Fels im Glas

Heute paßte es mal ganz gut, einen Wein zu öffnen, von dem ich mir eine gewisse Dichte ohne die üblicherweise begleitende Völle erhofft habe, denn die Händlerbeschreibung dazu sagt:

Ein großer unaufgeregter Blaufränkisch aus einer alten Anlage mit Kalkunterboden. Christians Weine sind zwar aromatisch hochkonzentriert, aber nie fett und mastig. Die pfeffrig-würzige Frucht wird durch kein störendes Holzaroma oder anderes „Make up“ verunstaltet, sondern bleibt klar und pur in ihrem Ausdruck. Dieser Wein reifte 3 Jahre im Fuderfass gereift ohne Filtration und Schönung.

Mal sehen, in wie weit das zutrifft, aber generell habe ich mit Christians Tschidas Weinen ja schon ähnlich gute Erfahrungen gemacht.

2011er B[laufränkisch] – Felsen I – trocken – Landwein Weinland, Christian Tschida, Neusiedlersee

Die Farbe ist ein dunkleres, leicht schmutziges Granatrot mit kleiner Trübung, in der Nase fällt als erstes der viele Kalkstein sowie Talcum auf, welche die leicht angereifte, sekundäre, in keinster Weise kompottige Frucht aus Preiselbeere und etwas Schwarzkirsche sowie temporär schwarze Johannisbeere umwabern, dazu dezentes und doch prägnantes Holz in Form einer alten und seit Jahren leeren Zigarrenkiste, Häuche von Pfeifentabak und Torf, mit etwas mehr Temperatur auch Süßholz, zwischendurch auch mal eine leichte Klebernote. Am Gaumen tanninreicher als von der geschmeidigen Nase erwartet, dabei aber auch samtig trotz eines leichten Chinin-Bitterchens und im Ansatz adstringierend; die o.g. Frucht spielt nur eine stützende Rolle in der dritten Reihe, auch das Holz ist nicht dominant, führend ist eine ganze Latte an fluffiger Mineralik, bestehend aus Kalk, Tuff- und Speckstein, Magnesiumoxid kommt mir noch in den Sinn; dazu eine im besten Sinne „passende“ Säure, nicht keck, aber auch nicht verschämt. Der mehrminütige Abgang ist warm-mineralisch mit einigen ebenso warmen, aber nicht vordergründigen Holznoten aus der Tabak und Moderholz-Ecke, hier schweifen die Gedanken am weitesten in Richtung Burgund.

Tatsächlich könnte ein guter Blaufränkisch -wenn er im Burgund angebaut werden würde- so oder so ähnlich schmecken; vor allem beim Abgang kam mir dieser Gedanke. Ich hab‘ länger hin und her überlegt, was ich bei der Nachkaufwertung machen soll, denn mittlerweile kostet dieses Fläschchen in einem aktuellen Jahrgang leider auch schon über 50 Euronen, aber ich werd‘ mir sowas wohl doch mal durchaus gerne wieder zulegen; der Wein ist einfach wahnsinnig nah d’ran an dem, was ich mir unter einem perfekten Blaufränkisch vorstelle.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 24 von 25

 

2 comments on “Fels im Glas

    • Hallo Christoph,
      ist natürlich immer eine Geschmackssache, aber hinsichtlich meiner persönlichen Vorlieben bei der stilistischen Ausrichtung dieser Sorte ist da tatsächlich nicht mehr viel Luft nach oben! Ein Fläschchen hab‘ ich noch… 😉

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