200 % neues Holz – Relaunch 2

Heute gab’s die letzte Flasche eines recht besonderen Spätburgunders, bei dem ich -wenn ich ihn denn nicht schon erfolgreich probiert hätte- sehr skeptisch wäre. Denn die begleitenden Umstände wie 14 Umdrehungen und 200 % Barriqueausbau (wie das geht? Ganz einfach: in eine neues Barrique ’rein und nach einiger Zeit in ein wiederum neues Barrique umfüllen) wirken auf mich -der ich normalerweise eher auf zurückhaltendes Holz stehe- recht abschreckend. Aber bei einer unserer Blindtasting-Runden vor gut vier Jahren war dieser Wein dann überraschenderweise der Star des Abends. Eineinhalb Jahre später tauchte eine weitere Flasche wieder bei einer unserer Weinrunden auf, wieder großer Spaß! Der Spender verkündete daraufhin, daß der Wein tatsächlich noch ab Weingut verfügbar ist. Allerdings mit anderem Etikett, denn ursprünglich gab es den Wein nur über die Weinentdeckungsgesellschaft zu kaufen und sah so aus:

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Jetzt also noch einer mit einem typischen Johner-Etikett (und gleicher AP-Nummer), der im Nachgang ab Hof geordert wurde:

2009er Pinot noir – Bischoffinger Steinbuck – Cru de Bois – trocken – Qw, Johner, Baden

Farblich ein dunkleres Rubinrot, nur marginale braune Ränder, mittlere Transparenz. Für den Riechkolben gibt’s wie erwartet in erster Linie Holz, welches sehr warm und vielschichtig daher kommt: Nelke, Tabak und Schnupftabak, Kakao, neues und altes Leder, Holzteer, Zeder, Almhütte, Möbeltischlerei fallen mir über gut 10 Minuten Beobachtung u.A. ein, manche Aromen bleiben ständig präsent, andere kommen und gehen; dahinter gibt’s noch etwas Pflaume in leicht ankompottierter bzw. gedörrter Form. Am Gaumen wiederholt sich das Spiel der wechselnden Aromen, wirkt dabei sehr warm, aber nicht brandig, obwohl man den Alkohol schon wahrnimmt; die Säure hält das Ganze recht gut auf der unangestrengten Seite, steinigerseits assoziiere ich hier am ehesten ein Gemisch aus Eisen(III)chlorid und etwas Ackerscholle. Der sehr lange und ebenfalls warme Abgang ist wiederum ziemlich holzlastig, stört mich hier aber aufgrund dessen Komplexität nicht.

Ich hatte nach der letzten Verkostung vor gut zweieinhalb Jahren gedacht, daß sich die Holzseite nochmals weiter in den Vordergrund schiebt, war jedoch nicht der Fall. Und üblicherweise kann ich mit solchen holzdominanten Sachen nix anfangen, hier geht’s problemlos, wohl weil die Aromatik so vielschichtig ist, jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, jemals so viel über den Faßeinfluß nachgedacht zu haben. Daß ich diesmal ein Pünktchen weniger gebe als beim letzten mal, kann entweder mit der Tagesform zu tun haben oder mit der Tatsache, daß am Gaumen und beim Abgang ein kleiner Teerfetzen einen Tick zu frech für meinen Geschmack ist…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

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