Wo kommt das Zeuch her? – Nachtrag 2

Gestern haben wir uns noch eine der Beuteflaschen unserer letzten Frankreich-Tour gegönnt. Von einem der Parade-Naturweingüter des Jura hab‘ ich uns aus dem für mich kaum durchschaubaren Dickicht an unterschiedlichsten Kreationen des Guts auch folgendes, schon auf den ersten Blick ungewöhnliches Fläschchen einfangen können:

(2017er) [Cuvée] – Le Sa vient d’ou? – Vin de France, Ganevat, France

Dies ist eine Cuvée aus Savagnin Château Chalon, Savagnin, Viognier, Picpoul, Clairette, Grenache, und Riesling aus heimischen (sprich Juraner) und auswärtigen Weingärten, mehrere Jahrgänge wurden verwendet, teils Fässer, teils Bottiche, Spontanvergärung, teils reduktiver, teils oxidativer Ausbau, manches unter Segeln und Florhefe, andere Partien auf der Feinhefe, keine Schönung, keine Filterung, kein Schwefelzusatz. Also irgendwie so ganz anders als wie man’s normalerweise so gewohnt ist. Aus dem Titel des Weins läßt sich aus meiner Sicht ableiten, daß hier der Herkunftsgedanke mal komplett auf den Kopf gestellt werden sollte…

Im Glas ein leicht trübes Gelborange bis Apricot, riecht deutlich mostig nach entsprechenden Äpfeln, Aprikosen und leicht Mandarine mit reduktiven und oxidativen Noten, dazu Früchte- und Roiboos-Tee. Am Gaumen gesellt sich dann deutlich, aber nicht vorlaut der Savagnin dazu und steuert seine Würze in Form von Nelke, Anis und Lakritze sowie ein paar Honignoten ohne Süße bei, dagegen arbeitet eine super austarierte Säure mit leichter Grapefruitbegleitung; die Frucht ist hier ansonsten etwas verschämt, leistet aber dennoch mit ihrem auch nicht geringen Extrakt einen schönen Beitrag zum Gesamtbild; unter dem Ganzen vermute ich ein recht mächtiges Kalkbett. Der Nachhall hallt über mehrere Minuten, wobei die einerseits reduzierte, aber doch recht potente Savagnin-Würze die Pole übernimmt; Säure, Mostfrucht, die diversen Tees und der Kalk dürfen aber auch in tragenden Rollen mitspielen.

Wieder ein wunderbarer Ganevat-Naturinger, der es vor allem meisterlich versteht, das berüchtigte „Naturloch“ am Gaumen zu vermeiden; viele dieser Weine halten nämlich das nasale Versprechen nicht ein. Ob das in diesem Fall primär an der Kombination von reduktivem und oxidativem Ausbau liegt, vermag ich nicht definitiv zu sagen, aber einen Gutteil wird’s schon ausmachen. Die bessere Hälfte meinte noch, daß Sie sich so den „Urwein“ vorstellt. Ich find’s einfach spannend und lecker (sic!), fordernd im positiven Sinne, dabei recht eigenständig und -ganz wichtig vor allem bei Naturzeugs- in keinster Weise anstrengend.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 23 von 25

1. Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: jetzt auch deutlich rauchig in der Nase, dazu Beifuß und japanischer Heiltee sowie Mate-Tee. Am Gaumen deutlich etherischer als gestern, ein Zuwachs an herben Agrumen. Auch der Abgang macht nach wie vor viel Freude.

2. Nachtrag nach 48 Stunden mit Luft: in der Nase nun etwas filigraner, aber auch enorm viel salziger, so stelle ich mir das Tote Meer vor. Schmeckt dann auch salzig-rauchig, dazu gibt’s neben einigen teeigen Noten auch Lakritz und Tabak sowie matschige Andenbeeren bzw. Kakis. Der Abgang wirkt vor lauter Salz fast dehydrierend, etwas weißer Pfeffer sorgt für Spannung.

Schade, daß die Flasche nun leer ist, das ist echt „heißer Scheiß“, der nach den drei Tagen noch lange nicht am Ende ist…

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