Mandarine mit Patina

Gestern habe ich mir ein leicht angereiftes und gleichzeitig säurebetontes Weinchen vorgestellt, was mich letztlich zu den 2010ern geführt hat; es wurde dann der

2010er Riesling – Trarbacher Hühnerberg – Spätlese * – trocken – Pw, Martin Müllen, Mosel

Farblich ein mittleres Altgold mit leichtem Braunanteil, fürs Näschen gibt’s gleich satt Mandarine, Minneloa und Kumquat, etwa 2/3 Spalten und 1/3 Zesten, dazu leichter, kühler Schiefernebel. Am Gaumen kommt die orange Agrumenfront mit leichtem Firn und etwas Naphtalin daher, etwas ölig / etherische Struktur, die ordentliche Säure hält jedoch alles superflüssig, läßt dabei aber eine gewisse Eleganz zu; der Schiefer ist hier erheblich besser aufgestellt, wirkt trotz aller Kühle relativ geschmeidig. Der ziemlich lange Abgang basiert auch auf der Nasenfrucht, hier ist die Spannung zwischen Frische und Reife der Agrumen besonders deutlich, im Finale ein leichtes Bittermandarinenbitterchen (stell‘ ich mir so vor, weiß gar nicht, ob’s sowas überhaupt gibt).

Anfangs wirkt das Zitruskonzentrat fast etwas künstlich, wenn man sich ein bißchen an die Etherik gewöhnt hat und der Firn seine anfängliche -fast etwas chemische- Kantigkeit abgelegt hat, ist das ein dichter und komplexer, auch deutlich angereifter Riesling, der jedoch durch die Säure und die durchaus kecken Agrumen einen ordentlichen Schlag Jugendlichkeit bewahren konnte. Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß diese Spätlese aus meiner Sicht nicht mehr besser werden wird.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 19 von 25

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