Ode an den Opok

In diesen Tagen war’s mal wieder Zeit, meinem erklärten österreichischen Lieblingswinzer zu huldigen:

2015er Morillon – vom Opok – trocken – Wein aus Österreich, Werlitsch, Südsteiermark

Ein leicht trübes Messing im Glas, in der Nase zuerst Basalt und etwas Phosphor, dahinter Schwarztee und ein Hauch Teakholz, mit Luft dann auch ein Schwefelbad. Schmeckt auch erst mal so, dann kommen jedoch einige hochflüssige und reduktive Zitrusnoten aus der Zitronen- und Limettenecke dazu, mehrere Teesorten von schwarz über grün bis Roiboos spielen mit, eine sehr potente und flaumige Säure sorgt für leicht verschleierte Spannung, auf der erdigen Steinseite mischt noch etwas saures Karamell mit, auch hier nach einiger Zeit ein bißchen Schwefelquelle. Der sehr lange Nachhall lebt in erster Linie von der Teemischung mit Phosphor und im Finale wieder dem sauren Karamell.

Auch wenn die Art der Reduktivität ein bißchen Verwandtschaft mit Mersault & Co. nahelegt, weist die sonstige Stilistik / Aromatik doch sonnenklar auf Werlitsch hin, keiner beherrscht diese Teekompositionen so schön wie dieser Steirer. Auch mit 5 Jahren auf dem Buckel wirkt dieser Basis-Chardonnay bzw. -Morillon noch eher jugendlich ungestüm, ohne aber irgendwas vermissen zu lassen, das noch nicht entwickelt wäre. Dies ist der erste Werlitsch-Wein, den ich vor einigen Jahren bei einer unserer Weinrunden vom Fleck weg ohne Anstrengung trinken konnte, die älteren Sachen brauchten immer einige Tage Anlaufzeit, bis sie dann regelrecht explodierten. Dennoch ist dies auch der erste mir bekannt gewordene Wein des Guts, welcher „nur“ ein „Wein aus Österreich“ ist, also weinrechtlich das unterste Qualitätslevel; ansonsten prangte immer „Landwein Steirerland“ auf den Etiketten. Versteh’s wer will, für uns war’s ein großer Spaß!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

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