Faßwein zum Lagerfeuer – Nachtrag

Nachdem der gestrige Trousseau leer war, kamen am Lagerfeuer Gelüste auf weiteren Weingenuß auf. Von dem, was ich für alle Fälle mal in die Kühlung gepackt habe, wurde dann noch folgendes Fläschchen geöffnet, das ich eigentlich mal zu einer Wein am Limit-Live-Verkostung im Paket gekauft habe, ich hatte dann allerdings zum Sendetermin keine Zeit, weshalb das Ganze erst mal im Keller verschwand:

2017er Weisser Burgunder – Fass 208 – Wein am Limit Edition – trocken – Qw, Von Winning, Pfalz

Farblich ein helleres Messing, in der Nase halb primäre, halb sekundäre Frucht in Form von Nektarine, Mirabelle, Reneclaude, dezente kräuterige Braunwürze und ein Hauch grüner Tabak, später auch grüne Walnuß in angenehmer Dosierung und in weiterer Folge zunehmend nasses Laub. Am Gaumen wirkt die Frucht leicht frisch-grün reduziert mit leichtem Nußmantel, ebenfalls von der etwas grüneren Sorte, gut ausbalancierte Säure, die den Wein aber grundsätzlich auf der eleganten Seite beläßt, von Cremigkeit kann man im Ansatz zwar sprechen, die grünlich-reduktiven Kanten geben aber den Ton an; mineralischerseits denke ich eher an Lehm und Ackerscholle denn an Steine. Der ziemlich lange Abgang stellt die grünlich-reduktiv gewürzte Frucht in den Vordergrund, sehr schönes Säurefinish.

Wenn in den diversen Foren über „angesagte“ weiße Burgunder berichtet wird, fallen in dem Zusammenhang häufig Namen wie Huber, Knewitz und Rebholz, wobei mir selbst die Weine z.B. des zweitgenannten Guts meist eher zu „bissig“ sind. Hier finde ich eine sehr schöne Ausgewogenheit zwischen grünen Kanten und reduktiver Eleganz, gefällt mir ausgesprochen gut, wobei ich mir die „3er Wertung“ erst nach gut 1 ½ Stunden aus den Rippen geschnitten habe! Wenn man den Vergleich mit Burgund machen möchte -auch wenn Weißburgunder dort zumindest in Reinform praktisch kaum vorkommt-, landen meine Gedanken stilistisch am ehesten noch im Mâconnais (z.B. Pouilly-Fuissé), eine Kopie dieser Stilistik ist es allerdings nicht…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

Nachtrag nach 48 Stunden mit Luft: der grünlich-reduktive Holzanteil hat sich in der Nase etwas verstärkt, die Frucht hat sich in die sekundäre Ecke verzogen, am Gaumen Aufrüstung an allen Fronten, ohne daß irgendwas zu viel wird, der Abgang hat ein recht vielschichtiges grünes Lakritzfinale zu bieten. Nochmal ein schöner Schritt nach vorne, ist mir ein Extrapünktchen wert!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 23 von 25

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