Halsgrat mit saftiger Begleitung – Relaunch – Nachtrag

Gestern, nachdem der Essenswein schon alle war, bestand noch Bedarf hinsichtlich eines roten Absackers, woraufhin ich nach gut zwei Jahren Pause folgendes Fläschchen erneut hervorgeholt habe:

2012er Zweigelt – Setzen – trocken – Qw, Wagentristl, Leithaberg

Farblich ein ziemlich dunkles Rubinrot mit sehr geringer Transparenz. Riecht nach saftigen dunklen Waldbeeren und Schwarzkirschen sowie etwas Aronia, leicht staubig, jedoch von der wohligen Art, ein bißchen sonnengegerbtes, graues Fichtenholz. Schmeckt dann deutlich herber als angenommen, einige kernige Tannine sowie etwas mehr Staub sorgen mit der Apfelbeere und ein paar Pimentos für eine ordentliche Kante incl. langgezogener Adstringenz; die Säure sorgt für klare Kühle, ebenso das blaue Steinbett. Der lange Abgang ist geprägt von der leicht grünen Tanninstruktur mit den Pimentos und der Apfelbeere mit dem kühlen und leicht metallischen Mineralbett.

Nach der einladenden Nase sträubt sich der Wein zur Zeit regelrecht getrunken zu werden, anscheinend hat sich die Frucht nun soweit zurückgezogen, daß die verbliebenen Kanten recht garstig wirken; macht mir so gerade nur begrenzt Spaß. Blieb aber noch einiges übrig, mal sehen, ob sich mit Luft noch was tut…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: in der Nase wird Aronia durch etwas Pflaume ersetzt, wirkt jetzt leicht kompottig, die 14 Ampere kündigen sich an. Am Gaumen haben sich die Pimentos noch mit Hilfe von etwas Eisen und Magnesium nach vorne gearbeitet, der Extrakt ist zwar auch erstarkt, aber die Kantigkeit hat sich dennoch verstärkt. Der Wein ist quasi auf allen Fronten einfach deutlich mehr als gestern, wirkt nun recht grobklotzig auf mich. In der Wertung ändert sich insgesamt nichts…

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 21. April 2018:

Zum in Rotwein, Sojasauce und Honig eingelegten Halsgrat vom Grill gab’s dann gestern einen

2012er Zweigelt – Setzen – trocken – Qw, Wagentristl, Leithaberg

Die Farbe ist ein dunkles Granatrot mit eher wenig Transparenz. Das Bukett zeichnet sich durch intensive Beerenfrucht -Brom-, Preisel- und Heidelbeere- und was ganz dezent ledriges aus. Am Gaumen kommen noch schwarze Johannisbeeren und leicht Aronia dazu. Tannine gibt’s durchaus einige, diese sind einerseits recht herb, aber auch sehr angenehm, obwohl man sie nicht unbedingt sanft nennen kann. Eine schöne Säurestruktur sorgt für fortgeschrittenen Trinkfluß, die immerhin 14 PS sind diesbezüglich nicht hinderlich, einiges an Kreide rundet das Gesamtbild ab. Auch der Abgang ist saftig fruchtbetont, die zwar etwas verschämte, aber doch prägende Holzaromatik sorgt aber für eine schöne Ausgewogenheit.

Eigentlich bin ich ja kein besonderer Zweigelt-Fan, aber dieser saftige und aufgrund der Tanninstruktur durchaus auch etwas eigene Rebsortenvertreter paßte einfach wunderbar zum Grillgut.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

2 comments on “Halsgrat mit saftiger Begleitung – Relaunch – Nachtrag

  1. Manchmal gibt es tatsächlich überraschend gute – wenig aufdringliche, fast tänzelnde – Zweigelt. Diesbezüglich besonders überrascht hat mich zuletzt der Zweigelt Reserve von Bründlmayer (hat schon allein zur Rosesekt-Herstellung sehr umfangreiche Zweigelanlagen im Kamptal). Auch ein schöner, aber weit kräftigerer Vertreter ist der „Girmer“ von Kirnbauer. In letztere Richtung geht wohl auch der Wagentristl-Zweigelt.

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    • Ja, als „tänzelnd“ würde ich den „Setzen“ jetzt nicht bezeichnen, dazu hat er zuviel unter der Haube, aber er ist auch kein Macho. Die saftige und dabei vielschichtige Frucht in Verbindung mit der animierenden Säure machen’s dann aus.
      Vom Bründlmayer hatte ich noch nichts rotes im Glas, nur mal einen Zweigelt-Rosé. Der war auch nicht schlecht, aber nicht unbedingt ein Nachkauf-Wein für mich.

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