…noch mehr Hühnerberg live… – Nachtrag

Gestern fand die eigentlich zu meinem „Hühnerbergpaket“ passende Live-Verkostung des Weinguts Martin Müllen statt. Zwei der Weine haben wir ja schon vorgestern probiert, für die „große Runde“ mit eigentlich 6 Weinen haben wir uns dann zwei weitere Flaschen aus der Kiste ausgesucht, haben also nur zu 1/3 mitgemacht:

1. Wein: 2010er Riesling – Trarbacher Hühnerberg – trocken – Kabinett – Pw, Martin Müllen, Mosel

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Farblich ein leuchtendes Goldgelb, in der Nase hochfrischer und dichter, gelber Zitruskorb mit Konzentrat aus Ugli und Zitrone sowie weißer Johannisbeere, deutliche Schiefergrundlage, mit Luft auch etwas Rosine und Dattel ohne Süße. Am Gaumen eine extreme Spannung zwischen der satten Säure (10,3 g/l) und dem deutlichen Extrakt, was letzteren sehr niederviskos macht und auf der anderen Seite die Gesichtsmuskulatur (zumindest bei mir) im entspannten Bereich beläßt, dazu eine recht mächtige, kühl-blaue Steingrundlage. Der Abgang ist ellenlang, dabei kühl-blau-zitrisch mit schöner Pari-Situation zwischen Frucht und Mineralik.

Im Livestream habe ich erfahren, daß hier ein deutlicher Anteil an Botrytis-Trauben enthalten ist, was für ein Mosel-Kabinettchen ja eher ungewöhnlich ist, aber den Umständen des Jahrgangs geschuldet war; darauf wäre ich selbst nie gekommen, wirkt aber schlüssig, denn so erklärt sich die immense Spannung in diesem Riesling. Wieder ein extrem schöner Vertreter des 10er Jahrgangs, der aber wohl auch gut polarisieren kann!

Meine Wertung am ersten Tag: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 23 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: in der Nase anfangs plus weißer Trüffel, später anschwellend Torf. Am Gaumen wirkt der Schiefer noch etwas kühler und dennoch auch erdiger, die Säure noch etwas kantiger, der Abgang hat sich leicht zur Mineralik hin verschoben.

Nur in (schönen) Nuancen anders auf nach wie vor sehr hohem Niveau!

Meine Wertung am zweiten Tag: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 23 von 25

Rev. 1: mit gleich gutem Erfolg nochmals hier probiert…

2. Wein: 2016er Riesling – Trarbacher Hühnerberg – trocken – Spätlese – Pw, Martin Müllen, Mosel

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Die Farbe ist ein mittleres Goldgelb, nasenmäßig kam bei mir wider besseren Wissens erst Scheurebe oder Sauvignon blanc an, da sich hier ordentlich Kräuter aus der Estragon- und Kerbel-Ecke zeigen, erst dann machen sich Limette und Zitrone bemerkbar, abgeschlagen dann auch ein bißchen Schiefer. Am Gaumen ist die Frucht deutlich präsenter, hier auch nicht ganz reife Mirabellen und Kaktusfeigen nebst Pomeranze und Pampelmuse incl. leichtem Bitterchen; sehr schöne, frisch-knackige Säure, charakterisierender Schiefer mittlerer Dichte, wieder spielen die grün-kantigen Kräuter in der höheren Liga. Der Nachhall hallt super lang und bietet aufgrund der quirligen Säure-Kräuter-Struktur ein sehr animierendes Frischeerlebnis.

Solch einen kräuterigen Riesling hatte ich schon lange nicht mehr im Glas, superfrischer, sehr eigenständiger Stoff für laue Frühlingsabende. Gefiel der besseren Hälfte noch etwas besser als das 10er Kabinettchen, bei mir als ausgewiesenem Säurefuzzy hatte es dieser Wein nach der Steilvorlage durch den Vorgängerwein allerdings schwer…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: mittlerweile fühle ich mich in allen Stadien an den Sauvignon blanc „Turmhof“ von Tiefenbrunner in Südtirol erinnert. Riesling? Kein Stück (mehr), vor allem wegen einem signifikanten Abbau auf der zitrischen Seite. Mir aber egal, ist trotzdem super, wenn auch mit kleinem Abschlag in diesem Stadium!

Meine Wertung am zweiten Tag: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 20 von 25

Fazit: die Weine des zweiten Tages waren nun schon deutlich mehr meine Kragenweite; aufgrund unserer Auswahl kam es quasi zum Kontrastprogramm „Warmjahr“ gegen „Kaltjahr“ und da war eigentlich schon von vornherein klar, was da in meinem Fall passiert. Die beiden übrigen Weine des großen Pakets -das sündhaft teure Spätlese*-Flaggschiff und die fruchtsüße Spätlese, beide aus 18- werde ich aber wohl noch ein bißchen liegen lassen. Die beiden Livestreams zur „kleinen“ und „großen“ Hühnerbergvertikale (und die zu den anderen Verkostungen auch) empfand ich übrigens als ausnehmend interessant. Vater und Sohn Müllen, die ja beide alles andere als Medienprofis wie die Vorbilder Hendrik Thoma bzw. Holger Klein / Christoph Raffelt sind, kommen sehr ruhig, fast schüchtern und unaufgeregt aus ihrem Zimmerchen ’rüber, aber was sie da so erzählen aus ihrer immensen Winzererfahrung ist dann schon recht spannend und lehrreich und vertieft das Verständnis für die Weinwerdung ungemein. Auch wenn ich nicht unbedingt alles teile, was da erzählt wird, z.B. über die Bedeutung der Prädikate, was im allerersten Livestream der Müllens thematisiert wurde. Aber das ist ein anderes Thema…

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