Kühler Späti

Gestern wurde der gemäß Wetterbericht vorläufig letzte heiße Sommertag ausgenutzt, um an einem der umliegenden Seen entsprechende Erfrischung zu suchen. Die Heimkehr erfolgte erst relativ spät, als es bereits dunkel war, die immer noch ordentliche Temperatur schrie jedoch noch nach einem erfrischenden Getränk, gleichzeitig wurde die Farbe Rot gewünscht. Also mal sehen, was der Keller da so ausspuckt:

2014er Pinot noir – Laumersheimer Steinbuckel – trocken – Große Lage – GG, Philipp Kuhn, Pfalz

Im Glas kirschrot mit mittlerer Transparenz, riecht nach Waldkirschen (gibt’s sowas?) und Waldbeeren sowie auf Augenhöhe auch nach Waldboden mit Pfifferlingen und diversen Röhrenpilzen. Am Gaumen etwas mehr Frucht, hier klar von den Sauerkirschen angeführt, etwas blutig, dann wieder der Wald in etwas kleiner; die Säure ist sehr potent und glasklar, fast schon spitz und etwas zitronig, auch von der Steinseite her recht kühl-bläulich aufgestellt. Der sehr lange Nachhall ist ebenfalls klar und frisch, auch hier dominiert die saure Kirsche nebst Limette incl. deutlichem und animierendem Bitterchen; das minutenlange Finale erinnert dann schon eher an einen Gebirgsbach denn an den umgebenden Wald, dazu noch etwas Graphit.

Dem Jahrgang geschuldet ein recht kühler, dabei aber keineswegs irgendwo flacher Pinot noir, der mit seinem Bukett wahrscheinlich noch recht viele Spätburgunderjunkies abholen kann, aber dann wird’s den meisten wahrscheinlich zu karg werden. Aber gerade gestern um halb elf auf der Terrasse bei immer noch 24 °C fand ich diese Art von Spätburgunder sehr gut passend. Und wenn ich bedenke, daß ich für dieses Rest-GGchen gerade mal 18 Euronen bezahlt habe, macht’s nochmal einen Tick mehr Freude!

Meine Wertung am ersten Tag: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: Das Bukett ist signifikant waldiger geworden, das Holz bringt nun auch Koriandersaat, etwas Nelke und leicht Beifuß ins Spiel. Am Gaumen verliert die Sauerkirsche etwas an Boden und macht wiederum dem Wald mehr Platz, die Säure läßt sich jedoch nicht zurückdrängen und sorgt nach wie vor einen frisch-kühlen Charakter, der Wein wirkt aber dennoch insgesamt etwas voller. Auch der Abgang kommt geringfügig fülliger daher, was den Gebirgsbach-Charakter aber eigentlich nicht schmälert. Gefällt mir so noch ein gutes Stück besser als gestern:

Meine Wertung am zweiten Tag: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

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