…nicht auf’s Etikett schauen… – Relaunch

Gestern wurde bei uns eine kleine Grillerei veranstaltet, bei der es natürlich auch was alloholisches gab. Den Anfang machte der

2015er Silvaner – brut – Deutscher Sekt b.A., Wirsching, Franken

welcher jedoch aus einer anderen Quelle als die erste Flasche stammt und ein gänzlich anderes -deutlich weniger abschreckendes- Etikett verpaßt bekam, die AP-Nummer (5011 002 18) ist jedenfalls exakt die gleiche…

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Die Farbe ist ein leuchtendes Goldgelb, etwas gröbere Perlage mit Ausdauer. Recht nach Williamsbirne und Mirabelle sowie etwas Pampelmuse. Schmeckt sehr frisch nach der gleichen Frucht mit hier etwas höherer Zitrusbetonung, die Säure hat mit dem Extrakt zwar ein bißchen zu kämpfen, der recht nachhaltige Blubber sorgt aber für die nötige Animation, untend’runter ein sehr dezentes Hefe-Kalk-Bett. Der recht lange Abgang ist dann etwas birniger und trotz des deutlichen Extrakts noch gut animierend.

So „explosiv“ wie die erste Flasche war diese hier nicht, hat sich in der Zeit seit dem Erstkontakt leicht nach vorne bewegt, an der Bepunktelung ändert sich von meiner Seite jedoch nichts; wenn ich halbe Pünktchen geben würde, hätte ich vielleicht noch ein solches oben d’rauf gelegt…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 18 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 14. Mai 2019:

…darf man bei diesem Schäumer aus Iphofen! Das Weingut ist nicht gerade bekannt für progressiv gestaltete Etiketten, gerade mal die der weniger traditionell vinifizierten „Sister Act“-Weine kommen etwas moderner daher. Die normalerweise auf den Bocksbeuteln verwendeten grünen oder weißgründigen Etiketten sind zwar auch sehr traditionell-altbacken gehalten, die stören mich aber nicht weiter. Dagegen empfinde dieses Label schon als abschreckend und wenn das Weingut nicht generell einen ganz guten Namen bei mir hätte, wäre dieser Silvaner-Sekt kaum in meinen Keller gelangt:

2015er Silvaner – brut – Deutscher Sekt b.A., Wirsching, Franken

Versektet wurde das Ganze übrigens nicht von Wirsching selbst, sondern in Würzburg (Höfer? Oppmann? Gibt’s da noch mehr Möglichkeiten?). Es ist schon recht lange her, daß mir ein Schäumer beim Öffnen „abgehauen“ ist, dieser hier hatte jedenfalls ordentlich Druck auf dem Kessel, so daß ich den Korken kaum halten konnte. Danach kam für mehrere Minuten Schaum aus der Flasche, es dauerte also entsprechend, bis ich mit dem Einschenken begonnen habe.

Im Glas dann goldgelb, etwas dickere Bläschen, durchaus beständig, obwohl die Flasche anfangs sehr „explosiv“ war und bereits einiges an Pulver verschossen hat. In der Nase sehr frische Birne mit ordentlich Kalk, angekündigte Säure, leicht Pampelmuse. Am Gaumen die einerseits mild wirkende Birne mit einiger Extraktsüße, jedoch sehr schön durch Säure und CO2 abgepuffert, andererseits der Kontrapunkt in Form von Pampelmusenzesten mit leicht Kerbel. Der Abgang ist recht lang und prickelig-fruchtig, die Birne bringt auch hier keinerlei Breite mit, im Finale bleibt ordentlich gelöschter Kalk übrig.

Eigentlich aromatisch ein sehr schöner, auch recht typischer Silvaner (-Sekt), vielleicht etwas grob hinsichtlich der Blubberbläschen. Trotz aller unbestrittener Qualität aber kein Nachkaufkandidat, dazu fehlt mir ein bißchen „Kante“. Die könnte z.B. auch durch eine traditionelle Flaschengärung entstehen, hier habe ich eher den Eindruck, daß „einfach“ das Drucktankverfahren angewendet wurde. Jedenfalls steht das Wort „Flaschengärung“ nicht auf dem Etikett, Hefenoten hab‘ ich auch keine gefunden. Und um den gleichen Preis gibt’s auch „kantigere“ Flaschengärer aus der Gegend, z.B. den hier mit dem Hund

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 18 von 25

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