Erste Erste Lage – Relaunch

Heute gab’s einen Juliusspitäler aus besseren Jahren, denn: leider entfernen sich die Weine des Guts seit ca. 2017 kontinuierlich von meinen geschmacklichen Vorlieben, so jedenfalls meine bisherige und praktisch durchgängige Wahrnehmung über alle verkosteten Qualitäten, nur Große Lagen waren nicht dabei. Selbst das 15er Warmjahr habe ich „aus der guten, alten Zeit“ in recht positiver Erinnerung, also mal sehen, wie sich folgende Keuper-EL nach nunmehr längerer Ruhephase so präsentiert:

2015er Silvaner – Rödelseer Küchenmeister – trocken – Erste Lage, Juliusspital, Franken

Farblich ein leuchtendes Goldgelb, fürs Näschen gibt’s vom Fleck weg schöne Silvaner-Reifenoten in Form von süßlich anmutendem Tabak und etwas Torf, dahinter dann recht reife Aprikosen und Pfirsiche. Am Gaumen kommen die Früchte deutlich mehr zur Geltung, hier auch etwas matschige Kaki, die Säure kommt damit sehr gut zurecht und vermeidet adipöse Eindrücke recht gut, Tabak und Torf geben sich etwas herb und mit ganz leichtem Bitterchen, ein Hauch weißer Pfeffer noch, ein paar Kräuterchen findet man auch noch, wenn man sich d’rauf konzentriert. Der schön lang hallende Nachhall präsentiert wieder die jahrgangsgemäß etwas dickere Frucht- / Würzemischung, die jedoch belastungsfrei ’runter geht.

So mag ich die Julius-Weine schon eher, auch wenn’s hier doch ein bißchen „warmjahriger“ zugeht; eignet sich deshalb aus meiner Sicht nicht ganz so gut als Solist (was bei uns eh nicht so häufig vorkommt), aber zu Rahmschwammerl mit Spätzle paßt’s ganz wunderbar.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 31. März 2016:

Ich weiß gar nicht, ob ich schon mal so früh eine „Erste Lage“ des aktuellen Jahrgangs im Glas hatte. Da der 2015er Jahrgang aber von allen möglichen Seiten unheimlich gehypt wird, es aber auch mahnende Stimmen gibt, die vor brandigen Weinen mit wenig Säure berichten, konnte ich jetzt nicht widerstehen, als ich die 2015er Ersten Lagen des Juliusspitals bei einem meiner Dealer erblickt habe. Also habe ich jetzt mal einen Selbstversuch mit einem

2015er Silvaner – Rödelseer Küchenmeister – trocken – Erste Lage, Juliusspital, Franken

gemacht. Gegenüber dem 2014er fällt als erstes auf, daß er mit 14 Volt schon ordentlich Spannung im Glas hat, allerdings beträgt das Plus auch nur 0,5 Punkte und hält sich damit aus meiner Sicht eigentlich noch im Rahmen, wenn man sich die Jahrgangsunterschiede vor Augen führt. Schaug’n mer mal:

Im Glas eine strohgelbe Farbe, geruchlich von Beginn an recht intensiv fruchtig, anfangs mehr auf der Apfelseite, später schwenkt das Ganze in Richtung Pfirsich und Mirabelle. Dazu eine kühl-frische Mineralik. Am Gaumen ebenfalls Apfel, Pfirsich und Mirabelle, auch Exotik in Form von Papaya und saurer Mango, weiters Limette und etwas Pampelmuse mit leichter Bitternote, die sich aber mit der Zeit ganz verzieht. Eine ganz leichte Braunwürze bzw. Anklänge an Datteln im Hintergrund. Die Säure kommt noch mit ein paar Perlen, was den Eindruck der Frische noch etwas verstärkt, sie wirkt dadurch aber auch noch etwas ungestüm. Die oben erwähnten 14 PS sind erstaunlich gut verpackt, brandig ist hier nach meinem Geschmack nichts. Und die Säure läßt auch nichts zu wünschen übrig. Der Nachhall ist frisch-fruchtig mit einer leicht herben Note und untermauert nochmals die Jugendlichkeit dieses Weins.

Im Vergleich zum oben verlinkten 2014er ist dieses Exemplar nochmal intensiver im Bouquet und Geschmack, dabei aber nicht unbedingt schwerer, da die ausgeprägte Säure kraftvoll dagegenhält. Der etwas erhöhte Alloholgehalt macht sich auch nicht negativ bemerkbar. Das Einzige, was man an dem Silvaner herummäkeln könnte, ist, daß er offenbar doch noch ein gutes Stück weg von seinem Höhepunkt ist. Vielleicht mache ich in 3 bis 4 Jahren oder so mal einen direkten Jahrgangsvergleich der dann etwas gereiften Fläschchen. Also: dranbleiben!

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3

Nachtrag nach 7 Tagen mit Luft: Unglaublich, aber wahr: nach der Rückkehr aus dem Kurzurläubchen in Südtirol habe ich festgestellt, daß ich den Rest der Flasche im Kühlschrank vergessen hatte. Die Nase ist immer noch recht fruchtig, jetzt sind aber auch ein paar Mandarinenzesten im Spiel. Auch am Gaumen haben sich die Zitrusfrüchte weiterentwickelt, Blutorange und die oben erwähnten Zesten hier. Die Säure fast ein bißchen dominanter als vor einer Woche. Der Abgang nach wie vor lang und auch etwas mehr auf der Zitrusseite, aber immer noch viel Fruchtsüße befördernd.

Es sind keine ganz großen, aber doch schönen Entwicklungen, die der Silvaner in der Woche gemacht hat. Abgebaut hat er jedenfalls nicht. Und es spricht absolut für ihn, daß er nach so langer Zeit mit Luft meilenweit davon entfernt ist, ein Kandidat für den Ausguß zu sein!

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