Lisa Bunn online – incl. Nachträgen

Letzten Donnerstag war das Weingut Lisa Bunn mit einer Online-Verkostung d’ran; eines unserer regelmäßigen Weinrunden-Mitglieder, welches auch quasi „umme Ecke“ wohnt, hat die Weinchen besorgt und wir haben diese dann im Rahmen eines „Nachbarschaftstreffens“ bei ihm verkostet. Allerdings nicht ganz in der vorgesehenen Art und Weise, das Line-up wurde eigenmächtig ein bißchen verändert.

Prolog:

…gab’s zwar eigentlich einen, es handelt sich aber auch um einen Bunn-Wein, den rechne ich jetzt mal zum Drama dazu…

Drama:

1. Wein: 2016er Riesling – [Dienheimer Tafelstein] – vom Kalkstein – trocken – Qw, Lisa Bunn, Rheinhessen

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Farblich ein helles Goldgelb mit leichtem Grünstich, riecht neckisch zitrisch-flintig, am Gaumen grün-gelbe Agrumen mit Zitrone und Limette, knackige Säure, leicht bemooster Tuffstein. Sehr langer Abgang mit Betonung der frischen Zitrik, im Finale dann der leicht blaue Flint dominierend, mit der Zitrone als Unterlage.

Sehr frischer, knackiger Riesling mit super Balance zwischen Agrumen und Flint, der Eindruck unserer ersten Begegnung vor ein paar Monaten hat sich voll bestätigt; fürs Geld bekommt man hier enorm viel Wein, der auch keinerlei Mainstream-Merkmale wie überbetonte Frucht, gebremste Säure etc. aufweist. Kostet übrigens gerade mal 6,50 Euronen ab Hof, noch mehr Wein um dieses Geld zu bekommen, ist aus meiner Sicht eine recht anspruchsvolle Aufgabe…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 20 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: vom Veranstalter hierzu die kurze Mitteilung „unverändert und jetzt leer“… 🙂

2. Wein: 2019er Riesling – Nierstein – vom Rotliegenden – trocken – Qw, Lisa Bunn, Rheinhessen

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Die Trauben hierfür stammen aus der Vorlese der Niersteiner Lagenweine, viel vom Orbel, etwas Oelberg, Hipping und Schloß Schwabsburg, Rz 1 g/l Säure 7,5 g/l.

Farblich ein helles Goldgelb plus leicht grünliche Reflexe, riecht noch ein bißchen „quietschig“ mit unreifer Mirabelle und etwas Limette sowie deutlicher Kräuterseite. Am Gaumen eher wenig Frucht, jedoch viel Zitrone & Co., wieder leicht kräuterig sowie ein paar parfümfreie florale Noten, recht satte Säure, deutliches Kalkbett. Ordentlich langer Abgang mit Säure- und Zitrusdominanz.

Recht frischer Riesling mit prägnanter Kräuter- / Blumenspur, der mir aber deutlich zu jung erscheint, jedenfalls zeigt der Wein aktuell nur wenig von dem Profil, welches wahrscheinlich in ihm steckt. Derzeit deswegen „nur“

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 18 von 25

Nachtrag (vom Spender) nach 4 Tagen mit Luft: „Ein klein wenig Rest-Frucht geht komplett in bitterlicher Säure unter –> Gesichtsentgleisung. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen – ich habe den Rest dann weggeschüttet. Enttäuschung pur.“ Schade eigentlich! Ich würde dem an sich vielversprechenden Wein wünschen, daß er im Erwachsenenalter -auch mit einiger Luft- deutlich souveräner dasteht.

3. Wein: 2019er Riesling – Wintersheim[er Fraugarten] – trocken – Qw, Lisa Bunn, Rheinhessen

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Hier ein helleres Zitronengelb, in der Nase leicht flintig, etwas Zitrus. Am Gaumen gelb-grün-zitrisch mit Limette und Pampelmuse, straffe aber nicht kantige Säure, leicht blaues Kiesbett. Der Abgang ist mittellang und präsentiert in erster Linie eine kühle Zitronenspur. War auch eher Babymord…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: der Flint ist weitgehend weg, mit der verhaltenen Frucht wirkt der Wein jetzt sehr karg, die Säure ist nun nochmal knackiger, die Mineralik wirkt stahlig-kühl. Das bestätigt meinen Eindruck, daß der Wein mindestens zwei Jahre zu jung ist, immerhin: die Säurestruktur paßt sehr schön, mal sehen, was sonst noch d’raus wird.

4. Wein: 2018er Pinot noir – trocken – Qw, Lisa Bunn, Rheinhessen

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Ein dunkles Kirschrot mit höherer Transparenz im Glas, riecht nach Kirsche plus Waldhimbeere, etwas Vanille, die mit Luft zum (kleinen) Wald mutiert. Am Gaumen dann erstmal deutlich deutscher und beeriger mit Erd- und Himbeere, zwar eher aus dem Wald, aber eben aus einem deutschen; dazu Vanille und Nelke, später auch etwas Laub. Der recht lange Abgang ebenfalls sehr sicher als deutsch verortbar.

