Dynamischer SB – Relaunch

Da kürzlich jemand aus meinem Umfeld mit Nachdruck die Meinung vertreten hat, daß Sauvignon blanc ausschließlich in ganz jung trinkbar sei, mußte ich jetzt mal wieder ein älteres Exemplar aufmachen, um zumindest für mich selbst den Gegenbeweis antreten zu können:

2009er Sauvignon [blanc] – Lieben Aich – Alto Adige Terlano DOC, Manincor, Südtirol

Im Glas ein recht sattes Goldgelb, fürs Näschen gibt’s überreife Jostabeeren, gelbe Kiwi und etwas Mango, im Hintergrund eine dezente Kräuterspur plus leicht Kümmel. Am Gaumen ist die reife und leicht sekundäre Frucht sehr geschmeidig bzw. fluffig, die benetzenden weißen Tannine ziehen eine leichte Adstringenz nach sich, ein Hauch Campari-Bitterchen schwingt mit; die Säure vermittelt im Verbund mit etwas Pomelo schön zwischen Extrakt und Kräutern bzw. der leichten Schleifscheibenbasis. Auch der Abgang ist in einer super Balance zwischen Gehalt und Frische, insgesamt der am edelsten wirkende Teil des Genusses; im Finale bleiben Korund und ein sehr aristokratisches Bitterchen zurück.

In der Runde kam auf die Frage nach der Rebsorte auch die Antwort „kein Sauvignon blanc“, beim Alter wurde auf 2014 bis 2016 getippt. Je mehr man sich mit dem Wein beschäftigt, desto mehr verdichten sich meiner Meinung nach aber die Hinweise auf angereiften SB der feineren Art, Anzeichen eines Abstiegs zeigen sich noch gar nicht. Insgesamt ein sehr schöner, irgendwie auch „edel“ wirkender Südtiroler Biodyn-Sauvignon, den ich in der Gegend (und nicht nur da) nunmehr recht weit oben in der Qualitätspyramide sehe, da er in den 3 Jahren seit der ersten Verkostung erstaunlich zugelegt hat.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 07. Juli 2017:

Nach dem unkomplizierteren GV gab es gestern noch etwas, das ich als etwas anspruchsvoller eingestuft habe:

2009er Sauvignon [blanc] – Lieben Aich – Alto Adige Terlano DOC, Manincor, Südtirol

Bei den Sauvignons des Bio-dyn-Weinguts Manincor finde ich die Namensgebung über die Jahre etwas verwirrend. Wenn man heute das Portfolio von Manincor nach Sauvignons durchsucht, findet man den „Tannenberg“, der aktuell so roundabout 20 Euronen pro Flasche kostet sowie den „Lieben Aich“ (in großen goldenen Lettern), für den man gut das Doppelte löhnen muß. Dieser SB dagegen stammt auch eher aus der etwas niedrigeren Preisklasse. Ich habe auch noch einen 2008er SB aus gleichem Hause, der dann ganz profan nur „Sauvignon“ heißt. Ich könnte mir vorstellen, daß aufgrund der Verwechslungsgefahr aus dem hier vorgestellten Wein dann irgendwann der „Tannenburg“ wurde, aber das sind aktuell nur Vermutungen von mir. Vielleicht weiß ja jemand mehr…

Die Farbe ist ein mittleres Goldgelb, in der Nase gleich als Sauvignon erkennbar, aber kein allzu lauter Vertreter dieser Sorte. Jostabeeren, Dill, Estragon und Hansaplast (das Original mit Gewebe und dem etwas harzigen Klebstoff) zeigen sich. Irgendwann wird’s auch leicht rauchig-holzig und Silage gibt’s auch noch dazu. Am Gaumen ist der SB leicht gerbstoffig, die Früchte -Kaktusfeige, Mirabelle, Limette, Pomeranze- sind allesamt leicht angeräuchert. Die Säure ist recht kernig und herb, fügt sich aber gut ins Gesamtbild ein. Der Abgang ist ordentlich lang und bringt ein deutliches, aber nicht unangenehmes Chinin-Bitterchen mit.

Ein etwas störrischer, kantiger, aber eben auch vielschichtig eigener Charakter, der seine Freunde nicht unbedingt sucht, aber genügend Faszination ausübt, um diese trotzdem magnetisch anzuziehen. Jedenfalls gefällt mir das Unangepaßte dieses Weins sehr gut, der zur Zeit dem Zenit recht nahe scheint.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

Nachtrag nach 4 Tagen mit Luft: Insgesamt kann man nach 4 Tagen vor allem feststellen, daß die gelben Früchte signifikant zugelegt haben, aber die SB-typischen Komponenten dennoch nicht überdecken. Dafür haben sich die eher ungewohnten Aromen wie das Hansaplast deutlich zurückgezogen. Die Kanten sind ein bißchen weniger geworden, was manchem besser gefallen mag. Für mich einfach ein sehr schöner Umbau auf gleichbleibend hohem Niveau.

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