Neue Hybridfrucht

Heute ist ja Sonntag, da kann man schon mal was Besseres aus dem Keller holen. Zu Kürbis-Ronen-Lasagne (mit ¼ Kastanienmehlanteil im Teig) hab‘ ich relativ lange überlegt, was ich dazu aufmachen soll, anfangs war ich mir noch nicht mal über die Farbe im Klaren; letztlich wurde es dann der

2016er Ploussard – Point barre – Côtes du Jura AOC, Philippe Bornard, Jura

Farblich ein recht helles Ziegelrot mit hoher Transparenz, ganz leicht trüb. In der Nase hellere, reduzierte und rauchige Kirschen plus Blutorange, weiters Buchenstaub und ein Hauch Holzteer, mit Luft kommen auch Trüffel und Pfifferlinge sowie etwas Herbstlaub zum Vorschein. Schmeckt als allererstes „filigran mit Druck“, der Kirsch-Orangen-Mix versprüht eine substanzvolle Leichtigkeit, wieder Rauch und dezentes, aber auch prägendes Bauholz, leicht bizzelige Salzspur mit Lemon Pepper, selbstbewußte Säure ohne Machtanspruch; auch hier hält mit Luft ein kleiner, aber feiner Herbstwald Einzug. Der sehr lange Abgang initiiert einen recht hohen Speichelverbrauch, allerdings nicht aufgrund dehydrierender Wirkung, sondern einfach, weil das Zeug „übelst lecker“ ist; die Symbiose zur „Kirange“ ist hier am weitesten vollzogen, wenn man nicht vom Bukett und Gaumengefühl her die dort klar differenzierten Früchte schon identifiziert hätte, würde man wahrscheinlich Schwierigkeiten bei der Einordnung bekommen; das Finale lebt dann in erster Linie von der reduzierten, sehr präsenten Waldblutorange mit leichtem Pelz.

Manchmal habe ich so den Eindruck, daß eine wesentliche Voraussetzung für eine Spitzenweinbewertung der professionellen Weinauguren in den diversen Systemen der schiere Gehalt an was auch immer ist, filigranere Sachen wie dieser Ploussard (bzw. Poulsard) können da eine noch so perfekte Struktur haben und fallen in der Regel dennoch durch’s Raster. Ich dagegen bin allerdings regelrecht begeistert, wie hier der Spagat zwischen Leichtigkeit und Komplexität sowie Gehalt beherrscht wird, für mich ein großartiger Understatement-Wein, dazu noch mit hohem Wiedererkennungswert, unkonventionell, aber nicht offen freakig, komplex und doch irgendwie unkompliziert…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 24 von 25

2 comments on “Neue Hybridfrucht

  1. Zum knien! Hatte auch vor nicht allzu langer Zeit das Vergnügen. Zusammen mit 2-3 anderen Vertretern dieser Rebsorte aus derselben Ecke für mich im Rotweinbereich fix unerreicht…

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    • Ja, allerdings! Selbst bei den wirklich grandiosen Pinot noirs, die ich in den letzten Jahren probieren konnte, hab‘ ich nicht so weit in meine spezielle Punktekiste gegriffen. Kein großes Kino, das wird eh überschätzt, eher Arthouse pur…

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