Ich bin ja nicht unbedingt ein Freund dieser beerenextraktbetonten Spätburgunderstilistik, diesen kann ich aber noch ganz gut trinken, wobei die Freude daran mit Luft zunimmt, nachkaufen würde ich ihn aufgrund des jetzigen Eindrucks aber eher nicht. Allerdings hab‘ ich auch schon erlebt, daß sich Bunn’sche Spätburgunder mit ein bis zwei Tagen Luft sehr deutlich nach vorne bewegen können.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: der Weinspender hat mir Folgendes geschrieben: „heute etwas seriöser, die Rotfrucht-Melange deutlich reduziert, dafür etwas Ätherik und Tannenholz“. Also eine Entwicklung, wie ich sie auch vermutet bzw. erhofft habe…

Epilog:

Nach der Bunn-Riege dann erstmal was ganz Anderes:

Wein A: 2016er Merlot – vom Lehm – trocken – Landwein Weinland, Weninger, Mittelburgenland

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Purpurrot im Glas mit geringer Transparenz, in der Nase saftig rote Pflaume, schwarze Johannisbeere und etwas Kirsche ohne Opulenzcharakter, ganz leicht gegerbtes Fichtenholz. Am Gaumen ist die Frucht ebenfalls intensiv, aber kein bißchen primär, wirkt eher ein bißchen karg (im positiven Sinne) trotz der ordentlichen und rebsortentypischen Fruchtdichte, leichte Tanninstruktur, sehr deutliche Säure, nur angedeutet etwas Großholz, basische Steinunterlage. Der Abgang ist von schöner Länge und besticht vor allem durch seine beschwingte Art, trotzdem auch hier eine ganze Menge Frucht den Weg nach unten finden muß.

„Frischester Merlot ever“ war mein erster Gedanke, so keck und frisch habe ich diese Sorte noch nicht erlebt. Und das für gerade mal 10,50 Euronen…

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

Nachtrag nach 4 Tagen mit Luft (auch vom Gastgeber): „Nase sehr schön ausgewogen zwischen Rotfrucht und ernsthaften Aromen wie (Wild-)leder und Tabak. Am Gaumen weiterhin wunderbar saftig, klare (Sauer-)Kirschfrucht, knackige frische Säure, schöne Länge, m.E. ideal zum Grillen. PLV-Kracher!“ Das freut mich einerseits und wundert mich andererseits überhaupt nicht. Der Weninger Franz ist m.E. einfach eine der besten Adressen im Mittelburgenland quer durch alle Qualitätsstufen und bietet mit schöner Regelmäßigkeit Weine an, bei denen man vor allem an der Basis den Verkaufspreis eigentlich kaum glauben kann.

Aufgrund der Tatsache, daß der „Sauvignon blanc – Fumé“ des Bunn-Pakets gerade erst gefüllt wurde und das Weingut selbst dazu anmerkte, daß der Wein erst in 6 bis 12 Monaten „da“ sein wird, hat es unser Gastgeber vorgezogen, diese Flasche nicht aufzumachen, sondern statt dessen die obigen zusätzlichen Lisa Bunn-Weine (1 und 4) ins Rennen zu nehmen und als „Fumé-Ersatz“ einen entsprechenden Wein von Markus Schneider aufzumachen. Von diesem Winzer hatte ich noch nie was im Glas, über seine Weine bzw. auch deren Vermarktung wurde vielerorts schon recht kontrovers diskutiert; jetzt kann ich mir zumindest mal ein kleines Bild machen…

Wein B: 2017er Sauvignon blanc – Fumé – Kaitui – trocken – Qw, Markus Schneider, Pfalz

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Die Farbe ist ein leuchtendes Goldgelb, in der Nase leicht grüne Walnuß, etwas Essigbaum, einige Kräuter auf der brauneren Seite. Am Gaumen ebenfalls sehr prägendes, aber auch distinguiertes Holz, stark reduzierte und doch dichte Frucht aus der Reneclauden-Ecke, deutliche Säure, steinseitig was aus der kühleren Magnesium-Kategorie. Der sehr lange Abgang ist ebenfalls geprägt von dem gekonnt grünlich-reduktiven Holz.

Ein einerseits recht ernsthafter SB, der zwar in Richtung Loire schaut, aber die Feinheit, Eleganz, Subtilität dieser Weine nicht erreicht, vielleicht auch gar nicht erreichen will. Für sich gesehen aber ein durchaus „schmackiger“ und doch nicht lauter, dabei sehr charaktervoller Sauvignon blanc, im besten Sinne „gesellschaftsfähig“. Könnte mit ein paar Jahren Reife wohl noch recht deutlich zulegen…

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 21 von 25

Fazit:

Das war für mich eine durchaus erkenntnisreiche Runde, vor allem was den Einstieg in den 19er Jahrgang angeht, auch wenn die beiden Probanden noch viel zu „grün hinter den Ohren“ waren. Macht vor allem hinsichtlich der Säurestruktur der Weine Hoffnung, großartige Trockenstreßsymptome wie bei vielen 18ern sind anscheinend deutlich weniger vorhanden. Bestätigt wurde sehr schön, daß die Bunn’schen Weine -auch wenn sie aus der untersten Schublade stammen- sich sehr schön entwickeln können und daß die Spätburgunder in der Regel mit Sauerstoff erst richtig aufblühen. Der Weninger-Merlot festigt meine hohe Meinung bezüglich dieses Weinguts und bezüglich des SB’s von Markus Schneider fällt mir auch nichts ein, was ich da ernsthaft bemeckern könnte.

Ein sehr schöner Abend, vielen Dank nochmals an unsere Gastgeber für Weine, Essen und überhaupt!

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