Schöne alte Reben – Relaunch 2

Heute war meine letzte Flasche des nunmehr über 13 Jahre alten

2006er Silvaner – Rödelseer Schwanleite – Alte Reben – trocken – Qw, Weltner, Franken

d’ran, da ich mir zum Rosenkohl mit Muskatnuß was entsprechend potentes vorgestellt habe.

Die Farbe ist ein ins Bronze gehendes, dichteres Goldgelb. Fürs Näschen gibt’s wie tendenziell erwartet Torf und Baumschwamm sowie hellen Tabak, auch etwas Ziegenbart (den Pilz meine ich) und Früchtebrot sowie Erikahonig. Am Gaumen bleibt dann auch für die Frucht in Form von mit braunem, unraffinierten Palmzucker kandierten Pfirsichen, Kaki und Aprikosen Platz, welche von der Säure ausreichend flüssig gehalten werden; auch wenn der Fruchtextrakt recht mächtig ist, kann man doch noch einiges an Gipskeuper-Kräuterigkeit ausmachen, welche durch ein lakritziges Bitterchen unterstützt wird. Insbesondere diese Lakritze dominiert den ellenlangen Abgang, ohne die restliche Mineralik sowie die superreife Frucht -hier wieder mit etwas Erikahonig garniert- komplett zu verdrängen; auch nach gut fünf Minuten immer noch ein animierender Mix aus leicht scharfer Süße mit braunschmelzigen Bitterstoffen und zeitweise auch etwas roter Paprika.

Dieser Silvaner ist nach wie vor in Top-Form, zeigt sich nunmehr bereits am ersten Tag in einer ähnlichen Verfassung wie vor 1 ½ Jahren nach 3 Tagen mit Luft, nämlich sehr komplex, sehr stoffig, sehr „braun“ im besten Sinne und dabei doch so flüssig, daß man nicht satt davon wird. Das ist auch gut so, denn vor lauter Begeisterung haben wir alles auf einen Satz weggelitert. Wunderschönes Beispiel dafür, wie gut Silvaner reifen kann, wenn er von kundigen Händen gekeltert wird…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 23 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 13. Juli 2018:

Vor über drei Jahren war ich bei einem Wein-am-Limit-Livestream vom

2006er Silvaner – Rödelseer Schwanleite – Alte Reben – trocken – Qw, Weltner, Franken

ziemlich begeistert, vor allem, nachdem der Wein schon einige Tage offen war. Ich habe mir dann im Rausch der Begeisterung gleich noch ein paar Flaschen bestellt, und nun war es mal an der Zeit, wieder eine von denen zu öffnen, zumal ich ja erst vor kurzer Zeit einen anderen gereiften Weltner-Wein mit viel anschließender Freude „gerelaunched“ habe.

Im Glas ein leuchtendes Goldgelb, in der Nase anfangs „nur“ dicht fruchtig, nach ca. einer halben Stunde Anlaufzeit taut auch die Sekundäraromatik auf und es ergibt sich ein kräftiger Mix aus Aprikosen, Kaki, Quittengelee, Vanille, Lakritz und Leder, wobei die Fruchtseite klar die Oberhand behält, ohne auch nur irgendwie aus der Natürlichkeit abzugleiten. Am Gaumen ein sehr potenter Fruchtextrakt, hier auch leicht Abate-Birne im Angebot; auf der braunwürzigen Seite gibt’s auch noch Sternanis und Hirschhornsalz sowie etwas Waldhonig. Die Säure moderiert schön zwischen den Aromabestandteilen ohne sich großartig in den Vordergrund zu drängen; dadurch bleibt was leicht schmelziges, das zusammen mit der lakritzigen Fruchtsüße recht gut harmoniert, ohne dabei Breite zu suggerieren. Der Nachhall im Minutenbereich ist geprägt durch den fetten, aber dennoch leicht wirkenden Fruchtextrakt mit brauner Kruste; nach etwa einer Stunde erstarkt hier die Lakritze signifikant, bleibt aber fern jeglicher Penetranz.

Nach nunmehr 12 Jahren ist dieser Silvaner immer noch voll auf der Höhe. Gereift: ja, alt: nein; der kann sicher noch einige Jahre ab! Paßte heute sehr gut als weißer Grillwein (rot ging wegen der Mittrinker nicht, war aber absolut keine zweite Wahl). Ich habe etwas übrig gelassen, weil ich wissen will, ob über die Tage wieder eine ähnlich spannende Reise stattfindet wie bei der ersten Flasche…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

1. Nachtrag nach 72 Stunden mit Luft: Die Entwicklung ist tatsächlich ähnlich zu der wie vor 3 Jahren, auch wenn das Stahlwalzwerk weitgehend ausgeblieben ist. Dafür gibt’s jetzt Torf, schwarze Trüffel und dunklen, süßen Pfeifentabak für den Riechkolben, was die Frucht aber deutlich beiseite schiebt. Am Gaumen vollzieht sich diese Entwicklung ebenso, allerdings bleibt der Frucht hier deutlich mehr Raum. Dominant sind hier die Pfirsiche und Quitten, mit etwas Waldhonig garniert. Steinige Mineralik gibt’s bei dezidierter Suche auch noch, der Abgang ist mehrere Minuten lang und dabei rauchig-torfig auf der leicht extraktsüßen, aber generell trockenen Seite. Die drei Tage warten haben sich echt gelohnt, da lege ich noch einen d’rauf:

