Tränender Sangiovese – Relaunch

Heute war wieder Grillerei angesagt, aufgrund der Grillauflagen habe ich mir gedacht, daß da auch was rosanes gut passen könnte:

2017er Sangiovese – Tears of Anima – Vinho Rosé, Herdade do Portocarro, Setúbal

Die Farbe ist leuchtend zwiebelig, fürs Näschen gibt’s leicht herb und reduziert Rambutan und Cantaloupe-Melone, dazu Speckstein und Talcum. Auch am Gaumen ist die Frucht sehr sekundär, leichte elegante Extraktsüße mit herben, gerbstoffigen Begleitern, schön moderierende Säure. Der sehr lange Abgang lebt von der sekundären, gegerbten, dabei aber doch irgendwie frisch wirkenden Frucht, begleitet von einigen dezenten Bitterchen…

Hat sich den letzten knapp zwei Jahren recht schön zur ernsthaften Seite hin entwickelt; auch hier bewahrheitet sich, daß anspruchsvollere Rosés von einigen Jahren Reife sehr gut profitieren können.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 08. Juni 2018:

Gestern Abend dachte ich mir, daß als Terrassenwein bei noch etwas höheren Außentemperaturen was Rosanes ganz gut passen könnte:

2017er Sangiovese – Tears of Anima – Vinho Rosé, Herdade do Portocarro, Setúbal

Portugal ist ja eigentlich bekannt dafür, daß dort eine Unzahl toller autochtoner Rebsorten beheimatet sind, man hätte es also eigentlich gar nicht nötig, auf Import-Trauben auszuweichen, aber es gibt natürlich auch Weine aus „internationalen“ Rebsorten. Ob ausgerechnet die Sangiovese-Traube schon als solche zu bezeichnen ist, weiß ich nicht genau. Jedenfalls kann man auf der Heimseite des Gutes lesen, daß diese Sorte „mit größter Überzeugung“ nach Portugal gebracht wurde. „Anima“ ist der Name des reinsortigen roten Sangiovese des Weinguts, im Saignée-Verfahren entsteht bei dessen Weinwerdung aus dem Saftabzug auch der Rosé mit obiger Namensgebung.

Die Farbe ist ein heller Zwiebelton, riechkolbenmäßig gibt’s erstmal Exotik wie Rambutan, Cantaloupe-Melone und rote Pitahaya sowie leicht Kautschuk. Am Gaumen dann ein ganz anderes Bild: ein etwas belegt wirkender Granatapfel -mit ordentlich Soda und Specksteinmehl gepudert sowie mit ein bißchen Zitrone beträufelt- gibt den Fruchtton an, die Nasenexotik spielt hier nur ein bißchen mit. Im Laufe der Zeit kommt noch etwas Lakritz dazu. Der Rosé ist grundsätzlich recht cremig, ausreichend Säure hält das Ganze aber gut flüssig. Der Abgang zeigt dann eine Mischung aus Einmachgummi, den Nasenfrüchten sowie etwas Süßholz, welches recht lange präsent bleibt.

Dieser Rosé hat so einige Aromen, die grundsätzlich breiten- und dropsverdächtig sind, dazu eine deutliche Cremigkeit, ergo: müßte eigentlich schon anstrengend sein. Ist er aber irgendwie nicht, zumindest solange er relativ kalt ist; die etwas spezielle Mineralik entscheidet hier über top oder flop. Paßte recht gut zur Sommerabend-Brotzeit, ist als Solist aber (noch) nicht ganz so gut geeignet. Die zweite Flasche laß ich mal ein bißchen reifen…

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 17 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: Während ich den Bericht verfasse, gönne ich mir den Rest der gestern geöffneten Flasche. Wenn man dem Bukett gestern noch eine gewisse Dropsigkeit hätte zuschreiben können, funktioniert das heute nicht mehr, auch wenn die Frucht schon recht ausgeprägt ist. Am Gaumen ist die Säure nun ein bißchen agiler, was die Cremigkeit entsprechend einbremst; die Mineralik hat noch etwas mehr Gewicht. Beim Abgang hat sich der Einmachgummi etwas zugunsten der Exoten zurückgezogen; auch die Fähigkeit zum Solisten hat sich gesteigert. Insgesamt eine durchaus schöne Vorwärtsentwicklung, welche die Spannung steigert, wie sich die „Tränen“ wohl mit ein paar Jahren Lagerung präsentieren.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 18 von 25

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