Frucht-Sylvaner – Relaunch

Heute gab’s bei uns katastrophenbedingt erst jetzt den ersten Spargel des Jahres und dazu mußte natürlich ein Silvaner d’ran glauben, auch wenn ich natürlich weiß, daß im Einzelfall auch andere Rebsorten dazu passen; zur Premiere wurde es allerdings -klar!- der Klassiker:

2015er Sylvaner – Randersacker Sonnenstuhl – Alte Reben – Konsequent – trocken – Spätlese – Pw, Trockene Schmitts, Franken

Farblich ein recht sattes Goldgelb, in der Nase sehr dichte Gelbfrucht mit Pfirsich, Aprikose, Physalis und Mango, leichte Kräuterbegleitung, ansatzweise Malz und Karamell. Am Gaumen wirkt die genannte Frucht einerseits deutlich konzentriert bzw. schon ankandiert, neben einer nicht übertriebenen, aber höchst effektiven Säure sorgt auch ein gelb-oranger Zitruskonzentratmix v.a. mit Kumquat und Pomeranze für deutliche Niederviskosität, die begleitenden Bitterchen sowie ein paar kernigere Kräuter sorgen für Belebung; den Muschelkalk kann man vor lauter Extrakt nur erahnen, er sorgt aber für eine ausgewogene Textur. Der sehr lange Abgang ist -dem opulenten Extrakt geschuldet- relativ kernig, strengt aber aufgrund der durch Säure und Agrumen ausgelösten Spannung in keinster Weise an.

Hier ist nun richtig viel Wein in der Flasche, der amtliche Extrakt wirkt jedoch in Verbindung mit den 0,7 g/l RZ kein bißchen breit und andererseits auch nicht substanzlos. Trockenstreßsymptome zeigt dieser Warmjahr-Sylvaner überhaupt nicht, da scheinen die Alten Reben mit wahrscheinlich entsprechend tief reichendem Wurzelwerk recht entspannt mit den Temperaturen bzw. den geringen Niederschlägen umgehen zu können. Gegenüber der letzten Verkostung vor immerhin drei Jahren hat sich der Wein ungemein nach vorne entwickelt, vor allem das Süße-Säure-Spiel ist nun nahezu perfekt, hat mittlerweile ohne weiteres GG-Qualitäten. Die Erfahrung, daß man den Weinen der Trockenen Schmitts einfach genug Zeit lassen muß, bestätigt sich auch hier; machte richtig viel Freude!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 05. Juni 2017:

Gestern gab’s schon wieder das weiße Stangengemüse, aufgrund der mehrheitlichen Vorlieben der Mittrinker gab’s dazu einen im Holzfaß gereiften

2015er Sylvaner – Randersacker Sonnenstuhl – Alte Reben – Konsequent – trocken – Spätlese – Pw, Trockene Schmitts, Franken

den ich eher auf der fruchtigen Seite vermutete.

Im Glas zeigt sich ein schönes Goldgelb, in der Nase dann gleich recht dicht fruchtig mit einigen Pfirsichen und Mangos. Am Gaumen herrschen ebenfalls die deutlich gelben Früchte vor, klar differenziert sind auch reife Birnen sowie leicht Mandarinen. Dazu gibt’s etwas Braunwürze, die Säure hat mit dem Restzucker (0,7 g/l) wenig Schwierigkeiten, der ernstzunehmendere Sparringspartner ist der recht amtliche Fruchtextrakt, es wird aber doch ein recht „leichtes“ Mundgefühl erreicht. Dann ein langer, fruchtig intensiver Abgang, hier zeigt sich noch am meisten Mineralik, die sich am Gaumen noch etwas schwer tat, um oben mitzuspielen.

Im Gegensatz zu dem bei unserer letzten Weinrunde verkosteten fränkischen Orts-Silvaner, der doch fast anstrengend war, kann man das diesem „konsequenten“ Rebsortenvertreter nicht vorwerfen, obwohl die fast opulente Frucht doch etwas in die Breite tendiert. Aber hier macht sich das fast völlige Fehlen von „freiem“ Zucker recht positiv bemerkbar, jedenfalls hat niemand beim Nachschenken gezögert…

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 18 von 25

2 comments on “Frucht-Sylvaner – Relaunch

  1. Ich habe vor vier Wochen den 2014er getrunken und mir dazu notiert: „Honig, Saftbirne, Quitte, würzig, Rosinen; im Mund kräftig (Birne, Thymian, Exotik) und geschmeidig, Säure hält dagegen. Im Abgang auch noch Salz. Toller, smaragdartiger Wein.“

    Jahrgangsbedingt kann ich mir gut vorstellen, dass der 2015er noch etwas extraktsüßer als der Vorgängerjahrgang ist und deshalb eher breit wirkt. Umso gespannter bin ich auf den aktuellsten Jahrgang – der „Konsequent“ steht jedenfalls auf meiner „Preisleistungsliste“ für Franken.

    „Konsequent“ ist soweit ich mich an den Besuch im Gutsausschank erinnere die Top-Linie des Hauses. Hast Du Erfahrungen mit der Basis? Vielleicht gibt es dort weitere Schnäppchen…

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    • Ich kann mir gut vorstellen, daß der 2014er ein bißchen „lebendiger“ daherkommt. Aber gerade in solch fetten Jahren wie 2015 kann man mit dem „konsequent“ trockenen Ausbau sicher gut punkten, jedenfalls wirkt der Wein nicht unangenehm „breit“, aber sicher breiter als in kühleren Jahren. Die Basisweine habe ich schon lange nicht mehr im Glas gehabt, zuletzt bestimmt vor über 10 Jahren. Damals waren die mir etwas zu kantig von der Säurestruktur her, denn in den unteren Ebenen gibt’s in der Regel deutlich weniger Extrakt als bei den Spätlesen und dann steht der Säure zuwenig gegenüber. Kann aber sein, daß sich da einiges getan hat, z.B. 2015 könnte aufgrund des oben gesagten auch in der Basis gut funktioniert haben.

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