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 23 von 25

2. Nachtrag nach 6 Tagen mit Luft: Nunmehr herrschen an allen Fronten Torf, Waldboden mit Pilzen und morsches Holz vor. Am Gaumen auch ganz leicht jodig und etwas gerbstoffig. Beim Abgang bleibt im Finale ein leicht metallisches Bitterchen übrig, durchaus auf der angenehmen Seite angesiedelt. Der Silvaner hat nun einige Ecken und Kanten beieinander, die nicht jedem gefallen dürften, mir aber schon…

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 09. April 2015 (plus x…):

Am letzten Donnerstag war mal wieder WaL-Livestream, 17. Folge, diesmal mit 3 -das kann man vorweg nehmen- sehr sehr schönen Weißweinen, die -bei mir zumindest- bei aller Verschiedenheit eines gemeinsam hatten: eine mehr oder weniger intensive Quittenaromatik. Über die Entstehung der Weine will ich hier gar nicht so viel sagen, seht Euch da besser den o.g. Livestream an, in dem die Winzer auch sehr viel zu den Weinen erzählen. Warum ich hier überhaupt nochmal über die Weine schreibe, hat den Hintergrund, daß wir -entgegen des eigentlichen Vorsatzes- die Flaschen am Donnerstag nicht geleert haben, sondern heute mit 2 Tagen Abstand die Reste nochmals probiert haben. Alle Weine haben nämlich -so die bestätigte Hoffnung- die schöne Eigenschaft, sich über die Zeit zu entwickeln und das ist etwas, was ich beim Weingenuß besonders spannend finde.

Der dritte Wein des WaL-Abends

2006er Silvaner – Rödelseer Schwanleite – Alte Reben – trocken – Qw, Weltner, Franken

überraschte in der Nase zu allererst dadurch, daß er trotz seines Alters von immerhin 9 Jahren noch sehr frisch und jugendlich wirkt, keine Spur von hohem Alter, da geht sicher noch einiges. Die dritte Quitte an diesem Abend, vielleicht stimmte was mit meiner Nase nicht, aber in der Runde habe ich auch Zustimmung dazu bekommen. Allerdings hier der intensivste Quittenduft, begleitet von Kastanienhonig, eine leichte Bitterkeit und eine Aromanote, für die ich zuerst gar keine Beschreibung gefunden habe, später kam mir dann spontan „Stahlwalzwerk“ in den Sinn (ob das jemand nachvollziehen kann?). Mit etwas Luft geht die Bitterkeit etwas zurück, die Säure wird geschmeidiger, die Fruchtnoten komplexer und driften etwas ins exotische ab. Dieser Wein hat über die Zeit im Glas die interessanteste Entwicklung vollzogen.

Am Samstag dann -wieder als dritter Wein probiert- eine völlig irrsinnige Entwicklung des Silvaners über die zwei Tage. Die Fruchtaromen haben sich deutlich zurückgezogen, dafür konnte man jetzt aber immer noch deutlich Physalis (Andenbeere) ausmachen. Das Stahlwalzwerk hat seine Produktion deutlich gedrosselt, die Bitterkeit hat sich auch weiter reduziert, ist aber noch wahrnehmbar. Dafür hat sich sich ein wahnsinnig dichtes Aroma von leicht süßlichem Pfeifentabak mit der zugehörigen Rauchigkeit entwickelt. Bei einem Weißwein hatte ich sowas noch gar nicht. Ich saß mit meinem Glas da und dachte mir nur dauernd: der Hammer!

Ich habe mich daraufhin entschlossen, die Flasche immer noch nicht ganz leer zu machen, sondern dem Rest noch ein bis zwei Tage zur weiteren Entwicklung zu geben, ich bin gespannt, was dann noch passiert! Ein Wahnsinns-Stoff!

Meine Wertung: am Donnerstag noch Nachkauf 2 von 3, jetzt eindeutig 3 von 3

Nachtrag nach 4 Tagen mit Luft:

Das Stahlwalzwerk hat seine Produktion endgültig eingestellt, der Pfeifentabak ist einem leicht rauchigen Whiskyaroma gewichen.

Eine Neige für ein (Gabriel-) Glas ist noch in der Flasche, in zwei Tagen sehen wir weiter…

Nachtrag nach 7 Tagen:

In der Nase nun neue Ledertasche und Korianderhonig. Die Fruchtaromen sind deutlich zurückgetreten. Unglaublich geschmeidig am Gaumen. Es ist schon beeindruckend, welche Reise durch die Aromenvielfalt dieser Wein innerhalb einer Woche gemacht hat. Selten hatte ich so viel Spaß im Glas…

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