Der frühe Burgunder fängt den… – Relaunch

Bereits vorgestern war mal wieder fränkische Frühburgunderzeit, mal sehen, ob sich der beim letzten mal schon großartige

2013er Frühburgunder – Randersacker Sonnenstuhl – Konsequent – trocken – Spätlese – Pw, Trockene Schmitts, Franken

noch ein Stück weiter nach vorne gearbeitet hat.

Im Glas ein schon etwas bräunliches Kirschrot, fürs Näschen gibt’s ganz leicht ankompottiert reife Kirschen und Pflaumen im großen Herbstwald mit ein paar Pfifferlingen. Am Gaumen quasi tanninfrei, aber mit einigen Gerbstoffen und einer Spur Teer versehen, dann die schon sehr fortgeschrittene, aber bei weitem nicht morbide Frucht, superschöne Säure, die sich aber nicht in den Vordergrund drängt, der steinige Untergrund ist etwas kantig, vermengt mit einer Melange der Gerüche, die man zwischen Kiesaufbereitung und Mischanlage bei der Asphaltherstellung vorfindet, ist aber keinesfalls dominierend, the forest rules! Auch der sehr lange Abgang ist eher waldig-pilzig, auch leicht tabakig, hier ist die Frucht am weitesten fortgeschritten.

Dieser Frühburgunder ist jetzt in einer sehr schönen Übergangsphase, in der die Frucht noch einiges beiträgt, der Wald aber schon die Pole übernommen hat, ein paar sehr schöne und gut integrierte Kanten sorgen für Spannung. Ist so gar nicht deutsch, aber auch nicht unbedingt burgundisch, jedenfalls wüßte ich nicht, wo ich ihn da aufgrund der eigenen Mineralik einordnen sollte. Aber man soll ja eh nicht so sehr in Schubladen denken…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 27. Januar 2018:

…oder so. Vor ziemlich genau einem Jahr hatten wir bei einer unserer Weinrunden mal den

2013er Frühburgunder – Randersacker Sonnenstuhl – Konsequent – trocken – Spätlese – Pw, Trockene Schmitts, Franken

im Glas. Damals hatte der Wein generell schöne Ansätze, war aber insgesamt nicht so richtig stimmig bzw. mitreißend. Dennoch habe ich mir in der Folge mal einige der „Konsequent“-Weine inclusive des FB’s besorgt. Heute nun war der Zeitpunkt gekommen, mal zu sehen, was aus dem Wein bisher geworden ist:

Die Farbe ist ein dunkleres Rubinrot mit mittlerer Transparenz, die Nase bekommt vom Fleck weg eine intensive, saftige Rotfruchtigkeit ab, Kirschen, Waldhimbeeren und rote Pflaumen sowie gleichfarbige Johannisbeeren spielen da teils zeitversetzt mit. Ganz dezent auch ein bißchen was karamelliges. Am Gaumen wirkt der FB trotz seiner gerade mal 0,1 g/l Restzucker „schmatzig“ extraktsüß, wobei die Säure für eine perfekte Balance sorgt und trotz des Gehalts keine Plakativität oder gar Breite aufkommt. Mit der Säure kommt ein bißchen Blutorange nebst Bitterchen mit, vom Holz kommen einige nicht zu aufdringliche, aber doch markante Würznoten mit. Tannine gibt’s übrigens fast gar keine bzw. nur in superweicher Konsistenz. Der Abgang ist anfangs noch etwas metallisch, aber mit etwas Luft zeigt sich hier schließlich eine metallfreie Paarung, bei der die Würze mit Nelke und Anis etwas Vorsprung vor der amtlichen Frucht hat.

Das zusätzliche Reifejahr hat dem Frühburgunder aus meiner Sicht extrem gut getan, der Wein ist nun rund, runder, am rundersten und wartet mit einer deutlich gesteigerten Fülle und Komplexität auf. Wie bei vielen anderen Weinen auch, lohnt es sich hier, wenn man ein bißchen warten kann…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

7 comments on “Der frühe Burgunder fängt den… – Relaunch

  1. Hi Erich,
    witzig, hatten heute beide einen fränkischen Frühburgunder im Glas 🙂 nicht die schlechteste Wahl, wie ich finde und Deiner Beschreibung nach gibt es durchaus Parallelen zu meinem FB von Luckert.
    Für mich ist Frühburgunder in Deutschland oft spannender als Spätburgunder (zumindest aus deutschen Klonen).
    VG Patrik

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    • Hallo Patrik,
      ich kenne nicht so wahnsinnig viele Frühburgunder, aber bis jetzt haben sich für mich alle guten FB’s vor allem durch eine besonders schöne Balance von Fruchtextrakt und Säure ausgezeichnet. Und wenn der Winzer dann auch noch beim Holzeinsatz nicht patzt, kann da was recht bemerkenswertes entstehen, das den Vergleich zum Spätburgunder nicht scheuen muß bzw. diesem oft sogar überlegen ist.
      Was Luckert angeht: ist nach allem, was man so hört und liest (gerade heute 😉 ) ja ein super Weingut, ich hatte aber bis jetzt nur einen 2015er Orts-Silvaner im Glas, der mich aufgrund seiner Breite und leichten Kaltvergärungsaromatik nicht wirklich vom Hocker gehauen hat. Irgendwann werde ich da aber auch mal eine kleine Testreihe bei den höheren Qualitäten starten, auch wenn die Eintrittskarte nicht so prickelnd war…
      Ich wünsche einen schönen Sonntag!
      Erich

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  2. Dass es sich lohnt, zu warten, kann ich nur unterstreichen und habe ich auch schon einmal bei einem Silvaner von den Trockenen Schmitts erlebt.

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    • Vor gut einem Jahr hatte ich mal den „2015er Silvaner & Traminer“ von den Trockenen Schmitts im Glas, also die gleiche Rebsortenmischung wie der gerade probierte Gemischte Satz von Rainer Sauer.
      Der „Konsequent“-Wein hat damals mit 24 Stunden Luft ungemein gewonnen, vielleicht kann er nun auch am Sauer-Satz kratzen…

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