Angefressen… – Relaunch

Schädlingsbefall ist in der Weinwelt ja ein ständiges Thema, kann übrigens auch im Keller passieren: ich habe dort eigentlich kein Problem damit, ganz selten taucht mal ein Silberfischchen auf. Schäden ergaben sich daraus noch nie, aber nun wies eine nach fünf Jahren wieder mal hervorgezogene Flasche einige Freßspuren am Etikett auf. Juxigerweise waren die 5 anderen Flaschen in dem Karton völlig unversehrt, also scheint dieses Etikett besonders gut geschmeckt zu haben. Ob die Weninger-Etiketten aus unterschiedlichen Papieren gefertigt sind? Aber nun zum Inhalt:

2012er Blaufränkisch – [Horitschoner] Kirchholz – Alte Reben – trocken – Mittelburgenland DAC, Weninger, Mittelburgenland

Farblich ein dunkles Rubinrot mit sowohl violettem als auch leicht bräunlichem Rand, riecht leicht staubig nach Schattenmorellen und Schwarzkirschen sowie dezent Großholz. Am Gaumen dann deutlich weniger Staub als angekündigt, die Frucht ist angereift, aber nicht mal im Ansatz kompottiert, die Tannine sind auf der herben Seite unterwegs, zwar einerseits recht geschmeidig und quasi adstringenzfrei, aber auch mit ein paar Kanten ausgestattet; dazu leicht zementig-bittere Steingrundlage, über allem eine prägnante, nicht vorlaute Säure, wieder sehr dezentes, fast gehauchtes Holz. Der Abgang ist dann -vor allem im Finale- wieder etwas staubbetonter, hier auch ein klein bißchen mehr Pelz, die sekundäre, leicht rauhe Frucht spielt die ganze Zeit engagiert mit.

Kommt ein bißchen chiantiartig daher, ohne seine BF-Eigenschaften dabei zu verstecken, sehr schöne Säurebalance, ernsthafte Frucht, distinguiertes Holz; hier ist nichts lautes, marktschreierisches dabei, dennoch mit ordentlich Druck ausgestattet und einfach wunderbar strukturiert.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 21 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 17. Januar 2015:

Das Weingut Weninger aus Horitschon ist in mehrerlei Hinsicht erwähnenswert. Zum einen erstreckt sich das Gut über zwei Länder, Weninger macht vor den Grenzen zu Ungarn nicht halt, sondern ein wesentlicher Teil der Weine stammt aus dem Nachbarland. Weiterhin wird die vorwiegend angebaute Rebsorte Blaufränkisch auf unterschiedlichen Lagen bzw. Böden angebaut und das Weingut versteht es meisterlich, die Charakteristika der Böden mit den darauf gewachsenen Weinen zum Ausdruck zu bringen.

Beginnen will ich mit dem

2012er Blaufränkisch – [Horitschoner] Kirchholz – Alte Reben – trocken – Mittelburgenland DAC, Weninger, Mittelburgenland

Beim Weingut habe ich erfahren, daß der Boden dieser Lage lehmig-tonhaltig ist. Auch wenn ich vor Ort schon deutliche Unterschiede im Geschmack von „Hochäcker“ bis „Dürrau“ festgestellt habe, stoße ich bei der verbalen Beschreibung dieser Unterschiede doch an meine Grenzen.

Jetzt hatte ich den Kirchholz mal in Ruhe im Glas und versuche es nochmal: Vor allem fällt mir hier auf, daß der BF keine Fruchtbombe in Nase und Mund ist, er hat (natürlich?) die typischen dunklen Früchte wie Heidel- und Brombeeren, schwarze, reife Kirschen. Waldfruchtmarmelade von Bonne Maman fällt mir dazu ein, nur daß der Wein ganz und gar nicht marmeladig ist. Vom Holz her noch ein bißchen Vanille. Nach einigen Minuten im Glas sind die Tannine gar nicht angriffslustig, sondern eher zahm, aber deutlich spürbar. Irgendwo eine kleine Schmutzigkeit im Geschmack, die ich aber nicht näher beschreiben kann, vielleicht ein bißchen nasser Blumentopf oder so etwas. Einerseits ein schöner und typischer Blaufränkisch, aber schon mit einer gewissen eigenen Note, möglicherweise ist es nur diese kleine Schmutzigkeit, die ihn so positiv heraushebt.

Ich würde gerne wissen, wie sich dieses Gewächs und auch mal ein anderer Jahrgang über die Zeit so präsentieren, daher

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3

2 comments on “Angefressen… – Relaunch

  1. Sehr schöne Beschreibung! Habe noch Kirchholz und Merlot jeweils aus 2014 im Keller – werde wohl noch ein wenig warten mit dem Trinken.

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    • …ich hab‘ gerade festgestellt, daß ich keinen einzigen 14er vom Weninger habe bzw. hatte. War ja auch im Burgenland ein eher kühlerer Jahrgang, da könnte sich das Warten durchaus als sinnvoll erweisen. Wäre vor allem bzgl. des BF Kirchholz interessant, wie sich der z.B. auch vom 15er unterscheidet.

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