Bunn’scher Orts-Pinot – Nachtrag 2

Vorgestern war Spätburgunderzeit, allerdings nicht zu einem „großen Essen“, deshalb habe ich eher im Alltagsbereich in der deutschen Ecke meines weitläufigen Kellers zugegriffen:

2016er Spätburgunder – Wintersheim – trocken – Qw, Lisa Bunn, Rheinhessen

Die Farbe ist ein dunkles Kirschrot mit leicht angebräunten Rändern. Riecht anfangs fast etwas plakativ beerig, das bessert sich aber mit Luft etwas, die Rotfrucht wandert dann mehr zur kirschig / rotpflaumigen Seite, ein kleiner Waldhimbeerrest bleibt aber; dahinter dezente Großholznoten mit altem, nassen Leder sowie jeweils einem Hauch von Zimt und Tabak. Am Gaumen dann auch dieser leicht süßliche, deutsche Spätburgunder-Extrakt, wie ich ihn nicht unbedingt bevorzuge, wird aber mit Luft langsam angenehmer; die Säure moderiert hier ganz gut, das Holz ist bzw. wirkt auch hier sehr dezent, die Mineralik ist ansonsten unauffällig. Der Abgang ist von ordentlicher Länge, auch hier die Frucht noch etwas zu deutsch für meine Begriffe, kann ich aber unbeschwert trinken.

Ich habe direkt nach dem Öffnen nur ein Glas davon geleert, ich hege die Hoffnung, daß sich mit etwas mehr Luft -wie schon mit anderen Bunn’schen Spätburgundern erlebt- das Ganze noch signifikant zu meinen Vorlieben hin entwickelt, am ersten Tag ploppt bei mir jedenfalls noch kein Nachkaufreflex auf.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

1. Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: keine wesentliche Veränderung, in der Nase taucht ein klein bißchen Waldboden auf, am Gaumen wird die Frucht etwas ernsthafter, arg weit von Wintersheim weg hat sich der Spätburgunder jedoch noch nicht bewegt, aber immerhin: die Richtung stimmt. Auch beim Abgang eine zaghaft positive Entwicklung.
Vielleicht ein Pünktchen mehr heute, aber zur Nachkaufriege fehlt’s noch deutlich.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

2. Nachtrag nach 48 Stunden mit Luft: fürs Näschen gibt’s nun deutlich mehr Waldboden und einiges an Tabak, die Frucht in Form von recht saftigen Kirschen und allenfalls einer sehr verschämten Waldhimbeere spielt hier nun die zweite Geige. Am Gaumen sind Frucht und Sekundäraromen in etwa ebenbürtig, der Wein verbreitet Kühle (aus der Frucht) und Wärme (aus Tabak und Wald) zugleich, die Säure ist ordentlich bemessen, könnte sich aber noch ein bißchen besser integrieren. Der Nachhall hallt ordentlich lang, auch hier hat kein Aromenbereich die Nase vorn, zum Finale hin ploppt noch ein lakritziges Bitterchen auf.

So gefällt mir das schon deutlich besser, allerdings sehe ich diesen Orts-Spätburgunder immer noch hinter dem eigentlich einfacheren (und billigeren) Löss-Pinot noir aus 2015 (ebenfalls nach zwei Tagen mit Luft), wobei das Jahr natürlich auch eine gewisse Rolle spielen dürfte. Über einen Nachkauf kann ich mittlerweile nachdenken, die nächste Flasche mache ich aber frühestens in 3 Jahren auf.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

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