Jenseits der Fehler

Hier folgt mein erster Wein von Frank Cornelissen, der in der Naturszene wohl einer der am kontroversest diskutierten Winzer ist. Die meisten seiner Weine sind nicht gerade Schnäppchen, dazu kommt, daß ihnen häufig Fehlerhaftigkeit vorgeworfen wird oder wurde, und zwar in einem Maße, daß ich lange nicht bereit war, blind recht viel monetäre Mittel für ein Experiment mit zweifelhaftem Ausgang zu opfern. Allerdings heißt es auch häufig, daß sich hinsichtlich der häufig bemängelten Fehlerhaftigkeit einiges zum Besseren gewendet. Nun habe ich zusammen mit einem Bekannten vor einiger Zeit einige Weine „neben der Spur“ bestellt um die Versandkosten zu sparen und der Kobesteller hat dabei einige Flaschen des hier besprochenen Weins geordert, da er ihn schon aus früheren Jahren kannte; deshalb dachte ich mir dann -auch wegen des vergleichsweise günstigen Preises- „den probier ich mal!“

2019er [Cuvée] – Susucaru – Terre Sililiane Rosato IGT, Frank Cornelissen, Sicilia

Dies ist eine Cuvée aus Inzolia, Malvasia, Nerello Mascalese und Moscadella zu jeweils gleichen Teilen, übrigens mein erster Wein mit Ardeaseal-Stöpsel, passenderweise rosa eingefärbt…

Farblich irgendwas zwischen Erdbeer- und Ziegelrot, leicht trüb. Am Riechkolben kommen leicht anfermentierte Erd- und Preiselbeeren sowie Blutmandarine (gibt’s das?) mit anhängenden Heferesten sowie leichtem Großholzduft an. Am Gaumen setzt sich das Ganze extrem niederviskos fort, ohne daß der Susucaru deswegen in die Substanzlosigkeit abgleitet, hier zeigen sich auch einige Gerbstoffe bzw. helle Tanninchen, die zu einer partiellen Mikroadstringenz führen; mit Luft macht sich mehr und mehr Hibiscus breit, die Säure ist nicht hervorstechend und doch erfrischend, eine gewisse Flaumigkeit erhöht die Viskosität nicht, steinseitig assoziiere ich einen dezenten Mix aus Kalk und Basalt. Der recht lang hallende Nachhall ist geprägt von der gerbstoffbeflaumten und schön sekundären Frucht, hier auch deutlich Roiboos-Tee und ein Hauch Campari-Bitterchen.

Das ist nun einer der anspruchsvollsten leichteren Rosés bzw. Rosatos, die ich bis jetzt im Glas hatte; er vereint Komplexität und unbeschwerte Leichtigkeit als wenn’s nix wäre. Klar ein „Naturinger“, jedoch einer der sich auch „normalen“ Weintrinkern problemlos erschließen dürfte, wenn man nicht sehr stringent auf bestimmte Stilistiken festgelegt ist. Großer Spaß!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

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