…nur die B-Seite…

Früher, als das Musikgeschäft weder Streaming noch CD’s kannte und noch wesentlich auf dem Verkauf von Tonträgern fußte, wurden neben den Alben der Künstler (in Vinylzeiten meist LP’s) die erhofften Hits jeweils auch als Singles emittiert, meist als 7″-Platten, die mit 45 Umdrehungen pro Minute abgespielt wurden. Damit wurden anfangs in erster Linie einerseits die DJ’s der Radiostationen beliefert und andererseits die Musikboxen gefüllt, es gab sie aber auch mehr und mehr für den „Endverbraucher“ zu kaufen. Auf Seite A war dann der Song gepreßt, um den es vorrangig ging, manchmal gab es auch der Namensgebung tatsächlich folgende Singles, die nur auf einer Seite eingepreßte Musik enthielten, manche enthielten den gleichen Track auch auf beiden Seiten, quasi als Reserve, wenn eine Seite vom vielen Abgespiele schon durchgenudelt war. Dann gab es auch solche Singles, auf derer beider Seiten aus der Sicht des Musikverlages gleichwertige Stücke gepreßt wurden, das waren dann die sogenannten „Double-A-Sides“, und die Rückseite hieß dann eben nicht „B“, sondern „AA“. Bei den allermeisten dieser Platten wurde aber „hinten“ ein nicht ganz so im Fokus stehendes Stück plaziert, die B-Seite (in Frankreich eben „Face B“) war also in der Regel zweite Wahl, manchmal waren es auch „verborgene Schätze“ oder „Underdogs“. Ob dies bei der Namensgebung unseres heutigen Weines in irgendeiner Weise relevant war, weiß ich leider nicht, aber die Assoziation hatte ich einfach beim Anblick des Etiketts.

2016er Savagnin – Face B – Côtes du Jura AOC, Les Bottes Rouges, Jura

Farblich ein leuchtendes Goldgelb, geruchlich erstmal was sahnekaramelliges ohne Süße, dann zunehmend Bitterorangenmarmelade und Lemon Curd. Geschmacklich dann einerseits die karamellige Seite, diametral gegenüber -jedoch in gutem Austausch- sowas wie saure Fruchtgummis ohne jede Dropsigkeit, die Säure wirkt irgendwie plastisch im Wortsinn, darunter ein Bicarbonatbett nebst weiteren Salzen. Der sehr lange Abgang betont vor allem die sehr eigene Mineralik-Fruchtgummimischung bei sehr animierender Säureunterstützung; im Finale setzt sich dann wieder die Bitterorange durch.

Sehr eigenständiger Savagnin mit hohem Wiedererkennungspotential bei fortgeschrittener Frische, verblüffend für mich vor allem die Tatsache, daß die verschiedenen Fruchtgummiaromen nicht die Spur plakativ wirken, die Salzfracht würde mich blind eher zu akuter Meeresnähe irreführen. Also eher ein verborgener Schatz denn zweite Wahl, jedenfalls großer Spaß!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

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