Stramm filigran

Mit dem Herbst kommen jetzt wieder vermehrt Speisen auf den Tisch, welche sich gerne auch mit einem Silvaner paaren, vor allem mit den etwas anspruchsvolleren Exemplaren (also nicht unbedingt den leichtfüßigeren, klassischen Spargelbegleitern). In der Hoffnung auf ein passendes Pairing habe ich dann folgendes Weinchen ausgewählt, welches einer 12er-Ruck-Probierkiste entstammt:

2017er Silvaner – Iphöfer Julius-Echter-Berg – TRIAS – trocken – Erste Lage, Johann Ruck, Franken

Ein helleres Goldgelb im Glas, beim ersten Reinriechen dachte ich „Au weia, Kitschfrucht!“, nach ein paar Minuten aber hat sich das deutlich gewandelt, nun hellgelbe Mirabellen und Nektarinen mit klarem Kräuterhintergrund sowie etwas Mandarinenschale; mit noch mehr Luft dann auch ein Hauch Torf- / Tabak-Mix. Schmeckt dann auch in etwa so, die orangen Zesten sind dezent und leichtfüßig, fast floral wirkend, aber doch sehr bestimmend, das Steinobst hat hier eher stützende Funktion; dazu eine recht ordentliche Säure und leicht braunwürzige Noten aus der Torf- und Totholzecke. Der lange Abgang betont den recht frisch wirkenden Extrakt am deutlichsten, was durch Kräuter und Säure gut unterstützt wird, schönes Braunwürzefinale.

Nach anfänglichem Schrecken erweist sich das Ganze als recht erfreulicher Keuper-Silvaner, der mit ein paar Jahren mehr auf dem Buckel wahrscheinlich noch ganz gut zulegen kann.

Meine Wertung am ersten Tag: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 18 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: in der Nase dominieren nun Kräuter und der Tabak-Torf-Mix auf die eher leichte, aber doch bestimmte Weise, untend’runter ein ebenso bestimmt-leichter Kaki-Mango-Mix. Am Gaumen setzt sich das so fort, der Frucht stellt sich hier noch eine kleine, freche Pimiento in den Weg, welche mit der paßgenauen Säure für Spannung und Frische sorgt. Auch der Abgang bläst nun ins gleiche Horn, im Finale taucht noch ein Pampelmusenbitterchen auf.

Das ist jetzt schon ein amtlicher Sprung nach vorne, es ist eher selten, daß ich solch bemerkenswerte Entwicklungen über einen Tag erlebe. Vor allem gefällt mir hier die fast etwas paradox wirkende Kombination aus Filgranität und Nachdruck.

Meine Wertung am zweiten Tag: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

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