Opus in zwei Anläufen – Nachtrag 2

Der Begriff „Opus“ wird in der Regel ja eher im musikalischen Bereich genutzt, aber in anderen Bereichen taucht er auch gerne mal auf und beim Wein denken die meisten Insider wahrscheinlich zuerst an den „Opus One“ aus dem Napa Valley, der als einer der führenden Kalifornier gilt. Bei dem kann ich allerdings nicht mitreden, zum einen hab‘ ich’s in der Regel nicht so mit den US-Weinen, zum anderen ist er mir auch schlicht zu teuer und die Tatsache, daß er einem äußerst guten Bordeaux ebenbürtig sein soll, ist auch nicht hilfreich, ihn mir schmackhaft zu machen. Dieses weiße Opus, dessen Trauben von den französischen Parzellen des Weinguts stammen, ist allerdings -genauso wie sein Sauvignon blanc-Pendant– auch nicht ganz billig, ich mußte aber die knapp 50 Euronen Originalpreis nicht selbst zahlen; mal sehen, ob und welchen Preis es tatsächlich wert ist:

2016er Weissburgunder – Opus-Oskar – trocken – Qw, Jülg, Pfalz

Leider gleich recht deutlich Kork in der Nase und am Gaumen; mit dem Frischhaltefolientrick habe ich das allermeiste an muffiger Aromatik zwar wegbekommen, hat mir aber zum Essen dann doch nicht besonders gefallen, also wanderte die Flasche erstmal zurück in den Kühlschrank. 24 Stunden später dann folgendes Bild:

Farblich ein leuchtendes Goldgelb, in der Nase leicht anreduzierte, etwas nussige Frucht (Nektarine, Mirabelle) plus saures Karamell. Am Gaumen kommt die Frucht nochmals deutlich reduzierter und grüner bzw. walnußiger daher, holzseitig fällt mir Essigbaum ein; die Säure ist kernig-frisch, die Steingrundlage ist herb-kühl, ein Hauch an Restmuff schwingt mit. Der Abgang schlägt in die gleiche Kerbe und zieht ein Bitterchen in Form eines durchgebrannten Leistungsschalters mit.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 14 von 25

Nach weiteren zwei Tagen hat sich der Muff komplett verdünnisiert und der kaputte Leistungsschalter ist auch durch einen neuen -geruchslosen- ersetzt worden. Allerdings wirkt der „Opus-Oskar“ speziell am Gaumen doch irgendwie ein bißchen „löchrig“, so als ob einige Aromen gelöscht und die Lücken nicht aufgefüllt wurden. Dabei ist die reduzierte und doch dichte Gelbfrucht an sich durchaus schön, die Säure ist sehr gut proportioniert, das leicht grünlich-reduktive Holz zeigt sich auch von einer gekonnten Seite. Der entfernte Korkschmecker hat meines Erachtens doch nachhaltig einige Spuren hinterlassen, das Potential des Weines ist aber insbesondere beim Bukett durchaus erkennbar. Ist mittlerweile auch ganz gut zu trinken, allerdings ist er in dem Zustand den Preis bei Weitem nicht wert, das geht auch für weit weniger als die Hälfte.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

Ich habe gleich nach dem Korkschock das Weingut angeschrieben, ob man mir die Flasche denn ersetzen möge, was dann unkompliziert und freundlich geschah (vielen Dank dafür!); und so haben wir etwa 4 Wochen später einen zweiten Versuch mit dieser Flasche gewagt, deren Kork zwar unter der Kapsel reichlich verschimmelt war, weinseitig war aber zum Glück alles in Ordnung:

Die Farbe ist ein helleres, leuchtendes Goldgelb, in der Nase vom Fleck weg einiges an würziger Frucht aus der Pfirsich- / Mirabellenecke, leicht grüne, reduktive Holznoten aus der Walnuß- / Essigbaumecke plus „ganz normales“ Karamell. Am Gaumen zeigt sich die Frucht ebenfalls in recht potenter Form, ist hier prägnant -aber nicht vorlaut- von Holzaromen wie Nelke, etwas Tabak (braun und grün) und einem Hauch Lakritz begleitet; dazu eine sehr schön moderierende Säure, leicht kalkig-erdiger Untergrund. Der sehr lange Abgang zeigt eine schöne Balance zwischen Frucht und Holz (-würze), die Säure hält das Ganze gut auf der niederviskosen Seite.

Das ist nun schon „ein ganz anderer Schnack“! Ich fände es zwar noch schöner, wenn die vom Bukett angekündigte, leicht grünliche Holznote konsequent am Gaumen weiter entwickelt würde, der tatsächlich am Gaumen vorhandene Mix von etwa ¾ braun und ¼ grün hat aber durchaus auch seine Reize. Super gemachter Weißburgunder, für den ich gerne auch 30 bis 35 Euronen investieren würde (ungefähr da liegt so eine imaginäre Schallgrenze bei mir, die ich eher selten überschreite), aber knapp 50 derer? Da müßte dann schon noch der ein oder andere Extra-Kick dabei sein, so geht die Motivation zum Nachkauf bei mir schon recht stark in den Keller…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 20 von 25

1. Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: in der Nase jetzt erheblich rauchiger, auch etwas Kakaobutter, die Frucht hat deutlich nachgelassen. Am Gaumen eine ähnliche Entwicklung, das Holz ist jetzt insgesamt etwas grüner, auch hier mehr Kakao und Kakaobutter.

2. Nachtrag nach 48 Stunden mit Luft: der Bukettrauch hat wieder etwas abgenommen und ist um einiges weißer, dafür gibt’s nun weißen Flint, der aber jegliche Frucht beiseite schiebt. Schmeckt nunmehr bezüglich der Holzstruktur noch etwas grüner, dürfte sich nun bei halbe / halbe grün zu braun eingependelt haben; die reife und dabei nun eher helle Frucht zuckt auch noch gut. So langsam nähert sich die Holz-Stilistik einem der besseren Pouilly-Fuissés an, immer noch ein super Wein ohne jegliche Schwäche, nachkaufmäßig zuckt’s angesichts des oben erwähnten Preises aber immer noch nicht.

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