalb eben einfach nur „Vino Rosso“. Der Jahrgang ist wohl deshalb auf der Flasche auch in der verklausulierten Form „X009“ angegeben, kann auch sein, daß mehr als 15 % des Weines aus anderen Jahrgängen stammt. Die weitere Weinwerdung wird auf der Website wie folgt beschrieben:

Entrappung, traditionelle Maischegärung im Edelstahltank bei kontrollierter Temperatur. Saftentzug von etwa 30%, um ein extremeres Verhältnis zwischen Schalen und Most zu schaffen. Das heißt also mehr Schalen und viel weniger Most und damit eine ideale Mazerierung bzw. Extraktion für das Konzept Amistar zu gewährleisten. Nach vollendeter Gärung wird der Wein von den Trestern abgezogen, alle Partien jeder Sorte werden dann im verfügbaren Mengenanteil des Jahrgangs  (keine Assemblage nach System!!!) assembliert und zum BSA in Barriquesfässer für  1-2 Jahre gelagert.

Jetzt hatte der Wein ja noch etwas Zeit in der Flasche, mal sehen, wie er sich heute so zeigt:

Im Glas ein sehr dunkles Rubinrot mit nur geringer Transparenz, keine Spur einer Brauntönung. Die Nase bekommt gleich ordentlich was ab: 75er Schokolade, leicht Tabak, gut benutzter Ledertaschengriff, Nelke und Lakritz, fruchtseitig schwarze Johannisbeere und Dörrpflaumen. Am Gaumen sind die Tannine für etwa 10 Minuten noch etwas angriffslustig, beruhigen sich dann aber sehr schnell und geben dann den Waldfrüchten sowie den Pflaumen mehr Raum. Eine kleine Pelzigkeit bleibt aber erst mal, die braucht etwa 30 Minuten, bis sie fast nicht mehr spürbar ist. Die Früchte erscheinen noch sehr frisch und wirken trotz der amtlichen 14 Ampere nur ganz minmal kompottig, kommen aber dennoch sehr kraftvoll ′rüber. Auf der säuerlichen Seite findet sich etwas Pampelmuse nebst leicht herbem Bitterchen (das sich innerhalb etwa einer Stunde minimiert) sowie eine kleine Kumquat. Das Holz ist hier eher moderat vertreten und zeigt sich in Form von Zeder und 85er Schokolade (also ein bißchen kerniger als in der Nase). Steine gibt’s auch, ein bißchen wie gemahlene Kreide -also leicht staubig- plus Korund. Der Nachhall ist in erster Linie fruchtig, dabei herb-säuerlich und spiegelt eigentlich alles nochmal für ein paar Minuten wieder, was man vorher bereits gefunden hat.

Sehr schöner, weil vielschichtiger und insgesamt trotz aller Kraft sehr ausgewogener Wein, ein bißchen wie Schwarzenegger im Maßanzug. Über die eineinhalb Stunden, die ich den „Rosso“ heute im Glas hatte, hat er sich kontinuierlich entfaltet und dabei seine Struktur perfektioniert. Wie die Blüte einer Nachtkerze, nur eben viel langsamer. Ich denke, es wird noch einen Nachtrag zu diesem Weinchen geben.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: In der Nase hat sich die Schokolade etwas nach vorne geschoben. Fruchtseitig jetzt auch einige Brombeeren. Am Gaumen sind die verbliebenen Tannine noch etwas weiter in die samtige Richtung gezogen. Das Spiel der Säure mit dem Extrakt hat auch gewonnen. Die leichten Bitterchen von gestern sind noch weniger geworden und sind nun eher chininlastig. Allerdings fand ich den Abgang gestern -wenn auch nur geringfügig- schöner. Insgesamt mindestens genauso schön wie gestern, hat vor allem am Gaumen signifikant gewonnen.

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